Mehr Menschen werden arm werden Weniger werden reich Die Armut breitet sich aus auf Erden Und macht am Ende alle gleich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
über Politik und das Gesellschaftsleben
GRUPPENURTEIL
Als er am Flughafen landete, ahnte er nicht, daß er nicht alleine unterwegs gewesen war, sondern das Ansehen seiner Herkunft mitschleppte und die ganzen Vorurteile ihr gegenüber sogar. Alle starrten ihn an, doch irgendwann verstand er, daß keiner ihn als Einzelmensch wirklich sah. Er verlor zweifach seine Anonymität. Umgekehrt sichtbar und unsichtbar, verlor sich selbst beinah. Wie die große weite Welt kleiner sein kann als ein kleiner Heimatort, ist ein Rätsel, das manch einen Weltwanderer oft verblüfft. Vielen wird die Freiheit schließlich zur Fessel. Gott urteilt Dich persönlich. Der Mensch selten - sei das gerecht oder ungerecht, tiefsinnig oder seicht. Es ist fast egal, was Du als Einzelner tust - Wichtig ist nur, was Ihr als Community erreicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖR AUF DEIN GEWISSEN
Es gibt ein anderes Wort für Rassismus, es heißt Kulturrettung. Es gibt für Fremdenhass eine schönere Bezeichnung, sie lautet Heimatverteidigung. Jedem seins hört sich doch besser an als Diskriminierung oder Unterdrückung. Unter uns sein wollen sagen wir jetzt, also Gleichart, nicht mehr Ausgrenzung. Doch die schönsten Begriffe sind trotzdem hässlich, wenn sie ohne Liebe gelebt werden. Die besten Bezeichnungen sind die schlimmsten, wenn sie Herrschsucht und Hass verkleiden sollen. Hör bitte auf Dein Gewissen in Deiner Jugend und behalte lang diese flüchtige Erinnerung der Brüderlichkeit wenn Du älter und kluger wirst und erbst die verlockenden Vorteile der Führung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RANDNOTIZ
Immer mehr Menschen sitzen nachdenklich am Straßenrand, denken über den Weg nach, der für sie endete hier am Straßenrand Wie wann wo lief es schief mit dem Geldsystem in unserem Sozialland? Das Geld verdampft wie Wasser nach Oben, hinterlässt, unten, ausgetrocknet, das Land. Und wieder überall Dichter und Denker, die versuchen vergebens mit ihrem Verstand zu verstehen, warum die Armut steigt unter Menschen, die arbeiten mit Herz und Hand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE KUNST DER WANDLUNG
Kann ein Künstler Politiker sein? Kann ein Regenbogen aus nur einer Farbe sein? Aus dem Perspektiv der Zukunft gesehen, welche der Beiden hat sie hervorgebracht? Liegt in Politik oder Kunst die (Um)Gestaltungsmacht? Was hat den Menschen je wirklich verwandelt? In der Art, wie er empfindet, wie er handelt. Staatsformen oder die schöpferische Kunst? Das Herz, das Herz, wer kann es erreichen? Nur der kann es lenken, stärken, aufweichen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUSEINANDER
Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, denn ich bin bereits unterwegs; Ein Pendel zwischen Dur und Moll, jenseits fast jedes Landungsstegs Von den Fremden trennt mich mein Äußeres: Vier Merkmale wie vier Fahnen an vier Ecken. Von den Meinen trennt mich mein Inneres - nicht mal mein Schweigen kann es verstecken. Unsere Art und Weise des Miteinanders ist ein Füreinander gegen einander. Frieden ist ein Verschieben des Kriegs auf Wannanders; Unsere Expansion ineinander pendelt auseinander. Und ich frage mich, wie lange noch die Gedichte in Hoffnung sich wenden werden; Wie tief hinein geht es ins Loch, bis die Strophen für immer enden werden. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHNELL VERSCHWINDENDER FRIEDEN
Drohungen machen die Musik in letzter Zeit Der Ton ist nebensächlich - Ein Wort und alle wissen Bescheid, was gemeint ist. Alle fühlen sich bedroht durch die freien Entscheidungen anderer - Fratzen sind Lächeln plötzlich verroht. Frieden ist eine Maske, ein Wanderer, ein Verführer, eine List. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
POLARISIERT
Polarisiert - Wo stehen wir als deutsches Land in dieser undeutlichen Welt? Was hätten wir lieber in der Hand? Massenwohlstand oder Elitegeld? Ein Schatten schleicht sich leise um die Häuser der Massen herum - Die Armut umschlingt die äußeren Kreise und meidet zynisch das Zentrum. Menschlichkeit ringt mit Patriotismus - ziehen wir doch alle an einem Strang. Auch wenn dabei der Geldfluss sich richtet nach Klang und Rang. Das Herz der Massen war immer tief, immer treu und immer gespalten. Versucht, gerade zu stehen, doch die Lage ist schief. Was tun? Aushalten? Ausrasten? Verwalten? - Polarisiert. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TAG DER ARBEITER EINHEIT
Der Tag ist irgendwie schwer Schon lange marschieren die Arbeiter Sie kommen von überall her Untereinander gespaltene Mitstreiter Jede/r dem anderen Peer weder Leiter noch Begleiter - langsam begreifend immer mehr: Nur durch Einigkeit kommen wir weiter. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GEGENWART DER FREMDSTEN ART
Der andere zu sein, der andersartige, ist die Mitte zu sein, der stets gegenwärtige Tonangebende. Unsichtbarer Außenseiter wirst Du erst, wenn Du akzeptiert und integriert wirst. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
