MEHR

Tragweite deiner Entscheidung, deiner Sehnsucht
Dieses Sehnen, geht es um Sehn oder um Suchn?

Wie weit tragen sie die Flügel eines Schmetterlings?
Unvergleichbar den Schwingen des Adlers
Dennoch be-trügen sie mich weiter

Alles Starke, was ich an mir trug
Jegliche Weitsicht, und stolze Männlichkeit
Zart spielerisch machte sie alles zu Nichte

Dann trug sie mich weiter, und ich sah, ohne Worte
Was sie mir die ganze Zeit nicht sagen konnte
Nicht mal mit ihren zartesten Zeilen

Unberührt ist auch berührt.

– Che Chidi Chukwumerije.

AUFGESCHLOSSENHEIT

Stell dir vor
Alle Augen sind verschlossen
Heute Nacht –
Wer soll die Dunkelheit beobachten?

Wäre das Herz eine Kerze
Kerzen überall in der Nacht
Gäbe es die Welt weiterhin zu dritt
Oder sähe ich nur ein einheitliches
Bild?

Aufgeschlossene Augen
Im Ghetto
Aufgeschlossene Augen
In der Wüste
Aufgeschlossene Augen
Auf dem Land
Aufgeschlossene Augen
Überall.

 – Che Chidi Chukwumerije

VORBEI FAHREN

Handschrift ihrer Gedanken
Unsichtbare Tinte
Berührungsängste
Worte sind zu schwer
Zu leicht ist ihre Hoffnung
Reden engt ein
Schweigen deckt auf
Unvolles Treffen
Knapp daneben
Vorbei fahren ist die sicherste Begegnung

Du tanzt dem Lied
Und überhörst den Sänger
Jetzt hast du meine Worte gefunden
Nun hast du mich verloren.

– Che Chidi Chukwumerije.

KOHLENTANZ

Diese Kinder, die Sterben
Gründe dafür gäbe es tausendfach
Doch Gründe genug kennt mein Herz
Tausendfach trifft der Schmerz ein
Ohnmächtige Tränen…

Noch einen Grund gibt es auch
Grund, Hilfe zu schaffen
So wissend war die Menschheit noch nie
Doch so blind auch

Dein Schmerz, er sucht mich heim
Warum? –
Dein Schmerz, er sucht sich ein Heim
Klopft an die Tür meines Herzens,
dieses heute unsagbares Wort!

Je länger ich tatenlos bleibe
Desto heißer brennt die Kohle
Während anderswo auf diesem Planeten
Kinderherzen erfrieren.

 – Che Chidi Chukwumerije

ICH GLAUBE DIR

Sie ist eine Art Medium, ehrlich
All die Medikamente der Ärzte
Haben es nicht geschafft, sie taub
Zu machen. So oft sie die Türe zu
Machen, immer geht sie wieder auf
Ohne Warnung…

Ich behalte es aber lieber für mich
Meinte sie, denn niemand glaubt mir –
Sie lachte nervös und schaute weg.
Ich schaute sie lange an, wie sie weg schaute
Und dann umarmte ich sie and sagte
Ich glaube Dir – und sie weinte und wurde ruhig.

– Che Chidi Chukwumerije 

AFFÄRE

Verlangen ohne Erwartung
Wie geht das denn?
Haben ohne Besitzen – Vor- und Nachteile?
Alles, was ich für dich fühle
Nicht alles hast du gefühlt
Alles, was du von mir hast
Entspricht nicht allem, was du in mir hast.

– Che Chidi Chukwumerije.

LIEBESGESICHTER

Gedicht
Dichtzusammengepresst
Aus-ge-drückt

Kostet ein Herz auch nur einmal die Liebe
Lässt es die Welt es hören…

Hallt sie in ihm ein tausend mal nach
So wird die Welt es ein tausend mal hören.

 – Che Chidi Chukwumerije.

RÜCKSPIEGELUNG

Als sie Probleme, Missverständnisse
Mit ihrem Freund bekam, schlichtete ich
Doch war sie überrascht
Daß ich mit ihm Solidarität zeigte
Obwohl sie meine gute Freundin war

Ich bin halt kein Frauenversteher
Sagte ich, leise, ihr
Auch wenn ich Gedichte schreibe –
Das glaube ich dir nicht, sagte
Sie, das begreife ich nicht.

Ich sagte – ich hab zu lang ritterlich
Meiner Mutter immer Recht gegeben
Bis wurde mein Papa einsam und schweigsam
Und ich älter und ein Papa auch
Und habe, fast zu spät, begriffen

Wir Männer trotz Fehler sind am Ende
Doch alles, was wir gegenseitig haben.
Wenn nicht mal wir uns verstehen
Wer soll es tun? Mein Vater hat
Einfach das Beste getan, was und wie er konnte.

Vielleicht steckt nicht ohne Grund
Der Begriff Sohn
Irgendwo in dem Wort Versöhnung
Irgendwann wird das Leben zum Assoziationsspiel
Wer fährt dann vorwärts ohne Blicke in den Rückspiegel?

– Che Chidi Chukwumerije.

FALLENDE GRENZEN

Es war einmal
Eine Glasscheibe
Aus gefrorenem Eis
Klar wie Kristall
Ein verschlossener See

Dadrunter erblickte ich etwas
Das weinte
Unschärfe Relation
Kommen oder gehen?

Sommer Sommer
Laß schmelzen den Weg
Laß tasten das Ziel.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BEGEGNUNGEN

Tröpfchenweise
Unauffällig, leise
Wie Saat auf weiche Erde
Ohne Erwartung, ohne Beschwerde
Erwachsen, nachdenklich
Zurückhaltend, menschlich
Wie Antworten auf Fragen nach anders sein
Fallen neue Menschen in mein Leben ein.

– Che Chidi Chukwumerije.