UNBEHAGEN

Behagen
Sah ich schlendernd
An allem vorbeigehen
Es roch nach Luxus und Komfort
Und hinterließ
Uns Ungeagen

Seine Augen
Fett wie Matratzen
Global ausgeweitete Pupillen
In jedem lag eine Lüge
Verbreitet
Ausgebreitet
Es geht der Welt gut
Schaut mich nur an

Ein Gedanke für dich
Ein Gedanke für mich.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BEFREIUNGSSCHLÄGE

Wieder so eine Stunde
In der es gilt, alles zu verlieren
Um frei zu sein, darf nicht zurück schlagen.

Alles verzeihen, allen verzeihen
Jeden Schmerz als Befreiungsschlag hinnehmen –
Wenn Ihr nur mein Schweigen
Richtig deuten würdet.

Wieder so eine Stunde
In der jeder Schmerz mich an den Augenblick
Erinnert, als ich ihn einem anderen einst
Zufügte. Und du, mein Peiniger, hast keine
Ahnung, was du dir gerade angetan hast.

Einst wirst auch du um Verzeihung bitten
Und dir selber aber nicht verzeihen können.

Das wird die Stunde deines Schweigens sein.

– Che Chidi Chukwumerije.

GUTEN TAG

Tausend Stimmen
Der selbe Schrei
Einsame Herzen, sie scherzen
Und meinen es im Ernst –
So vielschichtig ist ein einfacher Gruß.

 – Che Chidi Chukwumerije.

DICHTERNEBEL

Ich bin nur ein Dichter
Meine Worte gehen auf Reise
Ziehen sich aus
Wie ausziehbare Fernrohre
Ziehen sich in die Länge
Lassen auf Ferne zurück blicken
Alles wirkt nah, greifbar
Doch streckst Du die Hände danach aus
Begreifst Du
Daß das die Art der Dichtung ist
Dinge nah zu bringen und dennoch
Fern zu halten.

Mehr als ich Prosa lese und liebe
Verschlinge ich unersättlich Gedichte
Gnadenlos wie Messer
Stechen sie tief ein
Scheu wie Rehe
Lassen sie sich nicht
Fassen.

– Che Chidi Chukwumerije.

KEIN MAL AM TAG

Bist Du schon mal hungrig gewesen? Dreimal am Tag besucht er. Dreimal am Tag schickst Du ihn weg. Aber sag, kennst du ihn wirklich, den Hunger?

Kennst du seine Gesichtszüge? Die vielen verschiedenen Blicke seiner Augen? Seinen Gang? Seine Gedanken?Habt ihr euch mal mit einander
Tagelang unterhalten? Ist er schon mal bei dir wochenlang Eingezogen? Er ist Hausmeister. Hast du monatelang bei ihm gewohnt? Hungers Gast. Ein eifersüchtiger Liebhaber ist er. Er will alles, aber alles. Und sollte er dich nur einmal jahrelang in seinem Gefängnis einsperren, was wirst du tun?

Atemlos – er macht atemlos
Sprachlos – er macht sprachlos
Machtlos – er macht machtlos

Ein Gesicht.
Das Kind dadrüben im Staub
Das zart lächelnde…
Ich weiß, es hat heute noch nichts gegessen
Das sehe ich in seinen Augen.
Kein Lächeln kann
Hungers Gesichtsausdrücke
Verschleiern.

 – Che Chidi Chukwumerije.

MEHR

Tragweite deiner Entscheidung, deiner Sehnsucht
Dieses Sehnen, geht es um Sehn oder um Suchn?

Wie weit tragen sie die Flügel eines Schmetterlings?
Unvergleichbar den Schwingen des Adlers
Dennoch be-trügen sie mich weiter

Alles Starke, was ich an mir trug
Jegliche Weitsicht, und stolze Männlichkeit
Zart spielerisch machte sie alles zu Nichte

Dann trug sie mich weiter, und ich sah, ohne Worte
Was sie mir die ganze Zeit nicht sagen konnte
Nicht mal mit ihren zartesten Zeilen

Unberührt ist auch berührt.

– Che Chidi Chukwumerije.

AUFGESCHLOSSENHEIT

Stell dir vor
Alle Augen sind verschlossen
Heute Nacht –
Wer soll die Dunkelheit beobachten?

Wäre das Herz eine Kerze
Kerzen überall in der Nacht
Gäbe es die Welt weiterhin zu dritt
Oder sähe ich nur ein einheitliches
Bild?

Aufgeschlossene Augen
Im Ghetto
Aufgeschlossene Augen
In der Wüste
Aufgeschlossene Augen
Auf dem Land
Aufgeschlossene Augen
Überall.

 – Che Chidi Chukwumerije

VORBEI FAHREN

Handschrift ihrer Gedanken
Unsichtbare Tinte
Berührungsängste
Worte sind zu schwer
Zu leicht ist ihre Hoffnung
Reden engt ein
Schweigen deckt auf
Unvolles Treffen
Knapp daneben
Vorbei fahren ist die sicherste Begegnung

Du tanzt dem Lied
Und überhörst den Sänger
Jetzt hast du meine Worte gefunden
Nun hast du mich verloren.

– Che Chidi Chukwumerije.

KOHLENTANZ

Diese Kinder, die Sterben
Gründe dafür gäbe es tausendfach
Doch Gründe genug kennt mein Herz
Tausendfach trifft der Schmerz ein
Ohnmächtige Tränen…

Noch einen Grund gibt es auch
Grund, Hilfe zu schaffen
So wissend war die Menschheit noch nie
Doch so blind auch

Dein Schmerz, er sucht mich heim
Warum? –
Dein Schmerz, er sucht sich ein Heim
Klopft an die Tür meines Herzens,
dieses heute unsagbares Wort!

Je länger ich tatenlos bleibe
Desto heißer brennt die Kohle
Während anderswo auf diesem Planeten
Kinderherzen erfrieren.

 – Che Chidi Chukwumerije

ICH GLAUBE DIR

Sie ist eine Art Medium, ehrlich
All die Medikamente der Ärzte
Haben es nicht geschafft, sie taub
Zu machen. So oft sie die Türe zu
Machen, immer geht sie wieder auf
Ohne Warnung…

Ich behalte es aber lieber für mich
Meinte sie, denn niemand glaubt mir –
Sie lachte nervös und schaute weg.
Ich schaute sie lange an, wie sie weg schaute
Und dann umarmte ich sie and sagte
Ich glaube Dir – und sie weinte und wurde ruhig.

– Che Chidi Chukwumerije