Was kommt danach? Wie sieht es aus? Ich habe es vergessen. Sicher gibt es Seen und Matten und Berge und Bäume und Menschen - Aber gibt es Palmen und Zypressen? Wenn ich mich recht erinnere gab es bei Durst Schönheit zum Trinken, und bei Hunger Wahrheit zum Essen. Ich seh einen Hain und eine Bank, vage, unscharf, aber mich dünkt‘s, ich habe dort schon mal gesessen. Ich sehe auch das Gesicht eines Menschen, er sitzt neben mir. Aber wessen Gesicht ist das? Wessen? Ein guter Freund, ich spüre es. Von vor langer langer Zeit. So lange her, ich kann es mit Verstand nicht messen. Nur seelisch spüren. Ein Ort der Güte, wo die Geister sich gegenseitig nur Gutes aufs Gemüt pressen. Was kommt mir nach der Erde, nach Nigeria und Deutschland, nach Biafra und Lagos und Hessen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
ZWEI STAATEN, EIN LAND
Zwei Völker Zwei Herzen Zwei Sprachen Zwei Glauben Zwei Welten Zwei Staaten Ein Land. Wer reicht, wer akzeptiert, ehrlich die Freundschaftshand? Wann gewinnt Versöhnung beiderseits die Oberhand? Religion ist niemals des Glückes Unterpfand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERDBESUCHER
Hier bin ich doch nicht Zuhause Die Frage ist nicht, ob ich gehen werde Sondern wann. Eine riesengroße Erde Voller Heimatlose suchend ohne Pause Und findend nur mehr Heimatlose Die wie sie nicht teilen wollen Eine kleine Erde, die wir alle teilen sollen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE OFFENE ALTE WUNDE
Aus jedem neuen Munde blüht eine offene alte Wunde Armageddon ist im Grunde eine stets wiederkehrende Stunde Kompromisslosigkeit macht die Runde Die Raketen geben laut Kunde: Religion liegt mit Politik im Bunde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER SEHR NAHE OSTEN
Die Bomben verplomben! Aber wer kann Hassen lassen? Der Osten ist haut Nah Er teilt uns wie ein Keil Unheilbar? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUKUNFT TEILEN
Die Sammelbeschwerde gebleichter Knochen schreiend im Leib der Erde warnend ununterbrochen… stumm ungehört, ungeachtet ein Schweigen mit Gewicht ideologisch ausgeschlachtet Totenköpfe grinsen nicht Nie gelänge es einer Religion diese kleine Welt zu regieren - Freier Wille bedeutet Rebellion Wann werden sie es kapieren? Leben und leben lassen Vergangenheit und Zukunft teilen Knochen können nicht mehr hassen, verkalkte Reue, unfähig zu heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS ANDERE NICHT TIEFER QUÄLT
Was fehlt einem so Großes was anderen nicht mehrfach fehlt? Was andere nicht tiefer quält. Und die, der gegenüber Er sich beschwerte, hat sich gestählt und ließ ihre Leiden unerzählt. Sie hörte zu und tröstete aber ihr Herz war wund geschält Und in ihren Augen hat‘s geschwelt Aber er merkte es nicht hat sie mit seinem Verlangen gepfählt und sich mit ihr für eine Nacht vermählt. Sie ließ sich durch ihn ablenken von Euch Schmerzen, die ihre Freude täglich stehlt. Wahrlich: SIE hat ihn ausgewählt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH SAH EINEN BAUM
Ich sah einen Baum Er saß mitten im Raum Atmete kaum Hatte er einen Traum? Felsenfest oder Schaum? Gefangen an der Gesellschaft Saum Ich drucke Dir den Daumen. Überwinde Deine Launen Lausche mit Erstaunen Deiner inneren Stimme Raunen. Die sollst Du hinaus posaunen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WISSEN ÄNDERT DAS BEWUSSTSEIN
Das Gesehene Kann nicht ungesehen werden Gehörtes kann nicht Ungehört werden Wissen ändert das Bewusstsein Unveränderlich. Ich möchte so tun Als wisse ich nicht, wie Ihr über mich denkt - Schwer aber, wenn Wissen Das Bewusstsein lenkt. Das Bewusstsein mit Bewusstsein beschenkt Und damit einschränkt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN DAS VERTRAUEN WEG IST
Wenn das Vertrauen weg ist
Suchst Du vergeblich nach der Brücke
Zwischen uns. Weisst Du, was schräg ist?
Neues Vertrauen schliesst die Lücke
Nicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
