WIR SIND

Wir sind wie Zombies
Leben in Deutschland wie
Schatten in einem Raum leben –
Nämlich nicht. Nur
An der Wand schemenhaft schleichen
Unstet, unsicher, bruchstückhaft
Unerfasst und unfassbar
Und fassungslos

Wie Geister tauchen wir aus dem
Nichts nachts auf
Tanzen laut wie entfesselte
Verzweifelten…
Lachen mit Mund
Fragen einander gegenseitig mit Augen
Was wir hier machen –
Nämlich nichts.

– Che Chidi Chukwumerije.

STIMMUNG

Musik Scheiße
Stimmung geil

Video blaß
Konzert killt

Text nichtssagend
Doch die Luft brennt!

Wie eine unscheinbare Frau, die dir
Eine unvergessliche Nacht beschert

Du musst nicht der Beste sein
Du musst es nur mit Herz und Wahrheit tun
Und du reißt alle mit.

– Che Chidi Chukwumerije.

ZUSAMMEN REIFEN

Zu erst Ärger, dann Faszination
Dann Widerstand, dann Resignation

Dann Glück, voller Hoffnung
Dann Schmerz, aus Enttäuschung

Dann Nachdenken, bis zum Begreifen
Dann Verständigung: zusammen reifen

Und jetzt bleiben nur zwei Dinge
Hochzeitskleidung und Hochzeitsringe.

– Che Chidi Chukwumerije.

SCHNEEWALD

Puderzucker auf den Fluren
Kindlich, rein, pur
Überall Tierspuren
Von Menschen keine Spur.

– Che Chidi Chukwumerije.

LICHT-SICHTUNG

Befreie dich
Von Michtung

Verkette mich
In Dichtung.

– AKA TERAKA.

MITEINANDER

Ich bin Fremder in Deutschland
Und bekomme es zu spüren
Weniger ist mehr

Doch die Da-zugehörigkeit
Sie überwiegt
Siegt.

Nie sah ich die Menschheit
Einig unter sich
Und man sagt, ich habe schon mehrmals gelebt
Seit Urzeiten mal hier
Mal dort
In vielen Menschenherzen, ewige Kultur

Immer gab es einen Grund,
Zwiezuspalten
Und das Miteinander immer wieder
Neu zu gestalten.

– Che Chidi Chukwumerije.

VOYEUR

Manchmal sitze ich vor dem
Schönen großen Smart TV und
Beobachte nicht das Programm, sondern
Die eingebaute kleine Kamera drauf

Ein IT-Techniker in Lich, der
Hat seins zugeklebt. Die können
Alles sehen, hat er mich unterrichtet
Selbst wenn sie aus ist –

Ob das stimmt, wundere ich mich
Ziehe langsam die Unterhose aus
Ich sehe ihre tausend Gedanken
Und lenke sie von meinen ab.

– Che Chidi Chukwumerije.

SCHWANGER (SEHNSUCHT NACH FRÜHLING)

Du hast deine Gefühle
Neulich bei mir geliefert
Her ein fuhr, wie ein Frachter

Ein Blick von Dir – Ich
Freue mich über die Sonne
Heutzutage. Die Sonne

Im Walde. Die nackten Zweige sind
Schwanger mit ungeborenen Blättern
Frühling. Zitternd vor Freude

Lass mich ’raus
Wackelnder Schwanz
Nach oben schaut ein Hund

Er sucht einen Bund
Sein Wunsch ist gesund
Lass mich ’raus

– Che Chidi Chukwumerije

UMWANDLUNG

Wir leben, scheint es,
In Zeiten der schnellen Veränderung
Man steht morgens auf und
Erkennt sich selbst nicht mehr

Frau erfindet und findet
Sich immer und immer wieder neu
Und ist noch nicht am Ziel

Der Nachbar wird zum Fremdling
Der Feind wird zum Verbündeten
Geselligkeit zur Bedrohung
Angst zur Weisheit
Freunde zur Erinnerung –

Und lange lange Gesuchtes
Als längst verloren Verbuchtes
Auf einmal ist es endlich da.

– Che Chidi Chukwumerije.

MENSCHHEIT

Ich strauchelte denn
Der Weg war deine Sehnsucht
Und immer wenn der Drang
Die Gänge überflutete

Gab es Krieg und wir stritten uns
Über Geld, Politik und Religion, Haben und Sein
Über KulturRasseGeschlechtKlassen und Familie
Und hielten Vortrag über Empfindung

Und feierten Gott und Gottlosigkeiten
Bis dein Drang anders gestillt war
Als ehrlich Schwäche zuzulassen
Und zu lieben statt zu hassen.

– Che Chidi Chukwumerije.