DIE MACHT DER FREMDENFEINDLICHKEIT

Wenn alle glauben
es liegt eine verborgene
ihnen überlegene Macht
im Schatten
dann stellen sie sich auf die Seite
des Schattens

Dadurch gewinnt dann erst
der Schatten Anhänger
Soldaten, Befürworter, Aufwind
und Stärke – was er alles vorher
nicht hatte

Die Macht des Schattens
ist die Macht der Illusion –
Bleibe Du im Licht
denn im Schatten ist nichts

Einer im Licht
ist stärker
als hundert im Schatten.

Che Chidi Chukwumerije (11.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NEUE WINDE, ALTE FAHNEN

Wir liegen wach seit einem Tag
und einer Nacht und halten Wacht
nach dem Orkan, der kam und kam
und kam noch nicht. Die alten Gefühle
sitzen noch fest in der Windstille
auf der Landschaft mitten im Gewühle
unserer äußerlich gemäßigten Gesellschaft.
Nur einer ist unruhig: der alte Wille
zur Erneuerung ohne Veränderung.
Doch wie kann unsere Gemeinsamkeit
neu werden, wenn die alten Sitten
und Ansichten noch mitten im Herzen
der Bevölkerung sturmreif und tief sitzen?
Auch neue Fahnen wehen im alten Winde
und in den neu kommenden die Alten.
Auf lebe neu der alte Widerstand.

Che Chidi Chukwumerije (10.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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MORGENLIEB

Wir lagen da
wie zwei schöne Gefühle im Magen
und weilten in tausend endlosen Tagen
an einem Morgen
heute Morgen
bis der Morgen sachte vorbei war
auf einmal es war

Che Chidi Chukwumerije (09.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZEITGEISTER

M: Wir reden übermorgen

H: Was wollen wir über morgen reden? Laß uns doch lieber über heute reden?

G: Ne, laß uns über gestern reden. Dann wissen wir Bescheid über heute und morgen. Denn vor gestern gab es keine Geschichte. Alles fing immer gestern an.

M: Alles gut. Doch laß uns das erst übermorgen machen. Denn heute will ich erst über morgen reden.

H: … und morgen erst über heute?

M: Ja!

G: Aber das wäre dann gestern… endlich!

H (*kopfschüttelnd): Was soll ich täglich mit diesen Selbstgesprächen? Gestern und Morgen gibt es nicht. Eines gab es, eines wird es geben. Täglich. Heute bin ich ein Einzelkind. Wie immer.

SCHWEIGEN.

Che Chidi Chukwumerije (08.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEFEHL

Dich gehen lassen
und hinterher trösten
oder
Dich vorher warnen
und hinterher bestrafen
?

Denn ich höre
wie der unruhige Wald
pausenlos
Dich innig ruft:
Kommst Du bald
?

Seine Augen sind
tags dunkel, nachts hell
Sag: Wie
lange noch kannst Du Dich
widersetzen seinem Befehl
?

Che Chidi Chukwumerije (07.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFLINE

Die schönsten Bäume traf ich
offline
Die scheuesten Blumen küssten mich
offline
Die beruhigendsten Pfade beging ich
offline
Die innigsten Begegnungen machte ich
offline

Ich ging online, so für mich hin,
und fand viele Türe, mit und ohne Sinn
Ich ging offline, und wurde selbst die Tür
ohne Schutz, ohne Rahmen, echtes Gespür.
Tausend Kleinigkeiten in tausend Sinnen
In einem Moment offline ist alles drinnen.

Che Chidi Chukwumerije (06.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIE ERTRINKT UND KÄMPFT

Sie war auf der Suche
nach der großen Liebe
Am Ende sitzt sie in mitten
einer großen Familie … alleinerziehend

Vier Kinder sitzen
wie die tiefen Narben ihrer Sehnsucht
auf ihrem Gewissen Tag und Nacht
Eine nimmer endende To-do-Liste…
sich zäh in die Länge ziehend.

Und immer noch schwankt sie täglich
zwischen
Ich habe mein Leben verschwendet
und
Er wird zu mir zurück kehren.
Die Hoffnung, ach, ewig anziehend.

Che Chidi Chukwumerije (05.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEUTE VERÄNDERN

Es gibt nie wirklich einen Morgen
Das Leben verändert sich immer
Denk an all Deine Träume von Morgen
Von ihnen hat keinen blassen Schimmer
Heute – Gestern‘s wahrer Morgen.

Die Art und Weise, wie sich Heute wiederholt
immer wieder im Kern und immer wieder
raubt mir den Atem wiederholt. Wieder erholt
hole ich wieder aus, stimme Morgens Lieder
doch Morgen hat mich Heute wieder eingeholt.

Morgen kannst Du nie aufholen
denn Heute läßt sich nie überholen

nur verändern.

Che Chidi Chukwumerije (04.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WUNDER

Lazarus, komm heraus!
Blume, öffne Dich!
Kind, wachse und gedeihe!
Liebe, entfalte Dich auf den ersten Blick!
Gedanke, treffe zwei Köpfe gleichzeitig!
Mensch, reinkarniere unerkannt!
Geschehen, zeige Dich vorher im Traum!
Sünder, Dir sind die Sünden vergeben!
Worin liegt der Unterschied? Nirgends.
Alle sind gleich Wunder des Lebens
Wunder des Lichtes, Wunder des Liebens.

Che Chidi Chukwumerije (03.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PALINDROMTAG

Von Vorne und von hinten
nehme ich Dich, oh Tag, ganz.
Abwechselnd oben und unten
meine Emotionen in wildem Tanz.
In der Nähe und aus der Distanz
bei faden und bei bunten
Augenstrahlen leuchtet Deine Eleganz
gleich so vorne wie hinten.

Che Chidi Chukwumerije (02.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung