FRANKFURT AM MAIN

Ich höre Dich
wenn ich aus dem Fenster rausrieche
spüre Deine Gedanken Gefühle
in den Augen fremder Menschen
auf Deinen Gassen immer
rufst Du mich bist verlangend bist
besitzergreifend eine zweite Stimme
in meinem Kopf wenn ich nachts
im Bett liege denke ich denke nichts
fühle ich fühle etwas weiß nicht was
empfinde Dich mein gewordenes Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UN-GEDICHTE

Als Du aus meinen Gedichten verschwandst
wurden sie sicher und geschützt vor Schmerzen
und leer, denn vor Schmerzen geschützt
ist nichts, was kommt von Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ROLLEN

Wer fragt
führt

Wer antwortet
verführt

Wer schweigt
spürt

Wer zuhört
berührt.

Che Chidi ChukwumerijeIm Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEHEN IST KOMMEN

Wann kommst Du heim?

Wenn ich den Weg gefunden habe.

Du bist gegangen, um den Weg zu finden.

Ja, den Weg zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ENT-SCHULDIGUNG

Wer kennt das nicht?
Menschen machen Fehler
und Fehler machen Menschen.
Die Vollkommenheit schuf uns
aber erst die Fehlerhaftigkeit formte uns.
Erlebe! Wenn schon, denn schon.

Wer kennt das nicht?
Menschen machen Fehler
die Menschen machen.
Vor und nach dem Fehlgang
- am Ende wie vorher am Anfang -
lacht stets ein Erwachen.

Wer kennt das nicht?
Erst die Schuld-Aufladung
dann im nächsten Lebensabschnitt
die Ent-Schuldigung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEILEN DA ZWISCHEN

Dein jedes Wort ist mir zwei
das Gesagte und Ungesagte
Zu zweit wären wir heimlich drei
zwischen uns läge das Ungewagte
und kommen und gehen wären einerlei.

Du antwortest mir das Ungefragte
mit Deinem rauen, mit Deinem rauen Schrei
Und mein Name war der Angeklagte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SONDER FALL

Fallen war mein Fliegen
und bis ich am Boden ankam
hatte ich es gemeistert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REALITÄT

Irgendwann machst Du die Augen auf.
Erst dann begreifst Du, sie waren bis jetzt zu.
Alles, was Du vorher zu sehen glaubtest,
Waren Hirngespinste und Eigenwünsche.

Die Welt ist hässlicher
Die Welt ist schöner
Als alles, was Du hättest denken können -
Und Du auch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANFASSEN

Ziehe niemals Deine Liebe aus
Sonst wirst Du anfangen, sie zu hassen

Ich habe das Licht ausgemacht
Jetzt kannst Du kommen, wie abgemacht
Ich habe mein Herz angemacht

Möchtest Du mich anfassen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE EINMAL

Das innerste
innerlichste
intimste
Eindringen
Wieso geschieht das so oft
ohne einmal einen Kuss
oder Berührung
Nur Worte
und Augen-blicke
die alle Sicherheitskontrollen
mühelos passieren
und Dich erreichen
entwaffnen
besiegen.

Und eine unstillbare
Sehnsucht
hinterlassen
nach dem Unbekannten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung