Sie spielt ihn, ihren Saxofon, Und sie spielt ihn gut. Sie gibt an, gekonnt, den Ton. Er wird in seinem Mut Meinungslaut wie ein Megafon, Kündigt an, angeregt, ihre Sintflut, Macht sich zu ihrem Thron: Setz Dich!, was sie auch tut, Seine Krone, sein zweiter Hut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
DER HERBST LÄSST LOS
Ich verzeih Dir Und gedeih in Dir Gerade deshalb. Verzeihung ist Macht Davon wissen ist Macht Ebendeshalb. Macht es Dich leicht Ist es vielleicht Der Grund weshalb Du im Herbst gedeihst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SPIELENDE KINDER
Die blauen dünngeschnittenen Windscheiben - Das Mädchen, wenn ihre Finger ihre Augen reiben, sieht den Wind vorbeilaufend in allerlei Gestalt. Nichts ist vielfältiger als die kindliche Einfalt. Es dreht sich zum Jungen neben ihr, leidenschaftlich erzählend von blauen Windscheibchen selbstverständlich. Er korrigiert sie freundlich, Ja sie sind dünn Aber blau sind sie nicht, sieh doch: sie sind blaugrün! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ELOQUENT SCHWEIGEN
Manchmal stehst Du, mein Ich, allein Wie ein Iroko nicht mal im Wald Nein in der kalten Wüste Du kannst niemandem vertrauen und bald Keinem, den ich eigentlich müßte Geschweige denn denen, die ich küsste Niemand mehr schafft’s in mich, in Dich, hinein. Mein Du, ja mein Ich, wir verstehen Schweigen Es ist uns eloquenter, schlüssiger als Worte Ihre Worte sind eine Ablenkung von ihrem Schweigen Von ihrem tiefsten Tatorte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEMISCHTE RÄUME
Wenn ich keine Energie habe, ist genau das meine Energiequelle - Schwäche so oft ist stärker als Stärke. Multikulti erzeugt nervöse Höflichkeit. Alle sind bestrebt, keinen Fehler zu machen - Gezwungen wird es anstrengend. Aber die Vorurteile sind sichtlich da, eng angezogen wie Schichten von Bindehaut - Fühlbar. Was machen wir mit ihnen? Ohne sie sind wir blind. Mit ihnen sind wir blind. Unsere Worte sind tastende Hände auf unserer Haut: Sie wissen nicht, was sie tun. Trennung bindet uns, Mischung spaltet uns - Verständnis verunsichert uns. Aber Schwäche… Schwäche beruhigt uns. Beflügelt uns. Verbindet uns. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZWEI SEITEN
Offen, sozial Stets mit am Start Freundschaft ist für Zweisame. Nicht die Anzahl Sondern die Art Liebe ist für Einsame. Zwei Seiten Verbinden die weiten Reisen der Gezeiten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS LEICHTESTE IST DAS SCHWERSTE
So leicht ist es, einen Menschen zu töten. Eine Kugel ist ein dichtes Buch, deren Seiten noch Jahre her gelesen werden. Wie ein Samen, aus dem ein Baum wird, drängt sie ins Herz Deines Schicksals ein, speichert Deine Geschichte für nachfolgende Generationen. Aber erst nachdem sie geendet ist, beendet wurde. So leicht ist es, einen Menschen zu töten. Etwas sehr Kleines, Winziges, Unscheinbares genügt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESELLIGKEIT SCHÜTZT NICHT VOR EINSAMKEIT
Die erdrückende Oberflächlichkeit eines Lebens ohne Anbindung - Sprache führt in die Tiefe. Sprachlosigkeit verspricht ihre eigene Verbindung. Warum reden, wenn Schweigen der Schlüssel ist zum Aufsteigen? Die Leichtigkeit der Bedeutungslosigkeit ist der schwerste Druck zu ertragen. Geselligkeit schützt nicht vor Einsamkeit - Die Nähe der Ferne bringt Unbehagen. Menschen, die alles zeigen, wollen etwas verschweigen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MÜHSAME BEGEGNUNGEN
Schwarz ist ein Magnet, zieht weiße Herrschsucht an, egal wie groß das Schwarz steht, egal wie klein das Weiß kann - Die Art scheint die Art zu wecken. Geschichte war für solche nur Blut lecken. Das Bewusstsein läßt sich nicht verstecken, nur bekämpfen und besiegen irgendwann in jeder Begegnung mit Frau und Mann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DURCH MEIN DA-SEIN ALLEIN
Ich lese so viele nachdenkliche Gedanken in den grübelnden Augen und Blicken die an mir vorbei gehen im Büro oder zB am Main. Sie kommen aus einer tiefen Vergangenheit, laufen an mir in der Gegenwart vorbei, gehen in eine für sie ungewisse Zukunft hinein. Was habe ich getan, um so viel Nachdenken bei Menschen auszulösen, die mich nicht kennen, einfach nur durch mein Da-sein allein? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
