ZUSAMMEN HÄLT BESSER

Zusammen hält besser
Gemeinsam steht der Stadt gut
Nicht alles, was sich äußerlich unterscheidet
ist sich innerlich fremd
wenn sie sich ausziehen
und in einander einziehen
als wären ihre Seelen die Wohnungen der Stadt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICHTBAR

Ich bin so sichtbar
Alles, was Du siehst, ist
daß ich da bin. Mehr nicht.

Alles andere –
Meine 1001 Nächte
verblassen wie Monde im Licht.

Meine Haut lenkt
Deinen Blick auf mich und
lenkt Deinen Blick von mir ab.

Deine Augen ziehen mich aus.
Meine Unsichtbarkeit ist
das Sichtbarste, was ich hab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERLANGEN NACH GLEICHART

Von Weitem gekommen
Nicht weit gekommen
Nie ganz angekommen

Den einsamen Weg genommen
Das Fremde angenommen
Keiner hat’s mir abgenommen

Wir sehen doch, was Du bist
Alles andere, was Du auch bist
Ist für uns nur eine List

Wir sehen doch, wie fremd Du aussiehst
Alles Vertraute, was Du auch versprühst
Ist ja weil Du uns verführst

Weiter gegangen
Nicht weit genug gegangen
In Richtung Deinem und meinem Verlangen

Im Nirgendwo gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRANKFURT AM MAIN

Ich höre Dich
wenn ich aus dem Fenster rausrieche
spüre Deine Gedanken Gefühle
in den Augen fremder Menschen
auf Deinen Gassen immer
rufst Du mich bist verlangend bist
besitzergreifend eine zweite Stimme
in meinem Kopf wenn ich nachts
im Bett liege denke ich denke nichts
fühle ich fühle etwas weiß nicht was
empfinde Dich mein gewordenes Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KULTUR

Vielleicht liegt die Lösung
gar nicht in der Politik,
sondern in Kunst und Kultur.

Wie sonst bewirken wir
eine innere Veränderung
in der menschlichen Natur?

Wie entsteht jener Mensch
der nicht alte Systeme verpackt
in wechselnd neue Struktur?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEIT OHNE MAHL

Wann kommt die nächste Mahlzeit
wenn die Zeit selbst zum Mahl wird?
Wer hat sie auf deren Menükarte serviert,
bezahlt, bekommen, in Besitz genommen,
aufgefressen, genossen? Zeit unseres Lebens.
Unterdessen wächst der Hunger
und größer und größer die Zeit ohne Mahl,
egal, wer die letzte Wahl gewonnen hat.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ELITETAUSCH

Die Elite stürzen
Unter Menschen
In deren Herzen
Der Elitismus noch thront

Ist wie Schnee
Im Winter kehren
Und denken, jetzt kommt
Sicher der Sommer

Es folgt kein Frühling
Es blühen keine Blumen
Es entsteht keine neue Welt

Es fällt der nächste Schnee
Es kommen die nächsten Eliten
Ihr Thron sitzt ungestürzt in uns.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BLINDER RASSISMUS

Das Schlimme an Rassismus ist,
daß er nicht weiß, daß er Rassismus ist.

Er denkt, er sei lustig, witzig.
Er behauptet, er sei nett, zuvorkommend, behilflich.
Er glaubt, er sei ehrlich, wahrhaftig.
Er meint, er sei natürlich - sogar menschlich.

Deshalb wird ihm nicht die Erkenntnis,
daß er Rassismus ist.
Vor allem deshalb, weil diese Erkenntnis…
sie zeigte ihm gleichzeitig,
wie klein er ist.

Das Schlimme an Rassismus ist,
daß er nicht wissen will, daß er Rassismus ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE STUNDE DER SCHWACHEN

Gedanken wie Hintergrundgeräusche
die die aufkeimende Empfindung stören -
Ich kann sie weder hören noch hellhören

Aber ich kann sie sehen, hell, sehen
wie sie schweigt, Mutter meiner tiefsten Ideen,
jedes Mal, wenn ich sie enttäusche.

Und ich kann sie hören, sehen, spüren
wenn ein Tausend wirre Gedanken
mich nicht bringen können zum Schwanken.

Die Wunde der Starken ist die Stunde der Schwachen
und umgekehrt. Das System muss was machen
wenn Gegensätze sich berühren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAISONWENDE

Grün wie Hoffnung verwelkend
Ein Sommer des Lichtes
Jahrzehnte des Friedens
Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft
Feiern ihr Saisonende.

Der Herbst ist vieles: Er ist bunt,
Reif, er ist herb und kalt, schließlich
zieht er sich und uns alle aus.
Wer wenig hat, dem wird viel genommen.
Wer alles hat, dem wird alles gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung