DIE BLÜTEZEIT

Unkraut kaut
an meinen Wurzeln
unter meiner Haut -
Lieben ist puzzeln.

Was ist gesund?
Was nicht?
Gibt‘s einen Grund?
Treue oder Pflicht?

Alles entfernen
oder alles drin lassen?
Nicht in den Kernen
kannst Du sie erfassen

Sondern die Blütezeit
erst lässt erkennen
ob weiter zu zweit
oder am besten trennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER DRANG NACH ENTWICKELUNG

Irgendetwas will,
es will raus -
In mir tobt April
wie ein Kind Zuhaus.

Lass mich hinaus
als Kind in die Welt -
ich komm zurück nach Haus
fertig und entwickelt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFE UNRUHE

Ich mag die Tiefe
Aber, viel wichtiger,
die Tiefe mag mich.

Magst Du die Tiefe?
Denn, Oberflächlicher,
die Tiefe sucht Dich.

Hör auf davon zu laufen
Du kannst Dich nicht frei kaufen
Sie wird Dich mit Unruhe taufen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUSSBLATT

Ich bleibe Ausländer
Flügel äußerer Ränder
Ein Blatt auf dem Fluss
vorbeifließend. Ein Gruß
aus der Ferne, missverständlich
stets beobachtend nachdenklich
Sichtbarer Blitzableiter
für Neugier
für Habgier
für Freundlichkeit
für Feindseligkeit
Ein Aussenseiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEGGEFÄHRTEN, MENSCHEN UND BERGE

Die Berge bücken sich
runter zu mir grüßen mich
Ich nicke zurück
eben so ernstlich
eben so freundlich
Schulter an Schulter fahren wir
Weggefährten waren wir
Doch wie bei allen Reisen
trennten sich unsere Gleisen
irgendwann. Sie blieben zurück
mit einem Rück -
und dachten vielleicht dasselbe von mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OSTERNACHKLANG

Mein Blut blüht auf,
eine Blume in April -
Der Ostern ruft: „Lauf!“
Ich erwache! Ja, ich will!

Wo kommst Du denn her,
einsamer Glockenklang?,
singend, „Näher!, komm näher,
Ich bin erst der Empfang.

Da, wo wir herkommen,
klingt es tausendfach schöner.“
Da, wo WIR herstammen?
„Ja, da ist‘s wunderschöner.

Ich bin aus Deiner Heimat
und läute Dir den Weg zurück,
o Menschenblatt,
im Lebensbuch ins ewige Glück!.“

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE GRUNDEINSTELLUNG

Die Grundeinstellung
Demut, Mut, Bescheidenheit, Nichtigkeit,
Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Einfachheit,
Die Grundausstattung
Für die Reise zum Frieden
Wir sind alle der gleichen Herstellung
Egal wie verschieden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNTERSCHIEDLICHE WEGE

Du hast Deinen Weg
Ich habe meinen
Wenn Du am Ziel bist
Bin ich noch auf dem Weg

Auf meinen beiden Beinen -
Eins Pessimist, eins Optimist -
Gehe ich meinen Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INS GLÜCK UMWANDELN

Gegen Druck
spricht nur der Gegendruck
Schadenfreude
wird geschadet durch wahre Freude
wird zum Glücke unschädlich gemacht.

Ein falsch gelebtes Leben
und Du musst wieder leben -
wieder geboren, wieder wachsen,
wieder entscheiden, weiter wachsen,
Altes wird zum glücklichen Ende gebracht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BAUCHGEWÜHL

Deine Handoberfläche
lag auf meiner Brust
Aber nicht meine Oberfläche
erhitzte sich vor Lust

Sondern mein Bauchgewühl
beruhigte sich
Und mein Bauchgefühl
bestätigte sich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung