VERLANGEN NACH GLEICHART

Von Weitem gekommen
Nicht weit gekommen
Nie ganz angekommen

Den einsamen Weg genommen
Das Fremde angenommen
Keiner hat’s mir abgenommen

Wir sehen doch, was Du bist
Alles andere, was Du auch bist
Ist für uns nur eine List

Wir sehen doch, wie fremd Du aussiehst
Alles Vertraute, was Du auch versprühst
Ist ja weil Du uns verführst

Weiter gegangen
Nicht weit genug gegangen
In Richtung Deinem und meinem Verlangen

Im Nirgendwo gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGENLÄCHELN

Die ersten Tagträumer
tauchen tapfer in den tautrunkenen Tag
Auch so früh am Morgen ist es erstaunlich
wie viele Mitreisenden Dir ein müdes Lächeln
zurück schenken, wenn Du mutig
Dein Herz öffnest und jedem Augenkontakt
mit einem vermutlich ebenso müdes Morgenlächeln
verewigst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE ZEIT SPÄTER

Keine Zeit später
diese Gedanken zu lesen
und nieder zu schreiben
was einst nie gewesen.

Keine Zeit später
mich zu suchen und finden
und Nicht-empfundenes
nachträglich zu empfinden.

Keine Zeit später
später Zeit zu haben
Vergangene Gegenwart aufzunehmen
als wären wir noch Knaben.

Ich habe heute keine Zeit
gestrig Versäumtes nachzuholen.
Morgen bringt neue Blumen.
Heut Verpasstes ist der Zeit gestohlen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REIFEN VERKRAFTEN

Die Niederlagen werden die Türe sein
in Orte hinein, die den Siegen verschlossen sind -
Die schönsten 0rte, an denen Du, allein,
heranreifen darfst als inneres Kind.

Keine Niederlage ist eine zu viel;
Je tiefer wir fallen, desto höher steigen wir -
Entwicklung ist das wahre Ziel,
wenn wir ehrlich sind, und dazu neigen wir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GRUND ZUM GEHEN

Gibt es einen Grund
auf dem man gehen kann,
einen Boden der Bedürfnisse
für mich fremden Mann?

Ich fragte mich warum
Menschen auswandern
anstatt Zuhause weiter zu geben.

Ich fragte mich warum
Menschen Zuhause weiter streben
anstatt auszuwandern.

Dann wanderte ich aus
und verlor meinen Plan?
Dann harrte ich Zuhause
und wurde zum Fremden Mann.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung