TRÄGHEIT

Die Schneeflocke, ist sie
träge oder leicht?
Ich trage Dinge in mir
so schwer, ich denke: Es reicht!

Die leeren Dinge wiegen
schwer auf meiner Tragfläche
Die tiefen Dinge liegen
ungern auf meiner Oberfläche

Nein ich sehe mich nicht
Denn ich kritisiere gerade Dein Gesicht
Mein Kopf ist zu schwer – war das meine Absicht?
Ich kann meinen Blick nicht heben, zur Einsicht
Die Trägheit, in der Tat, ist geistig.

Ich muß mich selbst vom Boden aufheben
und tragen mit eigenem Wollen
Diese Trägheit täglich neu überwinden
ist das Höchste, was wir tun sollen

Gefährlicher als das Dunkel in anderen
ist das Dunkel in mir selber
Schwieriger als andere zu besiegen
Ist das Bezwingen meiner eigenen Fehler.

– Che Chidi Chukwumerije
Das Jahr der deutschen Dichtung

IM ZEITALTER DER GRENZEN

Die Globalisierung, statt die Grenzen zu öffnen,
Hat sie lediglich näher an einander gerückt
Damit sie sich gegenseitig besser sehen, besser hassen;
Die Spannung macht alle gleichsam verrückt!

Besser wäre es vielleicht, die Grenzen wären noch zu
Und stattdessen die Herzen würden aufgehen
Dann würde jeder uneingeschränkt Eingang finden
In jedes andere Herz – und sich verstehen.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GUTEN MORGEN

Es gibt Tage
Und es liegt nicht am Wetter
Da grüßen die Leute schöner
Verbindlicher
Schauen Dir in die Augen
Durch deren halboffene Fenster
Überraschung ein Herz sagt kurz wirklich Hallo
Bevor sich die Wege trennen…
Und jeder geht in seinen guten Tag hinein

Hinaus in die Lichtleere
Doch glücklich als wäre
Jeder von uns selbst eine Sonne

Und der Grund für diese Wonne,
Dieses seltsame Fehlen von Sorgen?
Ein ehrlich gemeinter “Guten Morgen!”

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

BLIND

In der Zukunft angekommen
Strassenschilder verschwommen
Heißersehntes wirkt befremdlich

Ist es dunkel oder bin ich blind geworden?
Gestern sah ich einen anderen Morgen
Nun flattr’ ich verwirrt, Fledermaus ohne Echo

Ohne Spiegel bist Du nackt
Nur ein Radar bleibt mir noch intakt:
Erinnerung der Überzeugung.

Und unterdessen
Nie wieder zu vergessen:
Empfindung.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019:Das Jahr der deutschen Dichtung

INCOGNITO

Sag den Menschen nicht, wer Du bist
Sonst erfährst Du nie, wer sie sind
Sie sollen sich ruhig mit dem auseinander setzen
Was sie glauben zu sehen blind

Warte auf die Wahrheit, kommen wird sie
Kommen wird sie, wenn sie sich sicher wähnen
Häßlich, der Moment der Enthüllung der Mysterie
Du wirst Dich für sie schämen.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DER NEID

Aufsteigend schleichend
Windend, verbrannt, Schlange
Augen Blick ausweichend
Hinterhältig lange

Wütend lächelnd schielend
Was setzte ihn in Gange?
Unwissend Schmerz wühlend –
Mein Herz, bange, bange!

Neidend umkreist sie Dich lauernd
Freundlichkeit auf der Wange
Dich bewundernd, sich selbst bedauernd
Der Neid wurde ihr zum Hange

Langsam allmählich wich die Freundschaft
Der Tisch bricht, das Maul klafft
Traurige, friedlose, lebenslange Haft –
Den Neider tötet sein eigener Neid in seinem Fange.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WICHTIGKEIT

Je mehr Du bist
Desto kleiner musst Du sein
Sonst bist Du bald zu groß
Passt nirgendwo mehr hinein

Und wenn Du groß genug bist
Verschwindest Du gerne
Es sei, Du bist doch klein
Gibst Dich wie einer der Sterne

Wie schön es ist
Das Gewicht der Schöpfung
Auf Deinem Geiste zu spüren

Und Du es durchlässt
Passt Dich an ihrer Strömung,
Leise – Dich muß keiner hören.

Den Wichtigseinwollenden
Überlässt Du gerne den engen Raum
Wichtiger ist’s, dankbar zu erfüllen
Zuverlässig treu wie ein Baum.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

EINFACH SEIN

„Einfach“ – so ein einfaches Wort
Schwer zu deuten, wenn man zu viel denkt

Das Natürlichste, Heim, Herd, Hort
Himmel und Erde kindlich uns geschenkt

Ich horche wundernd im stillen Ort
Den weisen Reigen des Unwichtigseins

Ich höre allumfassend tiefe Antwort
Mit Einfachheit des Einmaleins.

– Che Chidi Chukwumerije

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2019:Das Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

UNVOLLENDET, MANN

Stark sein müssen
Ist des Mannes Fluch
Wer verzeiht denn dem schwachen Mann,
Der scheitert trotz mehrmaligem Versuch?

Sein Stolz tötet ihn doppelt
Und als wäre das nicht genug
Die Erwartungen der Gesellschaft
Schleppt er mit im Zug

Ich halte hier inne –
In seiner Dunkelkammer drinne
Sieht er alles Negative in einem anderen Sinne…

Aber er kann es keinem erklären
Ohne wie ein Bettler zu erscheinen
Er ist ein Mann, er muß weiter laufen
Und sterben auf seinen zwei Beinen.

– Che Chidi Chukwumerije

2019: Mein Jahr der deutschen Dichtung
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DRAN BLEIBEN

Die größten Dinge geschehen
Auf kleiner, unscheinbarer Art
Die wir meistens nicht verstehen
Bis sie fertig sind und fort

Wie oft wurd ich abgeschrieben
Von allen und von mir?
Ist mir ein Rätsel geblieben?
Wie kam ich durch die Tür?

Ich werd für meine Sünden bezahlen
Die Rechnung steht noch aus
Die kleinen, die monumentalen
Nichts wird gelegt auf Eis

Die Musik und die Dichtung
Jedoch sie führen mich
Die Liebe kennt die Richtung
Und lässt mich nie im Stich.

– Che Chidi Chukwumerije

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