FREIHEIT SIEGT

Wenn der Kriegsdämon erwacht
erwacht auch der Friedensgeist –
Nicht umsonst hat die Menschheit
bis heute sich selbst überlebt.

Wie viele Waffen werden benötigt,
um den Frieden für immer auszulöschen?
Waffen ohne Ende seit immer,
und dennoch: Geistig überlebt.

Freiheit siegt. Je stärker die Einschüchterung,
desto größer die Sehnsucht nach Freiheit –
Die Freiheit, wie ein Geist, wohnt in uns
am stärksten, wenn sie unsichtbar ist.

Weil das Fragilste, Glaube, unvernichtbar ist –
Weil das Unfassbare, Hoffnung, unverzichtbar ist –
Weil wo der Wille da ist, und Licht,
jeder Streit hart oder sanft schlichtbar ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÜBERDREHT

Immer noch auf
Kriegsfuß. Barfüßig begegnet.
Unvorbereitet.
Kriegsgruss. Barbusig geschändet.
Ungeschützt.
Kriegskuss. Doppelzüngig gestoßen.
Ausgebreitet.
Ein Todeskuss soll es sein. Ununterstützt.
Abschüssig der Ablauf.
Aufs Kriegsfuß immer noch.

Mein Kind kommt heute von der Schule heim.
Überdreht. Papa, wir werden alle sterben.
Welche Psyche wird ihre Generation erben?
Bisherige Zukunft erstickt im Keim.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BOTSCHAFT DER BOMBEN

Drei Vögel
singen vor meinem Fenster
guten Morgen fühle ich.

Dann fallen die Bomben
und ein Vogel fiel auch
ein zweiter flog weg.

Nur einer ist geblieben
und singt vor meinem Fenster
blutigen Morgen.

Aber ich bin nicht da
um ihn zu hören
denn auch ich bin geflohen.

So leicht ist es
aus einem Menschen
einen Flüchtling zu machen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHAUKELN

Auf Kriegsfuß. Hartfüßig.
Nackte Abdrücke. Engspurig.
Klare Tatsachen. Steifbusig.
Eindringen. Überflüssig.
Handgriff übergriffig.
Annäherung angriffig.
Kriegstreiber wie Liebhaber
schaukeln sich gegenseitig hoch
– und hoffentlich wieder runter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBORGEN

Ein Herzflimmern nervös
Ein Weltzittern
Denn die Welt hat ein Herz
Und es macht sich Sorgen

Ein Schlag! Anfall!
Rückschlag oder Rückzug? /
Liebe heute, wer sich lieben läßt;
Warte nicht auf morgen.

Das Leben, so lang, ist so kurz.
Mein morgiges Gedicht
hat meine Sehnsucht nach Erfüllung
bereits heute geborgen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STURM

In diesem Blut fließt nur, was
entwurzelt und verwundet ist –

Auf diesem Flug taugt nur, was
verloren und gefunden ist –

Nach diesem Schmerz bleibt nur, was
erfahren und gerundet ist –

Bei diesem Sturm steht nur, was
verwurzelt und gebunden ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Danke Lena für die Inspiration.

BEDROHT

Drohbriefe
Nimm Dich in Acht
Eichen werden nun jung abgeholzt
lange vor der Stunde ihrer Macht
Systeme werden früh gehackt,
die fremde Art noch ohne Profil und Tiefe
von Anfang an ängstlich überwacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLOPF KLOPF

Klopf Klopf.
Klopft jemand an mein Herz
Oder klopft mein Herz?
Oder ist das ein und dasselbe?

Knopf Knopf.
Knöpft jemand mein Herz auf
als wäre es ein Hemd?
Oder schwillt der Inhalt meiner Brust?

Tropf Tropf.
Der Durst liegt mir auf der Zunge ~
Herz steht Kopf
und auf dem Sprung, Lunge voller Poesie,

Haut aufgetaut…
Geist ausgereist und dies gefunden:
Die Traute zum Trauen.
Die Liebe zur Liebe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OFFENE FRAGEN

Zwei Fragezeichen
drehen sich zueinander
offen für Antworten
offen für alles
Siehe da: sie sind ein Herz geworden.

Ein gebrochenes Herz
bereit zum Empfang –
Denn jeder Pfeil kam stets unversehens
der wie eine Frage aus Versehen
tief in seine Antwort drang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER WEG INS HERZ

Der Weg durch den Nebel…
Der Nebel durch den Weg…
Nur Mut! Ohne Staub kein Eichenlaub.
Denn das ist ein Menschenherz,
das Du ausschachten möchtest.
Den Kessel vorsichtig doch entschlossen einkesseln,
und achte nicht auf den Furor seines Widerstands,
wenn Du ihn wirklich liebst
darfst Du seiner Liebesangst nicht beipflichten.
Denn das ist ein Menschenherz,
dadrin schlummern Emotionen, nicht Steinkohle –
Du darfst sie lockern und rausholen
Du musst sie anzünden
Er muss mit Liebe und Leidenschaft wieder brennen,
sonst stirbt er langsam, sonst stirbt er bald.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung