Ich habe Erinnerungen die ich manchmal lang vergesse - Die Erinnerung an diese Erinnerungen finde ich, ein Schwarzer Hesse, illuminierend. Denn sie erinnern mich an eine Zeit, bevor es mich gab und sie machen mich deren teilhaftig, weil ich ihren Geist in mir hab, neu orientierend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
deutsch
DECKMANTEL
Orange könnte gelb oder rot oder braun sein Entschied sich nachdenklich aber für orange Meine orangene Decke könnte eine Umarmung, ein Mantel oder ein Dach sein Entschied sich aber feinfühlig dafür, eine Decke zu sein Mein Deckmantel könnte eine Geschichte, ein Gesichtsausdruck, eine Verhaltensweise oder sogar eine Beziehung sein - Aber er entschied sich dafür einfach nichts zu sein. Und dadurch alles. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUKUNFT TEILEN
Die Sammelbeschwerde gebleichter Knochen schreiend im Leib der Erde warnend ununterbrochen… stumm ungehört, ungeachtet ein Schweigen mit Gewicht ideologisch ausgeschlachtet Totenköpfe grinsen nicht Nie gelänge es einer Religion diese kleine Welt zu regieren - Freier Wille bedeutet Rebellion Wann werden sie es kapieren? Leben und leben lassen Vergangenheit und Zukunft teilen Knochen können nicht mehr hassen, verkalkte Reue, unfähig zu heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE FARBEN DES ABENDS
Die Farben der Worte sind heller am Freitagabend Aber bis Montag blenden sie nicht mehr montags sind die Narben schwerer und abends suchen sie die Tiefe Suchen nach dem Abgrund der Gefühle, die sie riefen, hervorriefen Abendstund hat Sold im Mund - Ein Schlag in den Magen, Du wirst‘s wagen, Deine farbenfrohe Seele schwarzweiß einzurahmen. Weder Wahrheit noch Lüge befriedigt so tief wie das Berühren Deines Inneren Abgrundes. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE STERNE UND WIR
Die nachtkalten Graphitaugen der Fernen schielen abgehoben nach uns, nach der Vergeblichkeit unseres Tuns, unserer Sehnsucht nach ihnen, Sternen. Distanziert, wie einsam müssen sie sein? Denken sie oder denken wir? Wer Billionen Jahre lebt, ist ein Souvenir des Verlangens gefangen im All ganz allein, denken wir. Aber sie denken es sich anders. Wer keine Zeit hat, sich lang zu binden, lang zu teilen, lang Tiefe zu empfinden, ist dessen Leere, Einsamkeit, nicht besonders? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IN MEINER ERINNERUNG
Gesichter ohne Namen, Wo sind Eure Namen alle hin? Die Jungen, die Damen, Mir einst so nah, es war alles drin. Wo sind Eure Namen heute alle hin? Ab und zu eine Wiederbegegnung Mit einer fremden Person jedes Mal. Nur in meiner Erinnerung Leben meine Vertrauten immortal, Bleiben bei jedem Besuch original. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TAUCHEN AUF GUT GLÜCK
Ein Tag mehr Ein Tag weniger Macher bereuen wenig Träumer bereuen mehr Lass die Tage nicht leer zurück Ein Tag ist ein Tauchen auf Glück Je tiefer, desto belohnender Oberflächlichkeit ist abtötender Du wirst sterben Befreie Dich von JEGLICHEM äußeren Zwang Hinterlasse heute auf Erden Deinen eigenen inneren Schwanengesang Ein Tag mehr Ein Tag weniger. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DES HERBSTES ERSTE GEFALLENEN BLÄTTER
Daß sie gelebt haben, vielleicht geliebt - Daß sie gestrebt haben, Sehnsucht gekriegt - Daß sie die Welt kannten und Abschied auch - Vor Freud und Leid brannten, Gefühl im Bauch - Daß sie ihr Alles gaben mit ganzer Kraft - Daß sie uns Tolles gaben, schöne Landschaft - Sehn wir ihnen an, wie sie friedlich da liegen, braun, welk, ihre Arbeit getan, friedlich abgeschieden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS ANDERE NICHT TIEFER QUÄLT
Was fehlt einem so Großes was anderen nicht mehrfach fehlt? Was andere nicht tiefer quält. Und die, der gegenüber Er sich beschwerte, hat sich gestählt und ließ ihre Leiden unerzählt. Sie hörte zu und tröstete aber ihr Herz war wund geschält Und in ihren Augen hat‘s geschwelt Aber er merkte es nicht hat sie mit seinem Verlangen gepfählt und sich mit ihr für eine Nacht vermählt. Sie ließ sich durch ihn ablenken von Euch Schmerzen, die ihre Freude täglich stehlt. Wahrlich: SIE hat ihn ausgewählt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KURZ UND LANG LEBEN
Wer lang genug lebt zeigt irgendwann seinen wahren Charakter Je länger ein Mensch redet desto exakter wird er und immer exakter im Enthüllen seiner wahren Absicht - Ein Roman ist verräterischer als ein Gedicht. Und dennoch. Sehr oft ist es diejenigen, die kurz leben Sehr oft ist es diejenigen die wenig reden, die an uns kleben weil sie Ehrlichkeit und Wahrheit hinterlassen - eine lebenslange Klarheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
