INSTRUMENT

Denn die kleinen Melodien
Neugierig, wie sie sind
Wandern gerne dorthin
Wo sie nichts zu suchen haben

Bitte, bitte, jetzt nicht
Hilft nichts. Sie tun es trotzdem
Bitte bitte jetzt nicht
Sind bloß die Strophen ihrer Melodie

Wer kann es widerstehen
Mit der Musik mit zu tanzen?
Musiker sind ja nur Jäger
Ihnen geht es nicht
Um die Küsse, die Herze, die Tränen

Ihnen geht es nur um die Melodie
Der sie folgen –
Meisterin, trete auf mir
Benutze meine Seele, wie du willst
Ich will dir dienen.

– Che Chidi Chukwumerije.

PRÄGUNG

Schmeckst leicht nach Mandeln
Gebrannt, mit deinem Geschmack nach mir
Ich hab’s aus deinem Kuss zart
Heraus geschmeckt.

Ich habe keine Mandeln gegessen
Flüsterst du, lächelnd
Mußt auch nicht, lächle ich
Es reicht, daß du verliebt bist.

Die Liebe, sie ist der wahre Schöpfer
Wenn sie einkehrt, bringt sie
Alles mit: Sonne, Mond, Nacht, Wind
Wasser, Luft, Freude, Schweigen, Schmerz.

Einsamkeit schmeckt nach dir
Wenn du nicht da bist
Alles und alle schmecken nach dir
Wenn du nicht da bist.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNTREUHÄNDLER

Denen wurde anvertraut
Der heilig(ende) Speer

Um den Speer sammelten sich nicht Heiler
Sondern ein Heer

Teilte die Welt wund-blutig zum
Roten Meer

Personenvoll,
Menschenleer.

Che Chidi Chukwumerije.

ATLANTIS FÄLLT WIEDER

Die Hüter des Grales
Wollen den Gral für sich behalten
Macht-trunken

Zu stolz zu fallen
Stürzt das Volk eben tiefer, härter
Atlantis gesunken.

Che Chidi Chukwumerije.

NIMMERSATT

Alles Leben
Ist Lieben

Ist Leiden
Glauben
Sehen

Alles Sehen
Ist Gehen

Ist Erleben
Finden
Werden

Lebendig
Liebhaber
Leidender
Werden

Überzeugt werden
Ist sehend geworden

Sehen
Ohne Farbbrille

Gehen
Ohne Gehstöcke

Erleben
Ohne Vorurteile
Ohne Schutzmantel
Oder Deckmantel

Finden
Ohne Gier
Ohne Angst
Doch ohne
Satt werden auch

Ist
Werden
Durch
Leben.

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHTLAMPE

Jedes Lächeln wirft einen Schatten
In deiner Nacht fühle ich mich geborgen
Wärme mich mit deiner dunklen Seite
Dein Lächeln spar für deine Lügen

So viel Sonne hatte ich noch nie
So viele neue Freunde gefunden
So viel Schimmer so schillernd gefeiert
Und so viel Einsamkeit empfunden

Verbirg dein Lächeln unter deinem Ernst
Denn die heiße Sonne spendet kaltes Licht
Diesen Sommer schmolzen Masken viele
Diesen Sommer wurd ich nachdenklich.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNBEHAGEN

Behagen
Sah ich schlendernd
An allem vorbeigehen
Es roch nach Luxus und Komfort
Und hinterließ
Uns Ungeagen

Seine Augen
Fett wie Matratzen
Global ausgeweitete Pupillen
In jedem lag eine Lüge
Verbreitet
Ausgebreitet
Es geht der Welt gut
Schaut mich nur an

Ein Gedanke für dich
Ein Gedanke für mich.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BEFREIUNGSSCHLÄGE

Wieder so eine Stunde
In der es gilt, alles zu verlieren
Um frei zu sein, darf nicht zurück schlagen.

Alles verzeihen, allen verzeihen
Jeden Schmerz als Befreiungsschlag hinnehmen –
Wenn Ihr nur mein Schweigen
Richtig deuten würdet.

Wieder so eine Stunde
In der jeder Schmerz mich an den Augenblick
Erinnert, als ich ihn einem anderen einst
Zufügte. Und du, mein Peiniger, hast keine
Ahnung, was du dir gerade angetan hast.

Einst wirst auch du um Verzeihung bitten
Und dir selber aber nicht verzeihen können.

Das wird die Stunde deines Schweigens sein.

– Che Chidi Chukwumerije.

GUTEN TAG

Tausend Stimmen
Der selbe Schrei
Einsame Herzen, sie scherzen
Und meinen es im Ernst –
So vielschichtig ist ein einfacher Gruß.

 – Che Chidi Chukwumerije.

DICHTERNEBEL

Ich bin nur ein Dichter
Meine Worte gehen auf Reise
Ziehen sich aus
Wie ausziehbare Fernrohre
Ziehen sich in die Länge
Lassen auf Ferne zurück blicken
Alles wirkt nah, greifbar
Doch streckst Du die Hände danach aus
Begreifst Du
Daß das die Art der Dichtung ist
Dinge nah zu bringen und dennoch
Fern zu halten.

Mehr als ich Prosa lese und liebe
Verschlinge ich unersättlich Gedichte
Gnadenlos wie Messer
Stechen sie tief ein
Scheu wie Rehe
Lassen sie sich nicht
Fassen.

– Che Chidi Chukwumerije.