DU WEISST

Du weisst, wenn Menschen lügen.
Du spürst es fein.
In der Empfindung gibt‘s kein Betrügen,
der Verstand allein
denkt sich gerne sein Eigenes dabei,
erzeugt dazu den passenden Gefühlsbrei,
lässt sich blind in die Täuschung einfügen.
Und dennoch und dennoch und dennoch…
weißt Du es unterbewusst doch!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE ANDERE SEITE

Eine Welt kann groß sein und leer -
was nutzt Dir ihre Größe dann?
Eine Liebe kann da sein aber schwer -
Was nutzt Dir ihre Nähe dann?
Ein Mensch kann Dir alles geben,
alles nehmen und Dir nichts vergeben -
Was nutzt Euch Eure Verbindung dann?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ICH SPÜRE DEINEN SCHMERZ

Ich spüre Deinen Schmerz, Sohn;
Ein Teil von mir will ihn Dir wegnehmen.
Die schluchzende Brust Deiner Emotion
ist normal, dafür musst Du Dich nicht schämen.
Ein Teil von mir will ihn Dir aber lassen,
denn jeder muss einmal durch den Schmerz
zum Reifen gebracht werden. Fassen
kann‘s nur später, viel später, Dein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KONTAKT

Eines habe ich gelernt -
Um dazu zu gehören
musst Du viel einstecken
musst Du ecken und stören
und die Gleichart selbst erwecken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN DEUTSCHLAND

🇩🇪Eine Leinwand
Eine werktätige Hand
Ein buntes Land
Ein geistiges Band
Ein menschlicher Rand
Ein Mittelstand
Ein Zukunftspfand
Ein Herzbrand
Ein Deutschland.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NICHT AUSTEILEN

Egal wie viel Schmerz ich in mir hüte,
würde es mich mehr schmerzen,
den Schmerz weiter zu geben an Dritte -
Ich behalte ihn in meinem Herzen.

Leid geteilt wird nicht immer weniger -
Ausgeteilt wird er nur noch heftiger.
Richtig eingeteilt macht es einen inniger.

Er lässt sich nicht aufteilen oder verteilen;
Nur im ihn Austragen wird er Dich heilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINBLICK

Jeder Blick
ist Einblick
ins Seelenleben
und Geistesgeschick

Im Augenblick
wütet Sturm und Beben
Im Innenleben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIKRORASSISMEN

Es ermüdet, täglich auf der Hut zu sein. zu bangen;
Feindseligkeit statt Freundlichkeit
aus viel zu vielen fremden Blicken zu empfangen,
Angriffe aus dem Nichts. Hinterhältigkeit.

Es enttäuscht, nicht vertrauen zu können;
den nächsten Dolchstoß ständig zu erwarten;
Wenige zu kennen, die Dir Gutes gönnen;
begriffen zu haben, Du gehörst zu “Fremdarten”.

Es macht Dich stark und schwach zugleich;
Du darfst zart sein aber niemals weich;
wirst Armut überleben aber wirst nie reich.
Zwischen Euch liegt ein unsichtbarer Teich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF DER SUCHE NACH GLEICHART

Auf der Suche nach Gleichart
finden wir welche, die sind gleich zart
oder gleich weich oder gleich hart -
aber worin besteht wahre Gleichart?

Ist Gleichart ein Ausdruck von Kultur?
Trägt Haut die Farbe gleichartiger Natur?
Oder ist es tiefer? Kunst? Musik? Literatur?
Wo findet Geist sie nur? Gleichart pur.

Da ist es! Das magische Wort: Geist!
Was Du wirklich bist und nicht nur heißt.
Das spüren wir in der Empfindung meist -
Was Du empfindest, ist, was Du weißt.

Wirklich weiß. Das spürt jeder für sich allein.
Gleichart kann nur individuell empfunden sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBE UND EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT

Aus Liebe wird eine besondere Freundschaft
wenn die Liebe echt war und fertig ist,
weil Liebe niemals fertig ist -
sie ändert sich und wird zu dieser Freundschaft.

Liebe, die zu jener Freundschaft nicht werden kann,
war entweder niemals wahre Liebe
oder ist noch nicht fertig; weil wahre Liebe,
unfertig, zu dieser Freundschaft noch nicht werden kann.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung