LIEBESGESICHTER

Gedicht
Dichtzusammengepresst
Aus-ge-drückt

Kostet ein Herz auch nur einmal die Liebe
Lässt es die Welt es hören…

Hallt sie in ihm ein tausend mal nach
So wird die Welt es ein tausend mal hören.

 – Che Chidi Chukwumerije.

RÜCKSPIEGELUNG

Als sie Probleme, Missverständnisse
Mit ihrem Freund bekam, schlichtete ich
Doch war sie überrascht
Daß ich mit ihm Solidarität zeigte
Obwohl sie meine gute Freundin war

Ich bin halt kein Frauenversteher
Sagte ich, leise, ihr
Auch wenn ich Gedichte schreibe –
Das glaube ich dir nicht, sagte
Sie, das begreife ich nicht.

Ich sagte – ich hab zu lang ritterlich
Meiner Mutter immer Recht gegeben
Bis wurde mein Papa einsam und schweigsam
Und ich älter und ein Papa auch
Und habe, fast zu spät, begriffen

Wir Männer trotz Fehler sind am Ende
Doch alles, was wir gegenseitig haben.
Wenn nicht mal wir uns verstehen
Wer soll es tun? Mein Vater hat
Einfach das Beste getan, was und wie er konnte.

Vielleicht steckt nicht ohne Grund
Der Begriff Sohn
Irgendwo in dem Wort Versöhnung
Irgendwann wird das Leben zum Assoziationsspiel
Wer fährt dann vorwärts ohne Blicke in den Rückspiegel?

– Che Chidi Chukwumerije.

FALLENDE GRENZEN

Es war einmal
Eine Glasscheibe
Aus gefrorenem Eis
Klar wie Kristall
Ein verschlossener See

Dadrunter erblickte ich etwas
Das weinte
Unschärfe Relation
Kommen oder gehen?

Sommer Sommer
Laß schmelzen den Weg
Laß tasten das Ziel.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BEGEGNUNGEN

Tröpfchenweise
Unauffällig, leise
Wie Saat auf weiche Erde
Ohne Erwartung, ohne Beschwerde
Erwachsen, nachdenklich
Zurückhaltend, menschlich
Wie Antworten auf Fragen nach anders sein
Fallen neue Menschen in mein Leben ein.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNRUHIG

Ein gewöhnlicher Nachmittag
Unruhig lauf ich hin und her
Von meinen Gedanken getrieben

Manchen lauf ich davon
Anderen ewig hinter her
Meine Wohnung ist mir zu klein

Es steht mir alles im Weg
Es stehen mir alle im Weg
Ich stehe mir selbst im Weg

Ich verlasse Heim und Herd
Doch der Fluß beruhigt mich nicht
Noch Wiese, noch Himmel, noch Wald

Von allem kann ich mich trennen
Selbst vom Leben – nur von einem
Eben nicht – von mir selber.

Spieglein, Spieglein, Dichtung
Sei heut wied meine Lichtung
Gib mir innerlich eine Richtung

Kaum gesucht, gleich gefunden
Adieu Denken, ich hab’s empfunden
Und meine Unruhe überwunden

Jetzt kehr ich zurück zu Herd und Heim
Es freuen sich alle insgeheim
Es fügt sich ein wie ein Schlußreim.

Ferner, weit am Horizont
Schaut, wie sie neuen Anlauf nimmt
Die dunkle Wolkenmasse.

– Che Chidi Chukwumerije.

STAUNEN

Tiger Tiger
Tausend Krallen
Fänden jetzt keinen Angriffspunkt
Auf meinem Herzen

Deine sanfte Stimme nur
Verschafft mir Sonne
Und in der Nacht tausend Sonnen

So stark deine Weichheit
So sicher dein tastendes Stolpern
Eine Welt für sich
Bist du

Tiger Tiger
Zarte Pfoten
Halte mich wieder wie in jener Nacht
Ohne Vorbehalt
Mit all der Liebe deiner feuerkühlen Urmacht
Und das was du sagst, sag leise…

Tiger Tiger
Es ist ein Raunen im Wald
Ein Staunen in meinem Herzen.

 – Che Chidi Chukwumerije.

DEKLINATION

Der Mensch
wie sein Wort
Ändert sich von Fall zu Fall

Gestalt
Beugt sich Situation manchmal

Doch Inhalt bleibt das Gleiche überall.

– Che Chidi Chukwumerije.

BERÜHRUNG

Berühre mich heute
Nacht nicht – ich bin wund
Ich bin der Nacht Beute
Es klopft die Erinnerung

Salbe. Dein Schweigen
Ist Salbe, ist Liebe, ist lind
Ist wie ein sanfter Reigen
Ist wie ein Schmetterling

Wer tanzt da ohn Gesicht?
Wer drückt da meine Hand?
Es trifft mich, und zerbricht
Ein müder Bumerang

Dich wollte ich aber nicht
Verletzen – sondern schützend
Schwieg ich. Doch im Gedicht
Lieg ich dir hauteng

So trennte uns die Nacht –
Abnehmender Halbmond…
Morgen stimmen wir uns sacht
Wieder ein in unsren Song.

– Che Chidi Chukwumerije.

MUTTER UND SOHN

Im Worte Mutter liegt das Wörtchen Mut
Im Wort Versöhnung schwingt irgendwo der Begriff Sohn
Und heute habe ich den Mut gefasst
Und mich mit meiner Mutter versöhnt

Es hat Weh getan und es tat gut
Ich habe gelernt, Schmerzen auszusprechen
Statt schweigend mich abzuwenden
Ich habe gelernt, Vergebung zu geben
Und entgegen zu nehmen

Ich habe gelernt, daß sich zu entschuldigen
Nur die halbe Strecke ist –
Du musst Dich aber dann auch verändern

Ich habe gelernt, daß Rache
Ob bewußt oder unbewußt ausgeführt
Mehr schadet als sie richtet
Aber wenn wir Liebe in unseren Herzen tragen
Werden diese Schäden zu unseren Lehrern…

Und vieles kann man nicht verändern
Alles kann man nicht haben
Auf einiges muss man sich verzichten
Anderen zu liebe…

Und eine kleine Tat der Versöhnung
Kann in Einem etwas bewirken
Was seine ganze Welt verändert
Und ihn seinen Qualen entlässt…

Selbst wenn ich jetzt sterben würde
Sterbe ich mit Frieden in meinem Herzen.

– Che Chidi Chukwumerije.

ABSCHNITT

Manchmal blicke ich vom Büro
Durch die Glasscheibe hinaus
Auf eine Autobrücke
Die von allen benutzt wird
Und von allen verlassen wird –

Wer soll mich begleiten
Auf meinem langen gebogenen Weg?

 – Che Chidi Chukwumerije.