ODEM

Als ich im Dunkeln
Dem Atmen meines Sohnes lauschte
Dachte ich an meinen Vater
Der nachts gerne wach lag
Vielleicht saß er auch so neben mir
Und lauschte
Und ich denke an meinen Sohn
Und frage mich, ob er eines Tages
Auch genau so sitzen wird
Dem Atmen seines Kindes in der Nacht
Lauschend und sich dabei wundernd
Ob sein Vater einst auch seinem Atmen
Lauschte in der Nacht.

Che Chidi Chukwumerije (15.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DAS SCHWEIGEN DILEMMA

Weil sie laut sind schweigen?
Oder weil sie laut sind schreien?
Was soll der Mensch tun, um einzugehen
in den Zustand der gewissenhaft Freien?

Weil ich nicht alles weiß schweigen?
Oder weil ich zu viel weiß reden?
Um zu schützen oder um zu schaden?
Hades oder Eden.

Was soll der Mensch tun, um einzugehen
in den Zustand der von Schuld Freien?

Che Chidi Chukwumerije (14.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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AUS GUTEM HAUSE

Du bist schwarz und sie ist weiß
Sie liebte Dich im streng Geheimen
Neugierig, glücklich, süchtig, heiß
Mit viel Lachen und viel Weinen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Jetzt ist sie wohl verheiratet
Ihr ist‘s wichtig, daß er nie weiß
Du warst (bist?) in ihr tief beheimatet

Du bist schwarz und sie ist weiß
Hat jetzt hochpolitische Ambitionen
Es käme nicht gut an in ihrem Kreis
Alte Passionen sind neue Sensationen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Erinnerungen sind alles, was Du noch hast
Nichts anderes bleibt zurück als Beweis
Wenn Vergangenheit nicht zur Zukunft passt.

Che Chidi Chukwumerije (13.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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REALITÄTSNAH

Stell dir vor, du würdest in einem Körper stecken,
der wächst, wenn du dich zum Wachsen entscheidest.
Großer wachsen, kleiner wachsen, feststecken;
du entscheidest, ob du Freude hast oder leidest.

Stell dir vor, du würdest in einer Welt leben,
Wo uns die Sonne unterschiedlich aufgeht oder nicht;
Auslöser wäre das Wollen, das wir von uns einzeln geben.
Jeder öffnet oder verschließt sich selber dem Licht.

Stell dir vor, du hättest die Macht, ewig zu leben
und diese Macht würde in Deinem Wollen leben.
Je freier dein Wollen, desto höher dein Streben.
Des Freien Wille hört nimmer auf, hell zu weben.

Stell dir vor, das alles wäre keine bloße Vorstellung;
Stell Dir vor, Du müsstest es Dir gar nicht vorstellen.
Ach! Dieser Körper betäubt nur unseres Geistes Einstellung –
Die hellen nennen wir die dunklen, die dunklen die hellen.

Che Chidi Chukwumerije (12.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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BEZIEHUNGSWEISE

„Ich wusste gar nicht
daß Du so prüde bist,“
sagte er ihr mit einem Lachen.
Sie verlor ihr Gesicht,
erlag seiner List,
ließ nach mit ihrem Wachen
und war plötzlich wach!

Öffnete sich eifrig,
floß mit fleißig,
frisch, saftig, fleischig.
Wollte das Gegenteil
beweisen, weil oh weil
– weil was? Schwach weil geil?
Oder geil weil schwach?

Nachdem er Schluss machte
und plötzlich wieder verschwand
aus ihrem unruhigen Liebesleben,
dachte und dachte und dachte
sie nach. Und bis heute fand
sie noch keine Ruhe im Leben.
Jetzt ist sie wirklich wach.

Che Chidi Chukwumerije (11.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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MOMENTE DER WAHREN LIEBE

Die Liebe
Die Morgendämmerung
Flüchtig flüchtig
Morgen ist immer jung
Macht süchtig süchtig
Nach Liebe

Die Liebe
Die Abenddämmerung
Genau so flüchtig
Entzieht sich der Annäherung
Traurig sehnsüchtig
Der Liebe

Zurück bleiben nur die Augenblicke
In denen wir gut waren und gütig
Gebefreudig oder liebevoll streng
Achtsam, respektvoll, demütig
Anteilnehmend am Andern Geschicke
Denn wir sind Menschen und warmblütig.

Che Chidi Chukwumerije (10.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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KOMMEN

Das lange Warten, darauf,
daß Du antwortest. Ich sah
einst einen Wissenschaftler
der starrte in ein Reagenzglas…
Ich warte darauf, daß Du antwortest
Geduldig beobachte ich mich
wie ich in Dir gäre,
gründlich gäre, als wäre ich eine
chemische Substanz, ein Geheimagent
ohne Beschleunigungsmittel
Langsam gäre ich in Dir weiter
Langsam muß es sein
Ich entbehre die Geschwindigkeit
Vermehre mich mit Langsamkeit in Dir,
eine Frage der Umwandlung in die Antwort
auf die Frage, darüber, wo ich hingehöre, fast wie eine Chimäre
und Dein tiefes Atmen in meinem Herzen
Ist alles, was ich noch höre.

Che Chidi Chukwumerije (9.1.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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VERBUNDEN

Wie ein Gast
Neben mir liegend
Liege ich neben mir
Wie ein Geist

Und wie ein Geist
Bist Du mit mir
So anwesend
Als wärest Du mit mir

Denn Du bist da
Mit mir
Frag mich nicht wie
Aber Du bist da

Überwältigend nah
Obwohl Du meilenweit
Irgendwo liegst
Wach in der Nacht

Wie ein Gast
Im eigenen Bett
Und redest mit mir
Ohne Handy

Ohne Worte
Ohne Gedanken
Ein Miteinander stärker
Und intensiver

Inniger und intimer
Wirklicher und wahrhaftiger
Schweigsamer, verständlicher
Als Blut und Fleisch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DAS JAHRZEHNT DER DEUTSCHEN DICHTUNG

Bis zum 2030
Soll mir das Jahrzehnt
Der deutschen Dichtung sein,
Nebenbei erwähnt.

Denk nicht an die Zukunft,
Erlebe die Gegenwart.
Die Ewigkeit ist ein Topf
In dem der Moment gart.

Täglich suchen Sonne
Und Erde ewig sich;
Täglich liebst Du leben
Und Licht und zärtlich mich.

Der Wind durchblättert täglich
Die Baumkrone da drüben,
Was suchst Du in meinen Gedanken
Von der Sehnsucht getrieben?

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung.

Fortsetzung von „2019: Das Jahr der deutschen Dichtung“

Das englische Gegenstück zu diesem Projekt – also täglich dichten in der englischen Sprache – hat in den letzten Wochen seinen Lauf genommen und heißt „Poems from the inner river“, auch hier in meinem Blog zu finden.

Ich muss aber erwähnen, daß mein Blog auch voll ist mit Gedichten, Geschichten, Vorträgen und Musik, die lang vor diesen beiden Projekten bereits hier veröffentlicht werden. Diese sind alle auch hier weiterhin im Blog zu finden.

Die zwei erwähnten Projekte – „Das Jahrzehnt der deutschen Dichtung“ und „Poems from the inner river“ – sind lediglich die neuesten und aktuellen Literaturprojekte meines Bloggerlebens.

CCC.

DIE ANDERE SPRACHE

Ich fand heraus
es gibt eine andere Sprache
in der wir Menschen
eine ganz andere Sache
unmissverständlich
miteinander besprechen.
“Ich will mich stärken
und Dich schwächen”
wird offen gesagt
nicht offen gesagt
in der anderen Sprache;
die tiefe, die einfache.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung