BLINDER RASSISMUS

Das Schlimme an Rassismus ist,
daß er nicht weiß, daß er Rassismus ist.

Er denkt, er sei lustig, witzig.
Er behauptet, er sei nett, zuvorkommend, behilflich.
Er glaubt, er sei ehrlich, wahrhaftig.
Er meint, er sei natürlich - sogar menschlich.

Deshalb wird ihm nicht die Erkenntnis,
daß er Rassismus ist.
Vor allem deshalb, weil diese Erkenntnis…
sie zeigte ihm gleichzeitig,
wie klein er ist.

Das Schlimme an Rassismus ist,
daß er nicht wissen will, daß er Rassismus ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHTBUS

Die Nacht ist eine dunkle Tube
Zieht den Flixbus in ihre dunkle Grube
Meine Gedanken aus ihrer dunklen Stube
Fliegen heraus und erhellen die Autobahn
Die Reise kann beginnen ohne Plan
In Erinnerung, Hoffnung, Klarheit, Wahn
Die äußere ist der inneren Reise Untertan.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KUSCHELTIER

Kuscheltier
kuschelt nicht
Heißt nur so
Lächelt nicht
heuchelt nicht
streichelt nicht
Kuscheltier
tuschelt nicht
schmeichelt nicht
so wie so.

Dennoch
füllt es ein Loch
bringt Wärme
Gesellschaft sacht
denen, die keine Arme
halten in der Nacht.
Ersatz für die Zweisamkeit
in einer Welt voller Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DOPPELEINZELGÄNGER

Hast Du auch das Gefühl,
Dich gibt es zweimal?
Einer flüstert in der Nacht,
der anderer wird am Tag vokal.

Ich denke nachts Dinge,
die mir tagsüber fremd sind.
In der Nacht weich, hellsehend,
am Tag hart und blind.

Alle diese Emotionen,
die Nacht für Nacht erwachen
und Tag für Tag verschwinden,
was soll ich mit ihnen machen?

Und die Tage werden kürzer
und die Nächte werden länger -
Der Herbst macht aus einem Einzelgänger
selbst seinen eigenen Doppelgänger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WORTE KOMMEN WIEDER ZURÜCK

Wie Worte überleben
Wie sie Schweigen überdauern
Und wieder auftauchen
Wie U-Boote, wie sie lauern
Bis Herzen sie wieder brauchen
Um sich gegenseitig zu vergeben.

Wie Worte hartnäckig überleben
Geformt als Texte mit festen Bedeutungen
Halb-geformt als im Blut gefühlte Gedanken
Ungeformt als feine Kern-Empfindungen,
Wie altes Geld in und aus alten Banken
Ihr Reichtum irgendwann wieder - und weiter - geben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOPFSCHUSS

Ein Kopfschuss wird heute manchen umbringen.
Anderen dringt die Kugel in die Niere ein,
es könnte aber auch die schreiende Lunge sein
oder das Rückenmark. Dem Herz wird‘s gelingen

ein letztes Gedicht über die Liebe und den Frieden
in den schmerzverzerrten Augen zu lesen -
Alles, was es auf Erden beinahe wäre gewesen -
dann verlässt es die Erde für alle Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR BRAUCHEN FRIEDEN

Stell Dir vor,
Du gerietest jetzt in Kriegsgefangenschaft…
Ich meine jetzt! Jetzt!
Während Du unterwegs nach Hause bist -
Noch bevor Du ein letztes Mal
zum Handy greifen kannst
und Deiner Frau oder Deinem Mann
oder Deinen Kindern oder Eltern
oder Geschwistern oder Freunden sagen kannst…
bist Du weg. Weg. Weg!

Frieden. Leute, Frieden!
Je länger die Kriege andauern,
desto einfacher ist es, Gebiete weiter zu erobern,
Menschen weiter verschwinden zu lassen,
Waffen weiter zu verkaufen,
die Umwelt weiter zu zerstören,
Volkswirtschaften weiter zu verzerren,
die Armen noch ärmer zu machen,
Menschenrechte weiter zu schmälern,
Träume weiter zu töten.

Frieden, Leute, Frieden!
Wir brauchen mehr Streitschlichter
und weniger Kriegsanfeuerer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Saisonwende (für Che)

der winter wird welk der herbst reist ab die nächte kühl die nichts sagen sagen wir kriegen das hin wer jetzt kein haus baut heißt rilke ist ein …

Saisonwende (für Che)

Danke an Bagatellenschmied – aka Herr Hilibi kauft sich einen Hut – bei http://www.herzloseblaetter.wordpress.com! 🙂

DIE STUNDE DER SCHWACHEN

Gedanken wie Hintergrundgeräusche
die die aufkeimende Empfindung stören -
Ich kann sie weder hören noch hellhören

Aber ich kann sie sehen, hell, sehen
wie sie schweigt, Mutter meiner tiefsten Ideen,
jedes Mal, wenn ich sie enttäusche.

Und ich kann sie hören, sehen, spüren
wenn ein Tausend wirre Gedanken
mich nicht bringen können zum Schwanken.

Die Wunde der Starken ist die Stunde der Schwachen
und umgekehrt. Das System muss was machen
wenn Gegensätze sich berühren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAISONWENDE

Grün wie Hoffnung verwelkend
Ein Sommer des Lichtes
Jahrzehnte des Friedens
Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft
Feiern ihr Saisonende.

Der Herbst ist vieles: Er ist bunt,
Reif, er ist herb und kalt, schließlich
zieht er sich und uns alle aus.
Wer wenig hat, dem wird viel genommen.
Wer alles hat, dem wird alles gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung