Kein Mensch wollte mich
deshalb gab ich ihnen Dich
und sie liebten sich
denn Du mein äußeres Ich
spiegelst sie gut bildlich
oberflächlich
und versteckst problemlos mich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Kein Mensch wollte mich
deshalb gab ich ihnen Dich
und sie liebten sich
denn Du mein äußeres Ich
spiegelst sie gut bildlich
oberflächlich
und versteckst problemlos mich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Der Schnee ist den Gipfeln gewichen
Er ist geschmolzen
und mit einem leisen Seufzer
nach Hause gegangen.
Hier und da wie auf einer Leinwand
behält der überraschte Berg
eine zarte Erinnerung an seinen Gast
langsam verblassend
Und der blaue Himmel hoch da oben
der schiebt die Wolken auseinander
blickt mit Verlangen auf den Berg
und vermisst den Schnee.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

Wie oft schon liefertest Du
den zweiten Schlag
und bereutest es bereits
am nächsten Tag?
Wie oft schon ertrugst Du
den letzten kuss
und littest, denn es schmeckte so
sachlich wie ein Muß?
Irgendwas hat sich geändert
Die Welt wird nimmermehr dasselbe sein
Das alte ist vergangen
Kein’ zweiten Schlag, kein’ letzten Kuss
Zieh einfach weiter mit neuem Geist
und reinem Verlangen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Durch meine Kinder wurde ich als Deutscher neu geboren
Meine Kinder sind als Deutsche meine Eltern
Meine Gedichte sind als Denker meine Lehrer
Meine Freunde sind als Menschen meine Familie
Meine Tage sind als Lebenszeit meine Nächte
Und meine Nächte sind hell, weil ich endlich wach bin.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
die Igbo nannten ihn Amadioha
die Yoruba nannten ihn Shango
die Normannen nannten ihn Thor
alle, unabhängig von einander
erblickten ihn den Donner schaffend
jahrtausendelang hoch im Himmel…
die Christen kamen und sagten
ihn gab es nicht und niemals
ihn kann und hat es nie gegeben…
alle, die ihn im Blitzlicht des Donners sahen,
sahen definitiv Illusionen – oder lügten
oder beteten falsche Götter an
alle, unabhängig von einander,
über unüberwindbare Distanzen,
ja, und jahrtausendelang. Donnerwetter.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
In letzter Zeit
schweigt der Morgen
der Abend redet mit mir
In letzter Zeit
schweigt meine Jugend
und meine Kindheit
Das langsam nahende Alter redet
zu dem Mann in mir
doch ich verstehe nicht
Nur das verlorene Kind
das schweigsam gewordene
hätte es verstanden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Heute haben wir die Wohnung
geputzt und ausgemistet –
viele alte Gedanken und Gefühle
die in Spinnweben sich eingenistet
hatten, kehrten wir runter –
Versteckzeiten sind befristet –
unsere Geschichten sind im
Buch des Lebens aufgelistet.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Das Leben trachtet
nach meinem Leben,
will mir meinen Freitod
immer noch nicht vergeben,
zwingt mich pausenlos leidend
nach meinen Träumen zu streben
um meine Sehnsucht
zu beweisen nach dem Leben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Mit einem Schlag
fiel ein Schatten über die Welt
wie Donner ohne Blitz
Regen ohne Brise
Nacht ohne Mond
Wüste ohne Oase
Garten ohne Blumen
Menschen ohne Herz
Lachen ohne Lächeln
und ohne Liebe
und ohne Leben
und ohne Licht
Manche sagen
wir leben bereits im dritten Weltkrieg
und wissen es nicht –
Alle wissen, wer der Feind ist
doch keiner weiß, wer der Feind ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich finde meine Gedanken nicht
gefangen in Ästen von Lärm und Stimmen
sie finden ihren Weg nicht mehr zurück zu mir
ich strecke meine Arme aus
winke ihnen zum Abschied zu
und laufe weiter, neuen Gedanken zu.
Solltest Du morgen auf Deinem Wanderweg
auf meine alten Gedanken stoßen
reife Früchte im Alltagsgestrüpp des Lebens
nimm und iß und laß Dich befruchten
ich weiß nicht mehr, was ich damals dachte
aber es kam alles von Herzen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung