Schienen - Du auf Deinen, ich auf meinen - schienen verschieden zu sein. Doch wir mieden den Schein, spürten das Wesentliche, das innere Ähnliche zwischen ihnen, unseren sich getrennt scheinenden doch stets innig verbunden seienden Schienen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
DER ERSTE EINDRUCK VERFEHLT
Die üblichen Blicke, wenn er vielerorts erscheint, eine schwere, harte, dicke Spannung, die alle dort vereint auf einer Seite, er allein auf anderer, mehr als nur ein fremder Einwanderer. Ein Unterklässler, vielleicht ein Feind. Der erste Eindruck verfehlt. Unser Land ist nun voller Schrott. Der erste Eindruck quält. Eine hämische Portion Spott, ein klammer Unterton der Feindseligkeit. Wäre jetzt tückisch jede Art Geselligkeit? Das weiß nur der Liebe Gott. Er spricht, macht, weder langsam noch flott. Er scheint die Spannung nicht zu merken, und doch scheint sie ihn dadrin zu stärken, weiter zu sprechen mit Worten und Werken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KLEINGEREDE
Er sitzt, schweigt. Hört er zu? – Oder
ist er in seinen Gedanken verloren?
Nippt ab und zu an seinem Soda,
sitzt ansonsten still, fast wie gefroren.
Warum setzt er sich abseits von uns?
Weil er Schwarz ist? Wir sind farbenblind.
Weil er älter ist? Erscheinen wir ihm zu klein?
Oder weil wir hier nur Frauen sind?
Sie flüstern und rätseln emsig weiter,
suchen im Äußeren nach Antworten –
Lokalangestellte? Oder Gastarbeiter?
Sollen wir ihn ignorieren oder supporten?
Niemand kommt auf die einfache Antwort,
denn die liegt in seinem Innenleben –
Er kann und mag einfach kein Smalltalk,
überlässt lieber den anderen das Reden.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KLEINE GROSSE SACHEN
Es sind die kleinen Sachen, die wir machen, die das Gleichgewicht stören und, unrepariert, eventuell zerstören Unachtsamkeit, Mini Lügen, unfair den Falschen rügen, Oberflächlichkeit in ernsten Momenten, Ausweichen bei ehrlichen Argumenten Die Benachteiligten ausgrenzen, auf Kosten Anderer glänzen, kleine Geschenke nicht schätzen Missbrauch von Macht und Gesetzen Und häufig merken wir gar nicht die Enttäuschung im anderen Gesicht, die Zerstörung des Gleichgewichts, das Erlöschen des Lichts. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FAIRNESS ALS WIDERSTAND
So schön es ist, dazuzugehören Wichtiger ist es, Dich immer wehren zu können Manche werden Dich nie akzeptieren Sie werden Dir selbst das Existieren missgönnen Sie zu überzeugen ist Zeitverschwendung Du hast wie sie Daseinsberechtigung Kannst dem Kampf nützen Denn sie werden die Regeln beschädigen Du aber musst diese Regeln verteidigen die uns alle schützen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARUM SIND SIE SO WÜTEND?
Grau und bewölkt Aber es ist nicht das Wetter Es sind die Gedanken Die Menschen waren mal netter zu einander, ob Gleichartige oder, noch mehr, Fremde Ein Gewitter braut sich zusammen Bringt es das Ende? Warum sind sie so wütend? Der Groll in ihren Herzen klingt wie grollender Donner Der Blitz erlischt die Kerzen - Der Witz, ein Lächeln, Scherzen oder eine liebevolle Tat wie Sonnenlicht durchbricht die Wolke aus Gedanken und Gefühlen. Liebe als Sonnengedicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÄNDERUNG UND VERÄNDERUNG
Such nie den alten Freund im neuen - Menschen verändern sich von Tag zu Tag, auch Dein Freund, selbst von Moment zu Moment unmerklich wie das Wetter, ziehen gleich den Gezeiten von Mond zu Mond nach einem Herzbeben und wandeln im Geist der Jahreszeiten. Ein Jahr ist eine lange Zeit im Leben eines Menschen. Erwarte nie den selben Menschen heute wie den, der gestern ging - Suche nie den alten Freund in dem alten neu erschienenen halb Freund halb Fremdling - Ihr beide habt Euch verändert. Aber, hat das die Freundschaft geändert? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERZ ZU HERZ
Komm mir nicht zu nahe um zu hören, was ich flüstere Nähe macht nicht lauter das Helle oder das Düstere eines Menschen Inneren. Allein das Herz entziffert was das Herz leise flüstert. Ich weiß nicht, wo Du jetzt seist Du bist schon so lange fort - Bist auf der Erde oder im Jenseits? Dennoch höre ich Dein jedes Wort in meinem Inneren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUGEHÖRIG WEIL ANDERS
Du gehörst dazu Du wirst gehört dazu denn Du hörst zu und spürst dazu Du hörst das Verschwiegene und spürst das Unbeweisbare Du bist das Ergänzende und sagst das Unfassbare Anders sein ist viel mehr Wert als gleich oder ähnlich sein Die Instrumente in einem Konzert müssen unterschiedlich sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IN WELLEN
Wie Blätter vom Baum fallen Menschen von mir ab Einige hängen noch am Saum zarter Gefühle, die ich noch hab aber sie werden zu Schaum. Mein Herz ist ein ferner Strand durchzogen von Dauerwellen. Kaum rollt die eine weg von seinem Sand, schafft es schon der Nächsten Raum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
