GEGENSEITIG GEBEN

Wir sind alle Menschen -
Sind wir das?
Wo bleibt das Menschliche?
Es ist krass.

Gib mir Dich
Ich geb Dir mich
Voll umfänglich
Tief und menschlich.

Das Wesentliche
Das Eigentliche
Das Kindliche
Das Menschliche.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEIT WEG

Weit weit weg von hier
wohnt ein Ort tief in mir –
wie ein Spiegelbild von Licht
und Liebe seh ich ein Gesicht
aus ferner Vergangenheit,
und eine Empfindung von Geborgenheit
erfüllt mich trotz Deiner Abwesenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NICHT VERÄNDERBAR

Die Erde dreht sich
Der Mensch ändert sich
Das ist das einzige,
Was unverändert bleibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNSAGBAR

Vieles behalte ich für mich
Denn für vieles gibt es keine Worte
Worte haben die Eigenart,
Die Wahrheit zu verfehlen, die zarte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLES TRIFFT ZU

Alles trifft mich
Nichts erreicht mich
Manches berührt mich
Vieles verpasst mich
Wenig fasziniert mich

Aber alles erfasst mich
Und alles erfasse ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINFACH MACHEN

Machen ist sich wünschen die höhere Form,
Oder die gröbere, und dem Macher die Norm.
Tu es einfach und nimm hin die Rückwirkung,
Sie ist Dein Lohn, Deiner Seele die Bereicherung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GESELLSCHAFT

Wir leben nebeneinander
Sehen einander
Unscharf
Reden miteinander
Kaum
Verstehen einander
Nicht.

Wir leben nebeneinander
Manchmal füreinander
Aber niemals miteinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERSTUMMEN

Vertrauen
Eine Blume
Ist sie einst gestorben…
Verstummen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EMPFINDEN

Ich höre so viele Gedanken
Ohne daß irgendwas gesagt wurde;
Ich überspringe und umfahre
Manch eine unsichtbare Hürde,
Als ob ich sie dunkel ahnen würde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEWEGUNGSRAUM

Ich höre Autos
Aber sie hören mich nicht

Die Nachbarn sehen mich
Aber ich sehe sie nicht

Ich verstehe die Gesellschaft
Aber sie versteht mich nicht

Nicht alles, was Du siehst,
Sieht Dich.
Nicht alles, was Dich sieht,
Siehst Du.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung