Die Elite stürzen Unter Menschen In deren Herzen Der Elitismus noch thront Ist wie Schnee Im Winter kehren Und denken, jetzt kommt Sicher der Sommer Es folgt kein Frühling Es blühen keine Blumen Es entsteht keine neue Welt Es fällt der nächste Schnee Es kommen die nächsten Eliten Ihr Thron sitzt ungestürzt in uns. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Politik und das Gesellschaftsleben
BLINDER RASSISMUS
Das Schlimme an Rassismus ist, daß er nicht weiß, daß er Rassismus ist. Er denkt, er sei lustig, witzig. Er behauptet, er sei nett, zuvorkommend, behilflich. Er glaubt, er sei ehrlich, wahrhaftig. Er meint, er sei natürlich - sogar menschlich. Deshalb wird ihm nicht die Erkenntnis, daß er Rassismus ist. Vor allem deshalb, weil diese Erkenntnis… sie zeigte ihm gleichzeitig, wie klein er ist. Das Schlimme an Rassismus ist, daß er nicht wissen will, daß er Rassismus ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE STUNDE DER SCHWACHEN
Gedanken wie Hintergrundgeräusche die die aufkeimende Empfindung stören - Ich kann sie weder hören noch hellhören Aber ich kann sie sehen, hell, sehen wie sie schweigt, Mutter meiner tiefsten Ideen, jedes Mal, wenn ich sie enttäusche. Und ich kann sie hören, sehen, spüren wenn ein Tausend wirre Gedanken mich nicht bringen können zum Schwanken. Die Wunde der Starken ist die Stunde der Schwachen und umgekehrt. Das System muss was machen wenn Gegensätze sich berühren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SAISONWENDE
Grün wie Hoffnung verwelkend Ein Sommer des Lichtes Jahrzehnte des Friedens Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft Feiern ihr Saisonende. Der Herbst ist vieles: Er ist bunt, Reif, er ist herb und kalt, schließlich zieht er sich und uns alle aus. Wer wenig hat, dem wird viel genommen. Wer alles hat, dem wird alles gegeben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HABEN OHNE SEIN
Du darfst aus meiner Kultur schöpfen Daraus was Neues machen Ich werde aus Deiner Kultur Sachen schöpfen die alt waren, ich werde sie neu machen. Nicht die Kulturen bilden die Trennlinien sondern die Ansichten, die behaupten es gäbe zwischen uns unüberquerbare Linien - Alle Andersdenkenden tun sie enthaupten. Ist es so schwer, leicht zu sein? Ist es so leicht, schwer zu sein? Besteht unser Sein nur aus Haben ist alles, was wir haben, nur schweres leeres Sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DUNKEL
Du hast ein Hemd Ich habe eine Haut Du bist nicht fremd Keiner schaut Dir nach, wenn Du einkaufen gehst Überwacht Dich, wenn Du an der Ecke stehst Schaut schnell weg, wenn Du Dich umdrehst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FILTER DES MISSTRAUENS
So oft stehen zwei Menschen gegenüber von einander und zwischen ihnen liegen Welten von Nationen, Kulturen, Religionen, Ansichten wie Filter in ihren Augen während sie Hallo Guten Tag Wie geht‘s sagen und stundenlang, tagelang, wochenlang, monatelang, jahrelang, ja, sogar jahrzehntelang… mit und neben einander arbeiten… mit Filtern in ihren Augen, in ihren Herzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHR NÄHE
Distanz braucht Nähe. Das ist mir neu. Immer dachte ich, Freiheit suchend, Nähe braucht Distanz, nicht andersrum - doch dann erwachte ich politisch in einer brückenlos geteilten Welt. Distanz braucht Nähe. Denn es ist wichtig, daß globaler Nord und globaler Süd, Ost und West, Kulturen, Religionen, Sichten sich be-greifen im Akkord, der den Frieden zusammenhält. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PLATZ HABEN
Die Richtungen zogen durch uns in entgegengesetzte Persönlichkeiten. Kein Punkt, daß wir immer noch im selben Wunder zusammen schreiten. Sind wir im Laufen uns gekreist oder bewegen wir uns im Sein und Habe-nicht? Bin ich hier der Platz, der fehlt? Ein deutscher Geist mit Schwarzem Gesicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZEITALTER DER DESINFORMATION
Die Meldungen waren viele
vielschichtig vielseitig gegenseitig
wechselseitig allgleisig gleichzeitig
Zeitschrift Frakturschrift
Fraktur mit und ohne Schrift
Informationsluken
Informationslücken
In keiner Lüge fehlte Wahrheit
In keiner Wahrheit fehlte Lüge
So waren wir zum Weitersuchen verurteilt
Suchet, so werdet Ihr nichts finden.
Wer nicht findet, der sucht weiter.
Die Nachrichten richten sich danach aus.
Die Meldungen sind selbst die Ware –
Gestern platt, Heute glatt, Morgenblatt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
