Der Schnee kam zu Besuch Ummantelt von einem weichen Tuch weißhaarig beim Tagesanbruch ohne Geräusch und ohne Geruch liegt die Erde da wie ein Buch daß ich lesend durchfahre im Zug und kriege von ihm nicht genug. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
über Wanderung und Bewegung
SEINWEG
Wie viele suchen den Weg? Wie wenige gehen den Weg? Wer kennt überhaupt den Weg? Ohne Ziel kein Weg Kein Landungssteg Kein Werden als Beleg Kein Daseinszweck. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
LÜFTEN
Und sollen wir atmen? Denn das Grab futtert Blumen Und das Herz einst eine Gruft Öffnet sich - und das spricht Volumen - zum Lüften. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
UND SCHWEIGT
Das Jahr neigt sich dem Ende zu Mein Herz ist voll und schweigt dazu Ich habe über den Mensch Sachen gelernt, die haben aus meiner Seele die Unschuld entfernt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERZFLUG
Mein Herz sehnt sich wie ein Flugzeug drängend durch die Wolken stürmisch eilig RaumZeit brechend dem Fingerzeig der Liebe folgend, fühlend sich heimisch nur in Leidenschaft und in Erregung, noch mehr in Empfindung und in Bewegung, sehnt sich nach authentischer Erfüllung, nach Wirklichkeit und nach Veredelung - und startet wieder neu nach jeder Landung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ZUG NACH VORN
Grauer Morgen Trauer, Sorgen, ziehen ihre Flusswege schwermütig und träge Die Brücke ist aber breiter Das Herz fährt weiter hoffnungsvoll und heiter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FANG AN
Anfang ist Ende - Mitte ist Wendepunkt - Beendet weil es begann - Verändert während es zerrann - Was Du nicht beenden willst fang nicht erst an - Aber was Du nicht bereuen willst lass nicht ungetan. Fang einfach an mit Deinem Schicksal; Alles andere ist eh und wirklich egal. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WENN DU DEN WEG NICHT SIEHST
Wenn Du den Weg nicht siehst, nicht kennst, nicht spürst, bleib stehen und lebe, erlebe, den Ort. Dein Geist ist tiefer als Dein Verstand, schöpfe, schöpfe, schöpfe, zieh kräftig aus Deinem innersten Hort. Gib nie auf. Die Nacht ist endlich. Der See hat einen Boden. Das Licht hat das erste und das letzte Wort. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WEITERLEBEN
Anstatt zu sterben, wie erwartet, lebte ich weiter… Ein Vogel ziehend im Sonnenuntergang Eine Glocke mit noch einem Nachklang Ein einsamer Kletterer am Berghang Ein Schwan ohne Sterbegesang Anstatt zu sterben wie erwartet, lebte ich weiter… Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HEIMFLÜGE
Und wenn ich weg fliege,
schmiege ich mich um so intensiver
an Dich, meine Liebe. Ich kriege
mit, wie immer sensibler und sensitiver
Dein Verlangen nach mir wächst
Flügeln wächst und mir nach fliegt
dorthin, wo ich nicht bin – es ist verhext –
denn Dein Herz ist wo mein Herz liegt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
