DAS JAHRZEHNT DER DEUTSCHEN DICHTUNG

Bis zum 2030
Soll mir das Jahrzehnt
Der deutschen Dichtung sein,
Nebenbei erwähnt.

Denk nicht an die Zukunft,
Erlebe die Gegenwart.
Die Ewigkeit ist ein Topf
In dem der Moment gart.

Täglich suchen Sonne
Und Erde ewig sich;
Täglich liebst Du leben
Und Licht und zärtlich mich.

Der Wind durchblättert täglich
Die Baumkrone da drüben,
Was suchst Du in meinen Gedanken
Von der Sehnsucht getrieben?

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung.

Fortsetzung von „2019: Das Jahr der deutschen Dichtung“

Das englische Gegenstück zu diesem Projekt – also täglich dichten in der englischen Sprache – hat in den letzten Wochen seinen Lauf genommen und heißt „Poems from the inner river“, auch hier in meinem Blog zu finden.

Ich muss aber erwähnen, daß mein Blog auch voll ist mit Gedichten, Geschichten, Vorträgen und Musik, die lang vor diesen beiden Projekten bereits hier veröffentlicht werden. Diese sind alle auch hier weiterhin im Blog zu finden.

Die zwei erwähnten Projekte – „Das Jahrzehnt der deutschen Dichtung“ und „Poems from the inner river“ – sind lediglich die neuesten und aktuellen Literaturprojekte meines Bloggerlebens.

CCC.

DIE ANDERE SPRACHE

Ich fand heraus
es gibt eine andere Sprache
in der wir Menschen
eine ganz andere Sache
unmissverständlich
miteinander besprechen.
“Ich will mich stärken
und Dich schwächen”
wird offen gesagt
nicht offen gesagt
in der anderen Sprache;
die tiefe, die einfache.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAGEGEN WARTE

Warum sagen wir gleichzeitig
Und nicht zeitgleichig?
Warum lieben wir uns gleichzeitig
Und nicht zeitgleichig
Gegenseitig?
Wieso nicht gegenzeitig?
Was ist die Zeit überhaupt?
Mehr als der Moment
Hat sie uns zum Weilen nicht erlaubt
Und dann uns von ihm wieder getrennt
Bis zum nächsten Moment.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBEN OHNE GELIEBT ZU WERDEN

Nachdem sie ihn tötete, verlor er
Die Fähigkeit, sich zu verlieben
– Um so tiefer liebt er nun

Nachdem sie ihn begrub, verlor er
Die Fähigkeit, zu schlafen
– Um so klarer, träumt er nun

Nachdem sie ihn verriet, verlor er
Die Fähigkeit, sich zu schützen
– Um so mehr beschützt er andere nun

Ihr Leben war sein Tod
Sein Tod seine Wiedergeburt
Ihre Liebe war sein fünftes Gebot
Sein Gedankenfluss ohne Furt
Unüberquerbar auf dem Weg zu ihr
Und auf dem Weiterweg weg von ihr.

– Che Chidi Chukwumerije, 04.01.2020
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

RÜCKKOPPELUNG

Es wird immer jemand sein
Der Dich zum Haß anstiftet

Jemand sein
Der Dich vergiftet
Mit Neid

Und es wird jemand sein
Der ganz genau Bescheid
Darüber weiß,
Wer in Deinen Kreis
Hingehört
Und wer eigentlich stört

Und Du hörst auch noch zu
Du Dumme
Denn Du gehörst dazu
In der Summe
Deiner starken Schwächen
Und schwachen Stärken –
Die Stimme tut uns ansprechen
Aus unseren Zukunftswerken.

– Che Chidi Chukwumerije
03.01.2020
im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALL DEINE WEGE

Wenn Wege
Lebewesen wären,
Mit wie vielen
Könntest Du gleichzeitig
Reden
Über Dein Lebensgeschehen
Ohne den Faden zu verlieren
Oder sie zu mißverstehen?
Denn Leben ist ein Gespräch
Mit der Schöpfung
Das man nur sinngemäß
Begreift mit der Empfindung.

Che Chidi Chukwumerije
02.01.2020 im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERR…

Ich danke Dir
Für ein volles Jahr
Das schnell ging und langsam
Gleichsam

Für jede als Gedicht
Getarnte Einsicht
In der Weisheit und der Liebe
Getriebe

Für das Reifen
In meinem Begreifen
Für die Gabe
Einer neuen Aufgabe
Immer wieder
Immer und immer wieder

Für das alte und das neue Jahr
Für das Begegnen und Beseitigen jeder Gefahr
Für Deine Güte, Herr, und Deine Treue
Und Vergebung, nach allem, was ich bereue
Für den Ruf der Ewigkeit
In aller Ewigkeit, in aller Ewigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

JEDEN TAG EINE NEUE SONNE

Und täglich grüßt die Richtung
Die Du gehen musst
Bewusst oder unbewusst

Und täglich grüßt die Lichtung
Wo Du Dich ausruhen
Darfst und Einfaches tun

Und täglich grüßt die Sichtung
Deines Mondes Deiner Nacht
Monde zögern, Deiner lacht

Und täglich grüßt die Gewichtung
Deiner Lebensziele
Denn sie sind viele

Und täglich grüßt die Dichtung
Denn durch Wiederholungen kriegt
Der Tag das Jahr langsam besiegt.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das 1. Jahr der deutschen Dichtung

DEZEMBERS STILLES ENDE

Wüsstest Du, daß die Einsamkeit
Ein Schutzmittel gegen sich selbst ist?
Wenn sie nah ist, ist sie weit
Wenn sie weit ist, wird sie vermisst
Von der in Dir wohnenden Einsamkeit
Denn sie vor allem braucht Gesellschaft –
Gesellschaft ehrlich, tief und wahrhaft.

Wie viele Gedanken nehmen wir
Vom alten ins neue Jahr mit rüber?
Wie viele Persönlichkeiten schälen wir
Denn die Zeiten werden immer gröber –
Welches Schutz-Ich wählen wir?
Kraft der Einsamkeit laut der Einsamkeit
Hören wir am klarsten in der stillen Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DIE RÜCKKEHR INS PARADIES

Er kehrte nicht mehr zurück
Nicht weil
Er den Weg ins Glück
Suchte und nicht mehr fand
Sondern weil
Er an nichts mehr über das Land
Des Glücks sich erinnerte.

Er glaubte nicht mehr daran
Weil
Ohne Ziel kein Reiseplan.
Ohne Sehnsucht keine Erinnerung
Weil
Ohne Sehnsucht keine Aufdämmerung
Dessen, was schlummerte.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung