SCHNELL VERSCHWINDENDER FRIEDEN

Drohungen machen die Musik
in letzter Zeit
Der Ton ist nebensächlich -
Ein Wort und alle wissen Bescheid,
was gemeint ist.

Alle fühlen sich bedroht
durch die freien Entscheidungen anderer -
Fratzen sind Lächeln plötzlich verroht.
Frieden ist eine Maske, ein Wanderer,
ein Verführer, eine List.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

POLARISIERT

Polarisiert -
Wo stehen wir als deutsches Land
in dieser undeutlichen Welt?
Was hätten wir lieber in der Hand?
Massenwohlstand oder Elitegeld?

Ein Schatten schleicht sich leise
um die Häuser der Massen herum -
Die Armut umschlingt die äußeren Kreise
und meidet zynisch das Zentrum.

Menschlichkeit ringt mit Patriotismus -
ziehen wir doch alle an einem Strang.
Auch wenn dabei der Geldfluss
sich richtet nach Klang und Rang.

Das Herz der Massen war immer tief,
immer treu und immer gespalten.
Versucht, gerade zu stehen, doch die Lage ist schief.
Was tun? Aushalten? Ausrasten? Verwalten?
- Polarisiert.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG DER ARBEITER EINHEIT

Der Tag ist irgendwie schwer
Schon lange marschieren die Arbeiter
Sie kommen von überall her
Untereinander gespaltene Mitstreiter
Jede/r dem anderen Peer
weder Leiter noch Begleiter -
langsam begreifend immer mehr:
Nur durch Einigkeit kommen wir weiter.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEGENWART DER FREMDSTEN ART

Der andere zu sein,
der andersartige,
ist die Mitte zu sein,
der stets gegenwärtige
Tonangebende.

Unsichtbarer Außenseiter wirst Du erst,
wenn Du akzeptiert und integriert wirst.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRIEDFERTIGKEIT

Wenn Waffen alles sind, was Du hast -
Massenvernichtungswaffen -
weine, geistschlaffe Seele, weine. Du hast
den Sinn verroht und verprasst
auf der Reise zum Menschen vom Affen.

Intelligenz im Aufleuchten verblasst,
wo Ziel und Treffer auseinander klaffen.
Unter des Evolutionsauftrags Last,
gibt‘s nur einen Weg, der dazu passt:
die Massen retten durch aufbauendes Schaffen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR SIND ERNEUERBAR

Wenn nicht Sonnenblumenöl
Dann Rapsöl eben
Raps wächst in Deutschland

Wenn nicht Erdöl
Dann Erdwärme halt
Tief unter uns ist es warm
In uns brennt ein unbändiges Herz

Wenn nicht Steinkohle
Dann Wasser, Wind und Sonne
Die haben wir auch -
Das, was uns ausbremsen soll,
erneuert uns, stoßt uns nach Vorne.

Mut zum Zusammenhalt
Ideen für Veränderung
Alles haben wir, nur keine Angst.
Die Gegenwart ruft: Nutzt die Chance,
Haftet Euch nicht an der Vergangenheit;
Passt Euch der Zukunft an.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STRANDGUT

Wusstest Du, daß täglich
ein Strand Dir Gesellschaft leistet?
Denn, und ich spreche nicht von Deiner Seele,
eine Gesellschaft ist ein Strand.
Ne, ich spreche doch von einer Seele.
Kultur, Gedächtnis, Geschichte, Art, Sehnsucht
sind der Gesellschaft ihre Seele,
wie das Meer dem Strande,
das kommt und geht,
wegnimmt und hinterlässt.

Und so laufen wir täglich am Strand
durch die Stadt, durch das Dorf,
hinterlassen Fußabdrücke und Flaschenpost,
Trophäen und Träume, die
von der Volksseele geschluckt werden -
Und alles Strandgut, das uns täglich begegnet,
das Hässliche, das Schöne, das Neue, das Alte,
kommt aus der Tiefe der Volksseele,
zeigt sich kurz - und wird wieder geschluckt.
Wird wieder verborgen, gehütet und versteckt. 

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Spaziergang bei Ebbe am Wattenmeer, Nordsee. Okt 2020.

Nach dem ich mein heutiges Gedicht schrieb, kramte ich dieses „alte“ Foto von vor 2 Jahren aus. Der Nordsee und vor allem das Wattenmeer haben zu meiner Seele gesprochen.

AUCH SCHWARZE SIND MEHR

Schwarze haben nicht nur zu klagen.
Nicht nur Geschichte zu ertragen.
Haben auch Umgewöhnliches zu sagen.
Bei näherem Betrachten Normales.

Schwarze haben nicht nur zu feiern.
Nicht nur lustig herum zu eiern.
Haben auch Ungewöhnliches zu entschleiern.
Bei näherem Betrachten Normales.

Menschliches. Ich kann Gedanken lesen.
Augen-blicke sind Gedichte. Einfach ablesen.
Die Gesellschaft birgt unzählige Wesen.
Klischees durchbrechen ist etwas ganz Normales.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS HABEN WIR NOCH ÜBRIG?

Wenn der Krieg jetzt käme,
was hättest Du?
Grundgesetz oder Grundstück?
Welches sichert Dir Ruh?
Wer besitzt Edelmetall oder Mineral?
Wer hortet Waffen?
Unser armes Ergebnis von Jahrtausenden
von evolutionärem Schaffen.

Was haben wir übrig?
Machtgier, Ichsucht, Fremdenfeindlichkeit.
Da Menschen keine Aliens sind,
herrscht hier bloß die Menschenfeindlichkeit.
Die Übermacht des Stärkeren,
des Schwachen Machtlosigkeit.
Erneut die enttäuschte Sehnsucht
nach friedfertiger Menschlichkeit.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZE FLAMME

Ich renne Dir hinter her
wie ein brennendes Rad –
Du rennst immer schneller
wie aus Angst vor dem brennenden Rad –
Ich kann nicht stoppen zu brennen
Du kannst nicht stoppen zu rennen
Und unser Paradox kann nicht stoppen
uns voneinander zu trennen –
Den Schwarzen Mensch und sein Uhuru,
das vor ihm zu fliehen scheint, wie sein Schatten.
Bleib stehen, Selbst, ruft sein innerer Guru:
Such Außen Nichts, was wir Innen stets hatten…
Denn je lauter Du mit der Welt schimpfst,
desto tauber wird die Welt…
Zünde lieber in Dir eine Flamme,
die die Welt erhellt.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung