Familie
Grabstein
Sie alle warten darauf, ihren Namen
einen nach dem anderen in den Stein
einzumeißeln –
Damit sie endlich zusammen sind.
Aber nur im Namen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Familie
Grabstein
Sie alle warten darauf, ihren Namen
einen nach dem anderen in den Stein
einzumeißeln –
Damit sie endlich zusammen sind.
Aber nur im Namen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Eine einzelne Lampe
Eine Glühbirne
Hängt von der Decke runter
Die einzige Lichtquelle
Wie ein origineller Gedanke, der
alle Köpfe gleichzeitig befruchtet –
Wie eine uralte Empfindung
die ihre Reise von Anfang der Zeit begonnen hat
und nun hier am äußersten Rande der Schöpfung
über unseren Herzen schwebt
denn es ist Weihe Nacht,
der Tag an dem die Schöpfung lacht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bin schwach heute
finde aber in meiner Umgebung keinen Platz
für das schwache mich.
Alle sehen mich mit Augen an
die mich wissen lassen, daß ich für sie stark bin
und stark sein muss.
Deshalb bin ich stark
auch wenn ich schwach bin
besonders wenn ich schwach bin.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Während wir Geschenke auspacken
packen sie sich in Cartons ein.
Das Licht unserer Weihnachtskerze
reicht nicht bis nach Moria.
Und vielen anderen Orten.
Dann fange ich an, zu zu hören…
Ich lausche der Musik der Weihnachtsbäckerei
Ich schenke meine Ohren dem Wind
Und dem Gast den bitteren Wein,
doch die Stimmen aus Moria sind zu weit weg.
Ich höre sie nicht.
Denn es ist Weihnachten.
Fest der Glücklichen und der Freudigen.
Erwachsener stopfen sich voll, und versuchen
nicht zu denken an hungernde Kinder.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wir besuchen einander täglich
mit unseren Augen,
streifen Welten, Anderer Innenwelten,
wo ihre eigenen Gesetze gelten,
streicheln Eitelkeiten,
berühren mit fremdem Blick fremdes Geschick,
sind einander für 24 Stunden ein bißchen näher
und danach ferner als je zuvor.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich bin hart
wie eine scharfe wunde Kante
und schieb gegen die Grenze einer Klischee
und verschieb Dein Weltbild
einzig und allein durch mein Da-sein.
Wie das Jahr kurz vor Silvester
Wie der Morgen kurz vorm Sonnenaufgang
Wie eine Empfindung, kurz bevor sie Gedanken erweckt
Steht die Welt heute vor Veränderung –
Und WIR sind die Veränderung, Du und ich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das Jahr neigt sich meinem Ende
Ich habe so viele Häute ausgezogen
Ich sollte schon längst nackt sein
Doch ich bin noch dick angezogen
Die Unendlichkeit des Seins
Die Blätter fallen wie ein Buch
Schicht unter Schicht unter Schicht
Fallen weg wie Geschichte.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Mit weniger List
wurden Kontinente schon erobert
So viel Verrat, so feine Täuschung
kann es nur zwischen Freunden geben
Denn Feinde durchschauen einander sofort.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ein Ozean liegt zwischen uns
Als wäre es ein Gespräch ohne Worte
In fremden Gedanken positioniert
In einer Ecke meines Verstandes, die ich
Nicht orten kann –
Und der Ozean liegt einfach da,
Eine schwere tote Masse, ein Brei,
Ein ertrunkener unerhörter unausgesprochener Schrei!
Das Blut in meinen Adern füllt sich an wie Blei
Denn ich hadere mit Deinem Schicksal
Und kämpfe, um den Glaube an Dich nicht
Zu vergessen, Afrika.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich floh
in die Tat
in den Tag
in das Nichtstun
in die Nacht
in die Trauer
in die Träumerei
in die Sünde
in die Sühne
in den Streit
in die Sehnsucht
in das Lachen
in die Lust
und in das Leiden –
denn überall suchte ich Dich, meine Liebe.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung