Wenn sie sagen: Hör mit Deinem Herzen Begreife ich: Das Herz ist ein Ohr Wenn sie sagen: Schaue mit dem Herzen Verstehe ich: Das Herz ist ein Auge Wenn sie sagen: Sag es mit Deinem Herzen Lerne ich: Das Herz ist ein Sprachrohr Wenn Du fragst, warum ich Dich höre Warum ich Dich sehe, warum ich Dich aufsauge Es ist weil ich Dein Herz bin Und Du meins, dem ich Liebe schwor. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
deutsch
ICH HÜTE EINEN TRAUM
Täglich die Welt zu umfassen Täglich die Welt wieder zurück zu lassen Täglich zu sein ein Teil der Massen Ohne zu gehören irgendeiner ihrer Klassen Was bin ich? Ich hüte einen Traum Und suche das Land mit dem passenden Raum Um dort zu pflanzen den Friedensbaum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GUTE NACHT GESCHICHTE
Ich mag es, abends, zum Einschlafen mein Lieblingsmärchenbuch, Dein Herz, in die Hand zu nehmen und zu öffnen. Meine Finger wandern abwärts Meine Augen dringen einwärts Meine Gedanken schweben aufwärts Und dann schlafe ich friedlich ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LICHT AN LICHT AUS
Licht an, Licht aus Adlergeist, Vogelstrauß Dann gehen wir alle zurück nach Haus. Als das Licht noch an war Und Dein Adlergeist wach und klar Wie stellte sich Dir Deine Zukunft dar? Sahst Du uns in diesem Moment: Ein Herz, das rennt; eins, das den Weg kennt, Und einen Schmerz, der die beiden trennt? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESPRÄCHIG
Wenn ich meine Selbstgespräche dazu zähle, Bin ich gar nicht so schweigsam wie Ihr sagt; Es wohnen mehr Menschen in meiner Seele Als alle Eure Fragen gefragt und ungefragt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN BRAUCHEN ZEIT
Ich sah heute einen Mann in Schmerzen Und bei allem Tröstenden, das ich sprach, Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen, Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach. Wunden, wie alle anderen Lebewesen, Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben. Kein Mensch, niemals, kann früher genesen Als die Frist die ihm seine Wunden gaben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUE BLÄTTER
Schulter an Schulter stehen die Bäume während sie ihren Weg gehen durch die saisonalen Zeiträume Und alle Menschen die an ihnen vorbei gehen Wie schnell hören sie auf, wir auf, zu bestehen? Die Gesellschaft wandelt doch ihre Wurzeln bleiben bestehen Die Gesellschaft bleibt unverändert doch neue Blätter kommen und gehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH ZUM WIR
Ich bin hier. Je mehr ich versuche, mich zu entfernen desto mehr, vertiefe ich mich in Dir Du einst so fremdes Land. Kennen zu lernen ist tauschen zu lernen ein bisschen Ich gegen mehr von Wir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUM SPÄTER VERSTEHEN
Ich bin gekommen Und werde gehen Doch erst lange nach dem Ich wieder gegangen bin Werde ich bei Euch ankommen. Dann werde ich nie wieder gehen - Aber auch nie wieder kommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEI KAFFEE UND KUCHEN
Ich kann während eines Gesprächs mit Dir Tausendmal meine tiefsten Innenorte besuchen - Dabei sprachen wir äußerlich über das Wetter Lobten den Kaffee und kritisierten den Kuchen. Und auch Du machst das - leugne es nicht. Unmerklich tauchst Du in Dir ständig ab und auf Immer und immer und immer wieder Und erzählst nebenbei vom gestrigen Auflauf. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
