Die Menschen hier sind mir ähnlich Als waren wir einst zusammen in einem Herz Bevor die Haut uns trennten Und fremde Sprachen. Und Fluss und Schmerz. Wie viele Leben leben wir Bevor wir anfangen, wirklich zu leben? Wie viele Tode sterben wir Bevor wir uns dem Gotteswillen geben Und uns gegenseitig vergeben Oder für immer aufhören zu leben? Wie tief muss eine Wunde sein Bevor sie geheilt werden kann? Wie tief müssen wir verbunden sein Bevor jeder dem anderen vergeben kann? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
über Wanderung und Bewegung
NACHGEBEN
Der Winter kann irgendwann nicht mehr Hart sein. Er gibt nach, wird mild. Das Herz kann irgendwann nicht mehr Kalt sein. Es gibt nach, wird warm. Die Frau kann irgendwann nicht mehr Zahm sein. Sie gibt nach, wird wild. Der Stolz kann irgendwann nicht mehr Reich sein. Er gibt nach, wird arm. Alles gibt irgendwann nach, Das Vorherrschende wird schwach, Das Schlummernde wird wach, Das Schwierige wird einfach, Und Du darfst Dich neu erfinden, Dich trennen und neu verbinden, Zugleich erscheinen als auch verschwinden, Und Dich selbst überwinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ZEIT MACHT
Die Uhr geht langsam, dennoch geht der Tag vorbei. Veränderung ist seltsam; Ohne jegliche Raserei wird aus Nacht Tag und aus Tag Nacht - Winde wer, wie er mag, die Zeit behält die Macht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
BE-DEUTUNG DES LEBENS
Das Herz kennt seinen Weg aber der Kopf versteht ihn nicht Und unser ganzes Leben und alle unsere Irrwege sind der lange verzweifelte Versuch des Verstandes die Empfindung richtig zu deuten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DER WALD HAT SICH VERÄNDERT
Der Wald hat sich verändert. Als ich das erste Mal hier war, vor 30 Jahren, war er anders, warm, gesprächig, magisch sogar. Dann ging ich in die Welt und erlebte und wurde älter und veränderte mich und als ich zurück kam und den Wald besuchte, schaute er mich an und veränderte sich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VERZICHT
Ich schmeckte die ganze Welt und wurde nicht befriedigt - Ich verzichtete auf die halbe Welt und mehr und wurde befriedigt. Wer kann mir das erklären? Die Dinge, die wir begehren, Sie werden uns verzehren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KREISLAUF
Egal wie weit Du gehst bist Du stets unterwegs zurück zu Dir Und wenn Du schneller wegläufst kommst Du um so früher bei Dir wieder an. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DER LETZTE AUGEN-BLICK
Im aller letzten Augenblick kommt immer wie geschickt eine Wendung zum Pech oder Glück. Der letzte Herzschlag entlässt die Seele in sein wahres Geschick. Die letzte Umarmung, das letzte Wort tötet die Liebe oder holt sie zurück. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NOCH DA
Nie sind die Menschen noch da, wo sie einst waren, wenn Du wiederkehrst - Komme keinem Menschen zu nah, sonst fühlst Du Dich als ob Du nie da wärst. Ich will nicht mehr traurig sein aber glücklich sein macht mich traurig und traurig sein macht mich glücklich und unter Menschen fühle ich mich allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WIEDER DA
In letzter Zeit höre ich die Stimmen wieder nah und weit die Stimmen und die Lieder der Mitmenschen und der Menschheit denn ich bin wieder da nach Jahrzehnten der Abwesenheit in denen ich nur Dunkelheit sah. Und jetzt höre ich die Stimmen wieder und meine auch - und spüre meine Beine gehen wieder und Lachen in meinem Bauch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
