Du darfst aus meiner Kultur schöpfen Daraus was Neues machen Ich werde aus Deiner Kultur Sachen schöpfen die alt waren, ich werde sie neu machen. Nicht die Kulturen bilden die Trennlinien sondern die Ansichten, die behaupten es gäbe zwischen uns unüberquerbare Linien - Alle Andersdenkenden tun sie enthaupten. Ist es so schwer, leicht zu sein? Ist es so leicht, schwer zu sein? Besteht unser Sein nur aus Haben ist alles, was wir haben, nur schweres leeres Sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Politik und das Gesellschaftsleben
DUNKEL
Du hast ein Hemd Ich habe eine Haut Du bist nicht fremd Keiner schaut Dir nach, wenn Du einkaufen gehst Überwacht Dich, wenn Du an der Ecke stehst Schaut schnell weg, wenn Du Dich umdrehst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FILTER DES MISSTRAUENS
So oft stehen zwei Menschen gegenüber von einander und zwischen ihnen liegen Welten von Nationen, Kulturen, Religionen, Ansichten wie Filter in ihren Augen während sie Hallo Guten Tag Wie geht‘s sagen und stundenlang, tagelang, wochenlang, monatelang, jahrelang, ja, sogar jahrzehntelang… mit und neben einander arbeiten… mit Filtern in ihren Augen, in ihren Herzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHR NÄHE
Distanz braucht Nähe. Das ist mir neu. Immer dachte ich, Freiheit suchend, Nähe braucht Distanz, nicht andersrum - doch dann erwachte ich politisch in einer brückenlos geteilten Welt. Distanz braucht Nähe. Denn es ist wichtig, daß globaler Nord und globaler Süd, Ost und West, Kulturen, Religionen, Sichten sich be-greifen im Akkord, der den Frieden zusammenhält. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PLATZ HABEN
Die Richtungen zogen durch uns in entgegengesetzte Persönlichkeiten. Kein Punkt, daß wir immer noch im selben Wunder zusammen schreiten. Sind wir im Laufen uns gekreist oder bewegen wir uns im Sein und Habe-nicht? Bin ich hier der Platz, der fehlt? Ein deutscher Geist mit Schwarzem Gesicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZEITALTER DER DESINFORMATION
Die Meldungen waren viele
vielschichtig vielseitig gegenseitig
wechselseitig allgleisig gleichzeitig
Zeitschrift Frakturschrift
Fraktur mit und ohne Schrift
Informationsluken
Informationslücken
In keiner Lüge fehlte Wahrheit
In keiner Wahrheit fehlte Lüge
So waren wir zum Weitersuchen verurteilt
Suchet, so werdet Ihr nichts finden.
Wer nicht findet, der sucht weiter.
Die Nachrichten richten sich danach aus.
Die Meldungen sind selbst die Ware –
Gestern platt, Heute glatt, Morgenblatt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLAUBE AN DEN WEG
Ich lebe für die Zeit nach meinem Leben,
für gewöhnlich die Zeit nach meinem Tod genannt;
So habe ich das jetzige Leben irgendwann vorbereitet
und es aus meinem Gedächtnis wohl gebannt.
Denn irgendwas in mir kennt den Weg.
Du wirst tausend Gründe hören,
warum es Armut und Leid und Krieg geben muss –
und warum keiner irgendwas dagegen tun kann –
schenk ihnen keinen Glauben, hebe Deinen Fuß
und folge der Liebe stur auf ihrem Weg.
Es ist der Weg der Solidarität,
der Weg der Nächstenliebe, der Menschlichkeit;
Machen wir die Erde licht, werden unsere Zukunftskinder
der gleichen Art sein wie ihre Vergangenheit.
Das und kein anderer ist der Weg.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MITTE
Irgendjemand geht immer leer aus
Manche gehen unter die Brücke
Manche gehen nach Haus
Es wohnt eine Lücke
in unserer Mitte.
Fehlende Sitte.
Eine Bitte.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN MONATSGEHALT
Sie stand vor dem Laden
Die Distanz zwischen ihm und ihr
war genau ein Monatsgehalt
Nachdenklich lief sie weiter
Ein Paar Straßen später machte sie
vor einem anderen Gebäude halt.
Sie stand vor der Tafel
Die Distanz zwischen ihr und ihr
war genau ein Monatsgehalt.
Wenn Du schonmal oben warst
und schonmal unten warst
findest Du nur im Inneren Deinen Halt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLEICHBERECHTIGUNG
Es wird langsam Zeit
zu gehen nicht mehr allein
sondern zusammen, zu zweit,
Dein linkes ist mein rechtes Bein.
Es ist soweit
zu schlagen nicht mehr getrennt
sondern zu mehrt in Tapferkeit
weil Euer Herz in meinem brennt.
Wer ist bereit
zu vertrauen und Liebe zu wagen?
Ich gebe Dir treu Begleit;
öffne Dich, trete hervor; nicht zagen.
Die Welt liegt im Streit
mit dem Ringen selbst nach Freiheit.
Gute Geister, schreit Frieden, schreit!
Wir haben keine Angst vor Gleichheit.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
