DAS RICHTIGE VERINNERLICHEN

Ein Stein fiel vom All in den Himmel hinein, verglühte fast, doch überlebte ein Rest und erreichte die Wolken, fiel weiter, wurde vom Wind erfasst, sank jedoch tiefer, bis er auf eine Bergspitze krachte und zerbrach in mehrere Teile.

Ein Teil allerdings rollte den Berg herunter und fiel mit lautem Ton in den See am Fuße des Berges hinein, störte die Oberfläche und erweckte Wellen. Dann sank er tiefer.

Ein Fisch hielt ihn für Nahrung und schnappte zu, biß ein Stück ab, schluckte es. Das Überbleibsel, ein Stückchen, sank immer tiefer, erreichte endlich den weichen Seeboden. Da lag es eine lange Weile, bis der Boden ihn allmählich verschlang.

Und siehe da, es war kein Stein. Es war ein Samen, eine Saat, und es keimte… – Nun wächst langsam eine neue wundersame Pflanze, lautlos, ungeahnt, aus dem Inneren Deines Geistes heraus, am tiefsten Boden Deiner Seele. Eine Erkenntnis, zart, blüht.

Denn nur die wenigsten Wahrheitskörnchen dringen tief genug in uns ein, um unseren Geist zu erreichen. Die meisten werden irgendwo von unserer Klugheit abgefangen und zerstört oder wir werden abgelenkt. Nur ab und zu, seltenst, wird Fundamentales von uns wirklich richtig verinnerlicht.

– Che Chidi Chukwumerije.

RECHTSWESEN

Die höchste Aufgabe, die auf uns als Menschheit in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wartet – das Erreichen einer Wahrnehmung und eines Bewusstseins, wo selbst im Rechtswesen die Möglichkeit gegeben wird für eine Übereinstimmung von Empfindung und Verstand. Nicht alles, was im Grundgesetzbuch geschrieben steht, ist in der strengen Auslegung und Ausführung immer gerecht. Und nicht alles, was falsch ist, ist im gedrückten Wort des Gesetzes erfassbar. Denn be- und ver-urteilt wird nur streng nach dem Wort…, gelebt nicht – dafür ist der Mensch zu tief… zu sehr ‘Mensch’ und immer am sich Weiterentwickeln.

– Che Chidi Chukwumerije

HOFFENTLICH

Die den Tod anderer beweinten, sind mittlerweile auch fort. Wie meine Tante heulte, als vor vielen Jahren mein Bruder Kwame starb; wie mein Vater litt; wie mein bester Freund Dede mit mir schwieg;… wo sind sie alle heute? Auch fort!

Was geschieht dem Schmerz der Trauernden, wenn sie sterben? Nehmen sie ihn mit oder geben sie ihn an den noch Hier-Weilenden weiter? Ich habe sie alle betrauert, dennoch werde auch ich ihnen eines Tages dorthin folgen, ins Jenseits.

Allein meine Gedichte überlasse ich Euch; mögen die bitte immer stärker sein als jeder Schmerz. Wir treffen uns auf der anderen Seite – hoffentlich irgendwo Schönes – oder diesseits wieder an einem anderen Mal – hoffentlich irgendwann Schönes.

– Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Update:

PS – Das Projekt geht weiter. Nun heißt es das Jahrzehnt der Deutschen Dichtung und wird vom 1.1.2020 bis zum 31.12.2029 täglich ein neues Gedicht hervorzaubern.
Wer will, darf mit machen!

– Che, 08.02.2021

2020 – 2029: Das Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

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„2019: Das Jahr der deutschen Dichtung“ ist mein persönliches Kunstprojekt, das ich ins Leben rief.

Ich bin kein gebürtiger Deutscher, und habe erst mit 19 angefangen, deutsch zu lernen. Mit der Zeit habe ich mich auch mit dem Dichten in der deutschen Sprache befasst, da ich eine große Liebe zur Poesie habe. Über die Jahre verstärkte sich meine Neigung zum Dichten in dieser Sprache.

In Dezember 2018 traf ich dann die Entscheidung, aus einem inneren Drange heraus, als mini „Vorsatz fürs kommende Jahr“ sozusagen, in 2019 täglich in der deutschen Sprache zu dichten und das Ergebnis auch in meinem Blog – chechidi.me – zu veröffentlichen. Ich habe somit 2019 zu meinem Jahr der deutschen Dichtung auserkoren. Das Projekt nenne ich auch entsprechend:

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

In Juni 2019 begann ich, ebenfalls täglich ein Video zu machen, in dem entweder ich oder auch andere Leute mein aktuelles Gedicht des Tages vor laufender Kamera vortragen bzw vorlesen. Ich drehe diese Videos immer an meinem jeweiligen Aufenthaltsort des Tages, also ab und zu auch im Ausland, und man kann sie alle sowohl in Youtube als auch auf meinem Blog sehen.

Ich freue mich auf und über jegliche Anteilnahme an meinem Projekt, über Kritik und über alle ernst gemeinten Rückmeldungen. Für mögliche Projekte oder Kooperationen, die daraus entstehen könnten, bin ich offen. Ansonsten freue ich mich einfach, wenn andere Leute meine Gedichte lesen und genießen, und vielleicht selber auch anfangen, in dieser wunderschönen Sprache zu dichten.

Che Chidi Chukwumerije,
08.Juli 2019.

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Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

Che Chidi Chukwumerije
08. Januar 2019

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DIE WELT GENÜGT NICHT

Weiß man, wie unwichtig die Dinge sind, kann man sie machen ohne sich zu verlieren oder sich von ihnen so sehr vereinnahmen zu lassen, daß sie zum Hang werden, einem die Wahlkraft wegnehmen und einen dazu bringen, Grenzen zu übertreten, die man im Wesen seiner Natur selbst in sich trägt.

Nicht lossagen soll man sich von der Welt, sondern sie richtig einordnen. Dann kann man alles erleben, was sie ausmacht, ohne von ihr sich beherrschen zu lassen. Weiß man, wie unwichtig die Dinge sind, kann man sie tun. Und lassen.

Che Chidi Chukwumerije

DU MUSST DIE WEIHNACHT IN DIR SELBST TRAGEN

Du musst die Weihnacht in Dir selbst tragen. Wozu die Geschenke alle, der Tannenbaum, die Kerzen und Sterne, die Lieder und Lichter, das Essen und Gebäck, die tausend Getränke und das Feiern, der Weihnachtsmarkt und der Geruch von gebrannten Mandeln und Glühwein, das Familienzusammentreffen, der Freundeskreis, die Gottesdienste, die Hymnen und Gebete, wozu das alles, wenn in Deinem Herzen der Weihnachtsgeist nicht mehr wohnt?

Du wirst einsam sein und die Leere wirst Du mit aller Weihnachtssymbolik der Welt nicht lindern oder füllen, sondern nur noch größer und tiefer, trauriger und bitterer, einsamer und nachdenklicher machen können. Denn – und das ist das Rätsel – Du musst die Dankbarkeit in Dir tragen, um die Freude der Weihnacht wieder zum Leben zu erwecken. Aber wie willst Du denn dankbar sein, wenn Du vergessen hast, wem und wofür Deine Dankbarkeit gelten sollte?

– Che Chidi Chukwumerije

FREUE DICH

Die Freude ist der höchste Schatz der Welt. Der wahren Alchemisten Gold ist die Freude. Nicht jedes x-beliebige Material in Gold umwandeln wollten sie – sondern aus jeder Situation, in jeder Lebenslage, aus jedem Schicksal, und dem Leben selbst die Freude abgewinnen. Leid in Freude umwandeln – das ist Gralzauber. 

Wem Du das Leben schön machen willst, schenk oder ermögliche ihm die Freude.

– Che Chidi Chukwumerije.

DIE GRENZE

An der Grenze wurde ich selten kontrolliert
Doch von den Augen und durch das Verhalten vieler
Werde ich täglich kontrolliert..

An der Grenze wurde ich nie zurück gewiesen
Doch durch die Blicke, die Worte und das Verhalten vieler
Werde ich täglich zurück gewiesen..

Aus dem Land wurde ich nie ausgeschlossen
Doch in dem System werden mir die Grenzen gesetzt.

Die Außengrenzen sind mitunter Schauplatz innenpolitischer Machtkämpfe –
Die wahre Grenze verläuft innerlich und unsichtbar –
Korrigierung: sie verläuft sichtbar.

Viele, die sich längst integriert haben
Oder sogar bereits integriert geboren wurden
Stehen noch an der Grenze und werden nicht hinein gelassen
Denn das Herz ist die einzig wahre Grenze.

Deutsch, das habe ich innerlich erlebt und begriffen, ist eine Art. Je nach freiem Willen artet es sich jedoch unterschiedlich aus. Daraus bilden sich zwei Gruppen: Die eine spürt den Deutschen in mir; die andere wird – so bald sie kann – auf allen Ebenen mich ausgrenzen.

Dennoch bleibe ich deutsch – auch wenn ich Afrikaner, Nigerianer, Igbo, im Ausland geboren bin, und unter anderem engagiert für die Entwicklung, den Frieden und die Verbesserung jenes angeblich so fremden Erdteils arbeite. Denn deutsch sein ist was anderes – ist anders sein. Ist eigen sein. Ist deutsch sein eben. Entweder bist Du es oder Du bist es nicht. Aber deutsch sein ohne Mensch sein – das geht nicht. Das geht nicht mehr. Auch das ist deutsch sein – danach strebten die Gründer unseres Geistes. Für dessen Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung tragen wir alle Verantwortung.

Mich kann niemand ausgrenzen; ich bin einer unter uns und ruhe in mir – und werde daran zugrunde gehen, ich weiß. Denn ich schwarz. Und das obwohl ich deutsch. Komisch.

Aber es macht nichts, denn in unzähligen Herzen bin ich für immer Zuhause. Ich, Mensch.

– Che Chidi Chukwumerije

DIE ZUKUNFT IST WEIBLICH?

Es ist nicht leicht, hört man häufig, ein Mann zu sein heutzutage. Der Mann muß sich neu klären, um innerlich in die Lage zu kommen, seine Art, Fähigkeiten und Kräfte unter den Bedingungen der modernen Menschenart zum Einsatz ganz bringen zu können, ohne verroht zu wirken. Der Klärungs- und Umwandlungsvorgang bedingt das sich Auseinandersetzen mit der Frage, als Mann: was bin ich? Dieses sich Auseinandersetzen mit dieser Thematik soll ein lebendiges sein, im Erleben und in der Selbstreflexion im Licht der Wahrnehmung der eigenen Art des Handelns, Seins, Denkens, Empfindens und Reagierens im Erleben selbst. Es geht darum, die Männlichkeit irgendwie wieder und ganz zur Geltung zu bringen. Denn vorgeschlagen in dieser Frage ist die Andeutung, daß die Männlichkeit in bisheriger Form keinen Wirkungskontext in der modernen und in der kommenden Gesellschaft mehr hat.

Was ist jedoch Männlichkeit? Das Innehaben von Führungspositionen war von jeher für die Männlichkeit ein selbstverständliches Bestandteil seines Selbst, Selbstbilds und Wirkens. Genau aus diesem Grund kommt vielleicht ein Teil der heutigen Männlichkeit kaum klar mit den Formen der tragenden Strukturen der jetzigen Gesellschaft, die nicht nur zulassen, daß die Weiblichkeit in großen Zahlen an Führungsinstrumenten und Machtpositionen gelangen, sondern dies zum Teil sogar bedingen und unausweichlich machen. Je mehr immer höheren Gipfeln der Zivilisation, der Technik und der Sozialwissenschaft zugestrebt werden, desto mehr wird Platz für die Frau – für das Weibliche – geschaffen, nicht nur neben, sondern auch teilweise vor dem Mann. Denn das Hauptwerkzeug, mit dem in der Vergangenheit genau dieses stets verhindert werden konnte – die brutale rohe körperliche Gewalt, wenn auch nur als Andeutung in der Kultur zusammenhängend – gilt nicht mehr als zugelassenes Mittel in diesem Kontext.

Jetzt gilt es also, Mann zu sein ohne den mit direkter oder angedrohter Gewalt unterstutzten Anspruch auf Führung mit in die Waagschale zu werfen. Jetzt gilt es also, das ursprüngliche Selbstbild des verklärten ideal-sein-wollenden Mannes zu erfüllen, “Ritter” zu werden. Jetzt gilt es also, mit der Macht des innewohnenden Geisteswesens männliche Kraft zum Zwecke der Beschützung und der Raumschaffung für das Gedeihen des Ganzen, sowie seiner Weiterentwicklung, einzusetzen. Beherrschung transformiert sich und hebt sich auf die Ebene der Selbstbeherrschung; und Druck ausüben reift zum “Sich zum Ausdruck” bringen. Unterdrückung weicht dem gegenseitigen kritischen Erleben von einander. Das Formnehmen und Inhaltgeben dieses Grads der Zivilisation zu ermöglichen, zu begleiten und zu beschützen, ist als Herausforderung der höchsten Gewaltpotenz der Männlichkeit ebenbürtig und ist deshalb der Versuch wert.

Die Frage nach den Wirkungswesen und Wirkungsformen des modernen Mannes läuft einer anderen Überlegung vorbeugen wollend, ungültig machen wollend, voraus. Die Überlegung, ob es überhaupt noch Platz gibt für die Männlichkeit, vor allem in bisheriger Zusammensetzung, in der sich heranreifenden Zivilisation. Ob also das Zeitalter der männlichen Vorherrschaft langsam abgebaut wird und ersetzt durch eine Neuzeit der bestimmenden Wirkung weiblicher Führung. Als vor einigen Jahren FIFA mit dem Slogan kam – “Die Zukunft des Fußballs ist weiblich” – wurde, ob bewußt oder nicht, das angenommene Versetzen eines globalen Paradigmen lokal angepfiffen. So was löst in manch einem männlichen Bewußtsein, gefesselt durch subtile Ketten, einen Zustand aus, der von einigen als Krise wahrgenommen, jedoch von anderen als Anregung zur Neudefinierung von Männlichkeit und von Begriffen wie männlicher Stärke angenommen wird.

Denn – und auch diese Frage lässt sich stellen: Was ist wenn die Zukunft des (Fußb)Alls auch gar nicht weiblich an sich ist… sondern einfach menschlich?

GRUPPENDYNAMIK UND DER PREIS DES FREMDSEINS

Dennoch musst Du den Kopf hoch heben, oder gerade deshalb. Nur eine Option wird Dir überlassen: stark sein.

… Dich nicht definieren zu lassen von der fremden Gruppe, dessen andersartiger ergänzung-bringender Teil Du schicksal-gesteuert geworden bist, sondern Dein höchstes Menschenrecht in Anspruch zu nehmen – das Recht auf eigenständiges Denken – und die Freiheit experimentierend und suchend durch das Leben zu gehen, auf der Suche nach der neuen Menschheit, vor allem in Dir selbst – …

… Dir nicht klischeehafte Rollen geben zu lassen, sondern das eigene Wirken selbst suchend zu entfalten – …

… ist die größte Sünde, die Du begehen kannst, und wirst dafür den höchsten Preis bezahlen. Trotzdem lohnt es sich, diesen Weg zu gehen, denn das Menschsein – Dein Menschsein – ist unbezahlbar.

Kein nutzbringendes Teil tut es vielleicht aus dem Grunde weil es ihm leicht gemacht wird; sondern weil es einfach nicht anders kann, als seine Umgebung zu prägen und mitzugestalten. Das ist die Eigenart eines lebendigen Menschengeistes.

Weder Politik, noch Sport, noch Ausschweifungen, noch soziale Angelegenheiten, noch Liebesbeziehungen, noch Familie, noch Geld anhäufen, noch Trägheit, noch so viel mehr, wird Dir reichen oder den Hunger in Dir nach der Frage stillen: Was bin ich?

Und Du wirst suchen – in der Fremde und auf heimatlichem Boden – nach Etwas, das tief in Dir selbst schlummernd liegt.

Entfalte Dich, Mensch. Kokon und Schmetterling.

– Che Chidi Chukwumerije.