Morgen ist schwanger,
Schwanger mit Gestern
Und mit Übermorgen
Nur Heute wird Morgen fehlen
Denn er ist schon da
Und kommt nimmermehr zurück.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Morgen ist schwanger,
Schwanger mit Gestern
Und mit Übermorgen
Nur Heute wird Morgen fehlen
Denn er ist schon da
Und kommt nimmermehr zurück.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich habe mich oft gefragt
Warum zwei Menschen
Stundenlang wortlos nebeneinander
Im Zug sitzen
Kurz vorm Ende
Lächeln sie sich einander an
Und spüren auf einmal
Daß sie zu einander passen
Doch die Zwischenstation ist schon erreicht
Der eine steigt aus
Der andere reist weiter
Beide mit Schmerzen in ihren Herzen
Im Leben gibt es keine Zwischenstationen
Es gibt nur Endstationen
Was Du während der Reise nicht nimmst
Ist endgültig weg.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es schlummert unüberhörbar
In jedem Wort ein Gedicht –
In jedem einzelnen Wort …
Denn jedes Wort ist ein Wörterbuch
Ein Hörbuch
Und der Poesie ein Hort
Dein Wort redet für Dich
Und redet für sich
Im stillen schönen inneren Ort.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bauchschmerzen
Ich habe viel zu viele Worte gegessen
Lange gekaut, runtergeschluckt
Sehr schwer zu verdauen
Es sind nicht meine Worte
Es sind die derer,
Deren Augen was anderes sagen
Als ihre Worte die mir den Magen verderben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Sonne ist nicht gelb
Die Sonne ist nicht gold
Die Sonne ist nicht rot
Und nicht orange
Das Feuer da oben
Lebte mal in mir
Es war Schmerz, es war Sehnsucht
Es war Freude und tief schwarz
Eines Nachts ging es in Flammen auf
Explodierte, brannte mich nieder
Nun stürmt es täglich auf und nieder
Wie Blut im Kreislauf.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Ferne tut weh
Doch die Nähe noch mehr
Fernweh ist übertrieben
„Nahweh“ ist schwerer zu ertragen
Was habe ich in der Ferne verloren?
Alles, was uns quält, und heilt,
Alles, was uns einengt, alles, was uns befreit
Es ist alles hier. Hier und jetzt.
Das Fremde weilt nicht in Übersee
Das Eis ist immer der kältere Schnee
Am meisten tut die Nähe weh.
Und die unerfüllte Sehnsucht danach.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Das Zimmer ist immer kalt
Und ohne Erinnerung
Der Gast ist immer gleich
Und ohne Erinnerung
Die Neustadt ist immer alt
Und ohne Erinnerung
Der Flugbegleiter ist immer reich
An Wiederholung und Erinnerung.
Den selben Gruß dem selben Gast
Wiederholt, freudig, kurz gefasst
Ist alles, was Du täglich hast.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Azurwiesen
Smaragdhimmel
Immermeere
Gedankenflüsse
Wiedergeburtstage
Erinnerungsbrisen
„Ist alles gut bei Dir?“
„Ja, ich warte auf
den Schluß – und
Abschluß – und
Verschluß – und
Entschluß… des Gedichtes.“
Aber vielleicht war das schon –
Wie das Ende einer Beziehung
Das Absterben einer Freundschaft
Das nächste Kapitel in Deinem Leben –
Schon längst da
Nur weißt Du es noch nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Holz ist stolz
Sonst würde Holz nicht brechen
Vor lauter Starrsinn
Edelholz
Adelstolz
Es gibt Menschen, die weinen nicht
Es gibt Schmerzen, die reden nicht
Und doch leiden sie.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Er beobachtete sie
wie sie wie ein müder Ballon
langsam sank
und aus seinem Gedächtnis verschwand
Er war glücklich
daß er sie vergaß
Er war traurig
daß er sie vergessen konnte
Und er war traurig
daß er glücklich war
und glücklich
daß er traurig war
Ob er nun überwiegend
glücklich war oder traurig
das konnte er nicht sagen
und er wusste nicht warum.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung