DAS FALSCHE VERSTEHEN

Hörst Du auch die Stimmen der Stummen?
Die Schreie der Stillen?
Das Flüstern der Vergessenen?
Hörst Du, was keiner wagt, auszusprechen?

Siehst Du auch die Züge der Verstummten?
Die Mienenspiele der Gesichtslosen?
Die Masken der Unsichtbaren?
Siehst Du, was keiner der Welt zeigen will?

Wer wird zugeben, daß er uns versteht?
Unsere angebliche Freunde verhören uns absichtlich
Machen aus unserer Botschaft eine harte Bandage
Die die schreiende Wunde unsichtbar macht!

Ich werde meine eigene Geschichte erzählen
In meiner eigenen Dichtung
Du musst genau hinhören, wenn die Flüsse mäandrieren
Du musst genauer hinhören.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNVERMEIDBARE SCHMERZEN

In einander gehen
Oder sich voneinander trennen
So oder so
Es wird schmerzen

Zur Integration
Müssen alle Ja sagen
Zur Separation
Kann einer die Entscheidung tragen

So oder so
Es kommt von Herzen
Gewinne und Verluste
Es wird schmerzen.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERFÜHRT

Er sprach und sprach und sprach
Bis sie ihm glaubte
Und glaubte und glaubte und glaubte
Lange nachdem er sein Wort brach
Und sich selbst widersprach
Glaubte und glaubte sie weiter und weiter
Bis sie daran zerbrach.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FRUSTRIERTE HERRSCHSUCHT

Die Empfindlichkeit eines Ballons
Voller heißer Luft
Luft angehalten über Jahre
Jahrzehnte
Der Duft von Scheiße
Wer aus dem vergifteten Bauch redet
Spuckt aus den Augen
Und kommt nie zur Ruhe –
Denn wo soll er sich hinsetzen
Wenn keiner ihm einen Thron reichen will?
Nicht mehr.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCH UND SCHWARZ

Ich bin ein Mensch
Ich brauche keinen anderen Menschen
Der es mir erst zugestehen muß
Bevor ich es verkörpere und auslebe
Ich bin ein Mensch

Anfeindungen wegen meiner schwarzen Hautfarbe
Beweisen nur, daß die Anfeindenden
Krank sind und verbogen
Und Angst vor der eigenen inneren Kleinhieit haben
Sie brauchen jemanden zum Unterdrücken

Nicht mich.
Du kannst mich körperlich töten
Körperlich brechen, finanziell schwächen
Meinen Ruf heimtückisch schaden
Doch Du bleibst ein Narr und ich ein Star

Und immerdar.
Ich bin ein Mensch.
Selbstverständlich. Ungebrochen. Unbeugsam.
Vergiss es. Ich werde Dich besiegen.
Ich bin ein Mensch.

– Che Chidi Chukwumerije
30.07.2020 (22:35h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MASKENPFLICHT

Zum Schutz des Nächsten
Verbirg Dich Deinem Nächsten
Liebe Deinen Nächsten
Meide ihn

Manche Gedanken sind giftig
Ansichten sind ansteckend
Auch wenn sie unsichtbar sind
Mit Absicht

Manche Vorhaben sind erhaben
Zart zerbrechlich schutzsüchtig
Augen treffen sich – kommentarlos –
Maskiert.

Maskenpflicht
Ein Gespräch ist ein Gedicht
Die Worte treffen gedämpft
Die Gedanken nicht.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFEN FÜR ANTWORTEN

Die Grenze stand an mir
Und konnte mich nicht überqueren
Denn egal wie sehr sie sich verschloß
Blieb ich offen…

Offen für weniger, offen für mehr
Offen für Antworten, die zu mir heimkehren
Und jede Antwort, die sich mir erschloss
Ließ mich weiter hoffen.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEHR ALS FARBE

Anonym und incognito sein
Unsichtbar
Nicht extra und ständig wahrgenommen
Zu werden
Habe ich erkannt
Ist wertvoller als Silber und Gold.

Ist Schwarz eine Farbe?
Ich denke nicht.
Schwarz muß mehr sein, als nur Farbe
Es ist bestimmt was Anderes, das anzieht
Und abstoßt und Raum nimmt –
Sonst macht das alles keinen Sinn.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KENNE DEINE ART

Keine Zeit für Bullshit
Mein Feind trägt nicht nur fremde Haut
Er sieht auch aus, wie ich
Auch das sage ich, und ich sage es laut

Die äußere Gleichart brachte uns
So weit, daß wir gegenseitig
Die fehlende innere Gleichart erkannten
Und suchen sie nun anderweitig.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERGÄNZENDE GLEICHART

Wer bin ich? Woher komme ich?
Wem gehöre ich?
Wo kommt der Regen her?
Vom See und Fluss oder von den Wolken?
Von der Sonne?
Oder vom Kreislauf der Natur?

Gehörst Du einer Nation oder einer Rasse?
Einem Geschlecht? Einer Neigung?
Oder einer Charakterart?
Wer kann Dir Deine Einsamkeit nehmen,
Dich begreifen, Dir entsprechen?
Dich spüren lassen, Du bist jetzt Zuhause.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung