Ich sehe die Blätter –
Sie ruhen auf dem Boden.
Der Baum, erleichtert,
atmet frei…
Wie gern würde auch ich
alles fallen lassen…
Als wäre ich der Herbst
meines eigenen Lebens.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich sehe die Blätter –
Sie ruhen auf dem Boden.
Der Baum, erleichtert,
atmet frei…
Wie gern würde auch ich
alles fallen lassen…
Als wäre ich der Herbst
meines eigenen Lebens.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich atme Menschen ein
und rieche kein Corona
Meine Lungen dursten wieder nach
Menschen Menschen Menschen,
nach unterer und oberer Gesichtshälfte,
nach Händedruck und Umarmung
Meine Lungen sind leer geworden
Ich habe Lust nach Menschen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich stand
wie eine Frage inmitten von unpassenden Antworten
schweigend umgeben von vielen Worten.
Ich fühle mich angelogen,
obwohl keiner zu mir sprach.
Ich fühle mich beschmutzt,
obwohl keiner mich anfasste.
Ich fühle mich mißverstanden,
und es beschäftigte mich noch lange
nach dem ich wieder Zuhause und alleine war.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Da ist viel mehr Zeit innerhalb eines Tages,
als wir vermuten.
Zeit genug, um mehr zu erfüllen, als wir oft versuchen.
Zeit genug, um alle zu lieben, die wir lieben wollen.
Doch nicht Zeit genug, falsch zu gehen und wieder zurück zu kehren.
Dafür musst Du nach einmal leben.
Drum: widme Dich heute allem,
was Dir lieb und teuer ist.
Zeit für mehr hast Du nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das Wissen springt
wortlos
von Augenpaar zu Augenpaar
Augenblick zu Augenblick
buchstäblich
Doch keiner spricht es aus.
Die einen, um ihre Freude zu verbergen.
Die anderen, um ihre Angst zu verbergen.
Und in dem Schweigen wächst die Gewissheit.
daß Morgen das Kind von Gestern ist.
Nicht heute.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Videokonferenz. Stimmen.
Ich höre mich nicht.
Ich höre nur mein Schweigen, reichhaltig,
genau so laut.
Als die Konferenz plötzlich vorbei ist
und die Stimmen weg sind,
höre ich auf einmal meine Gedanken wieder
und mein Schweigen nicht mehr.
In den Stimmen
höre ich mein Schweigen.
In meinem Schweigen
höre ich die Stimmen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Sonne wiederholt sich
Der Mond wiederholt sich
Die Jahreszeiten, alles wiederholt sich
Wieso erwarten wir denn, daß
einzig und allein die menschliche Geschichte
sich nicht wiederholen wird?
Der Kluge kauft sich Hut und Creme
für den Tag, und ergattert sich
Musik und Liebe für die Mondnacht
Und bereitet sich
schweren Herzens
auf die Dummheit der Menschheit vor.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Naht sich wieder ein Zeitalter,
in dem jeder Soldatenkuss
ein Abschiedsgruß ist,
wo die Liebe ein Fluß ist, die schmerzlich
trennt und vergißt zu trösten?
Das Zeitalter des abgekoppelten Gesterns,
des Morgens ohne Landebahn,
des desorientierten Heutes, in dem
die Hoffnung alleine die knappe Währung ist,
in der wir die Freude, jene Mangelware, tauschen?
Naht sich wieder das Ende von Familien,
der Anfang von Erinnerungen, die von
Fremden hinterher und mühsam
zusammengestellt werden? Naht sich Verrat,
das Ende von Nachbarschaft? Naht
sich das Unterdrücken von Atmen und Wollen,
jetzt wo der Freie Wille nach Befreiung schreit?
Wie eine auseinander genommene Kamera bin ich
viele verschiedene Teile gerade, zerstreut,
ohne Fokus. Ohne Fernblick. Voller Fragen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wie sehnte ich mich nach Dir
als sehnte ich mich nach mir
und als Du verschwunden bliebst,
starb mit Dir der Mensch, der ich war.
Jetzt schaue ich jeden Morgen
aus dem Fenster nervös in die Ferne
und bete inbrünstig, sehnlich, daß
Du nie wieder auftauchst.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich berühre Dich
denke ich, doch
ich berühre mich
Im Dunkeln
zünde ich mir das Licht
wenn ich Dich zum Funkeln bringe
Es gibt keinen Unterschied
im Dunkeln
zwischen Dir und mir
Ich berühre Dich
Ich berühre mich
Hauptsache, Du lachst.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung