WEITER GEHEN

Schwamm drüber
Red nicht mehr drüber
Drauf und drüber

Manches muss man nicht verstehen
Einfach sich wegdrehen
Und weitergehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZUSAMMEN REISEN

Schritt für Schritt
Ich komme mit
Hand in Hand
Hinein ins Neuland
Kopf an Kopf
Zusammen, Eintopf
Herz zu Herz
Einwärts, aufwärts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NUR IN ANDEREN MENSCHEN

Du kannst über Häuser und Länder und Menschen fliegen
aber bis Du noch nicht in ein Menschenherz hineingeflogen bist
und dort gelandet, hast Du noch nichts von der Welt gesehen,
weil nur im Menschenherz der Dir ergänzende Geist ist.

Der Geist, der Dir weh tun wird und von Dir vieles fordern wird,
der Dich zwingen wird, zu wachsen und neu zu werden.
Und die Menschen, die so andersartig von Dir sind,
daß sie Dich fördern werden, findest Du nur hier auf Erden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBSTGAST

Hotelzimmer haben etwas Fremdes
und Vertrautes zugleich.
Du bist weit weg von Dir und bist in Dir
ein Besucher in einem Friedensreich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REINKARNIERENDE ÄGYPTER

Die Menschen hier sind mir ähnlich
Als waren wir einst zusammen in einem Herz
Bevor die Haut uns trennten
Und fremde Sprachen. Und Fluss und Schmerz.

Wie viele Leben leben wir
Bevor wir anfangen, wirklich zu leben?
Wie viele Tode sterben wir
Bevor wir uns dem Gotteswillen geben
Und uns gegenseitig vergeben
Oder für immer aufhören zu leben?

Wie tief muss eine Wunde sein
Bevor sie geheilt werden kann?
Wie tief müssen wir verbunden sein
Bevor jeder dem anderen vergeben kann?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHGEBEN

Der Winter kann irgendwann nicht mehr
Hart sein. Er gibt nach, wird mild.
Das Herz kann irgendwann nicht mehr
Kalt sein. Es gibt nach, wird warm.
Die Frau kann irgendwann nicht mehr
Zahm sein. Sie gibt nach, wird wild.
Der Stolz kann irgendwann nicht mehr
Reich sein. Er gibt nach, wird arm.

Alles gibt irgendwann nach,
Das Vorherrschende wird schwach,
Das Schlummernde wird wach,
Das Schwierige wird einfach,
Und Du darfst Dich neu erfinden,
Dich trennen und neu verbinden,
Zugleich erscheinen als auch verschwinden,
Und Dich selbst überwinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZEIT MACHT

Die Uhr geht langsam,
dennoch geht der Tag vorbei.
Veränderung ist seltsam;
Ohne jegliche Raserei
wird aus Nacht Tag
und aus Tag Nacht -
Winde wer, wie er mag,
die Zeit behält die Macht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BE-DEUTUNG DES LEBENS

Das Herz kennt seinen Weg
aber der Kopf versteht ihn nicht
Und unser ganzes Leben
und alle unsere Irrwege
sind der lange verzweifelte Versuch
des Verstandes
die Empfindung richtig zu deuten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WALD HAT SICH VERÄNDERT

Der Wald hat sich verändert.
Als ich das erste Mal hier war,
vor 30 Jahren, war er anders,
warm, gesprächig, magisch sogar.

Dann ging ich in die Welt und erlebte
und wurde älter und veränderte mich
und als ich zurück kam und den Wald besuchte,
schaute er mich an und veränderte sich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERZICHT

Ich schmeckte die ganze Welt
und wurde nicht befriedigt -
Ich verzichtete auf die halbe Welt
und mehr und wurde befriedigt.
Wer kann mir das erklären?
Die Dinge, die wir begehren,
Sie werden uns verzehren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung