KEIN MAL AM TAG

Bist Du schon mal hungrig gewesen? Dreimal am Tag besucht er. Dreimal am Tag schickst Du ihn weg. Aber sag, kennst du ihn wirklich, den Hunger?

Kennst du seine Gesichtszüge? Die vielen verschiedenen Blicke seiner Augen? Seinen Gang? Seine Gedanken?Habt ihr euch mal mit einander
Tagelang unterhalten? Ist er schon mal bei dir wochenlang Eingezogen? Er ist Hausmeister. Hast du monatelang bei ihm gewohnt? Hungers Gast. Ein eifersüchtiger Liebhaber ist er. Er will alles, aber alles. Und sollte er dich nur einmal jahrelang in seinem Gefängnis einsperren, was wirst du tun?

Atemlos – er macht atemlos
Sprachlos – er macht sprachlos
Machtlos – er macht machtlos

Ein Gesicht.
Das Kind dadrüben im Staub
Das zart lächelnde…
Ich weiß, es hat heute noch nichts gegessen
Das sehe ich in seinen Augen.
Kein Lächeln kann
Hungers Gesichtsausdrücke
Verschleiern.

 – Che Chidi Chukwumerije.

4 thoughts on “KEIN MAL AM TAG

  1. Wir müssten solange das Essen verweigern, bis alle zu essen haben. Kein Mensch dürfte hungern, bei dem, was die Welt an Nahrung produziert. Es liegt in der Hand der Mächtigen und es liegt in der Hand der Unmächtigen, die Mächtigen zu entmachten. Erst dann wird teilen möglich sein. Kein Reicher verschenkt ein Stück Brot freiwillig. Nur die Armen geben ab vom Wenigen, was sie haben. LG

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    1. Wenn wir alle völlig die Nahrung verwiegern würden, bis alle genug zu Essen haben – dann würden wohl alle verhungern.
      Aber die grundsätzliche Idee ist nicht schlecht. Teil-Fasten in der Form, dass alle auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten – eine Woche die Milch, dann das Brot…
      und so viele müssten Teilnehmen – dass Handel und Nahrungsmittelindustrie das deutlich spüren…

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      1. Poeten drücken sich manchmal etwas unorthodox aus, gleichnishaft, metaphorisch. Wenn du Kafkas Hungerkünstler gelesen und verstanden hast, weißt du ungefähr, wies gemeint. ist. Es betrifft zwar den Hunger auf Nahrung, ist aber insofern offen gehalten von mir, dass Hunger eine Metapher für alle Lebensbereiche sein kann, wo ein Mangel herrscht und darüber hinaus für das Leben selbst. Menschen werden versklavt: Sie haben etwa Hunger auf Freiheit. Man darf das nicht wörtlich eins zu eins nehmen, was Poeten sagen, denn es steckt oft viel mehr dahinter, besonders die Problemen, die zum Hunger überhaupt erst führen und führten und die wir Europäer nicht selten mitverursacht haben. Ich könnt ein Buch drüber schreiben, aber heute Abend nicht mehr .. Guten Abend, ihr Lieben 🙂

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