TAG UND NACHT

Mein Herz hat
Zwei Seiten – selbst ich
Muß manchmal überlegen
Wer jetzt will: Ich oder Ich

Denn was sie wollen
Unterscheiden sich wie Tag und Nacht
Ich mach’s wie die Natur
Einer schläft ein, wenn der andere erwacht

Abwechslung
Umwandlung
Manche lesen zwei Seiten
Manche ein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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FEAR NOT THE IDES OF MARCH

Fear not the Ides of March
Go boldly your path to the end
What’s unclear today, another Plutarch
Will explain one day again

Fear not the Ides of March
Fear is the foe of your nature
Your feet it’ll drag, tongue it’ll patch –
Heed not every Seer or Preacher

Fear not the Ides of March
Though your friends turn into traitors
Or family conspirators, sly and arch,
Join and jubilate with your tribulators

Fear not the Ides of March
Death cannot upturn your victory
Tough as larch and strong as starch
Shall eternally inspire your Story.

Che Chidi Chukwumerije.
15.03.2019

HERRSCHAFT DER LÜGE

Wir glauben unseren eigenen Lügen
Mangels der Wahrheit. Die Nachrichten
Riechen nach Lügen, doch wir fügen
Uns unruhig ein, gegen unsere Ansichten
Aus Liebe zur Ordnung und Ruhe
Ohne Nachfrage, ohne Mühe.

Auch wenn eine Lüge Reim noch Sinn
Ergibt, gibt sie uns einen alternativen Halt,
Beruhigt unsere Angst vor dem Unbekannten
Bietet zur Orientierung eine Handlungsbasis
Denn nicht die Wahrheit ist uns heilig
Leider. Sondern unsere Ruhe.

Bald wird das Internet eh gesperrt
Artikel 13 filtert alles weg, was wahr sein
Könnte, in der Behauptung, es muß geklärt
Werden, ob es nicht doch Lug, Trug und Schein
Alles ist. Die Wahrheit muß sich ab jetzt
Rechtfertigen, denn Lügen wurden verletzt.

Che Chidi Chukwumerije

KEINE NATUR KEINE SEELE

Bäume
Träume der Erde
Atembeschwerden. Atemnot
Der Baum ist ein Griot
Sein Stamm älter wie Deiner und meiner

Verwelkte Blätter
Allwetter, reifen. Begreifen
Würgegriff. Luft! Luft!
Sich krümmend vor Schmerz. Abschied
Ertrunken. Müll. Wüste. Und wir wussten es.

Jetzt erheben Kinder den Schrei
Fahrt linder mit Mutter Erde!
Futter für Wind oder Kampfgeist?
Wer der Natur fühlbar Achtung zollt
Säubert seine eigene Seele unsichtbar.

Che Chidi Chukwumerije.

ERGÄNZUNG

Für jemand anderen ist Dein Alltag exotisch
Deine Kultur, Deine Sprache, Dein Name
Dir Selbstverständliches ihnen komisch
Distanz macht nicht weniger menschlich
Unterschiede halten die Welt zusammen.

Nichts ist schöner als zu erleben
Wie jemand Deine Andersartigkeit ehrlich
Wahrnimmt – ihm fremd zugegeben –
Doch die Grundartverbindung überwiegt,
Einer sich gegenseitig ergänzenden Spezies.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WAS MAN HAT, HAT MAN

Nichts erwecket den Neid
Mehr wie glücklich sein
Im Moment, wo wir uns freuen
Startet auch unser Leid

Bist Du die Nacht, Menschenherz
Daß Dir das Licht Weh tut?
Glücklicher, sei auf der Hut
Sonst folgt unweigerlich der Schmerz –

Wie ein Klischee bestätigt
Es sich, wiederholt sich ständig
Wie ein billiger Reim elendig
Und dann bist du erledigt.

Erledigt? Wirklich? Nein!
Bist doch Deines Glückes Schmied
Es gibt einen Inneren Fried
Zerstörbar von nur Dir allein.

– Che Chidi Chukwumerije.

AM LOKALBAHNHOF

Straßenlieder
Er pennt nicht, er schläft
Neben dem Fahrkartenautomat
Seine sind Augen eines Denkers
Aber er schaut nicht zurück
Nein, die sind Augen eines Nachdenkers
Die blicken nur zurück, nicht mehr
Nach Vorn.

Wie schützt er die Matratze, wenn es regnet?
Er wohnt hier schon seit Monaten –
Wann kauft auch er sich eine neue Fahrkarte
Und steigt wieder ein?

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

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AN DER OBERFLÄCHE

Ich saß heute und dachte lange nach
Oberflächlichkeit hält mich nachts wach
Sie denken alle, es wäre ein Spiel
Doch wie kann man Weg vom Ziel
Trennen? Wenn Nomen Omen
Ist, und Du stets angekommen
Bist, weil Deine Art Dein Ende
Ist, hohle Seele und wenn Du behende
Bist: Kannst Du Deiner Leere
Entrinnen? Wahre Schönheit umgibt uns
Kostenlos, begegnet uns bei Lassen und Tun;
Und die schönsten Dinge werden tatsächlich
Links liegen gelassen, übersehen, tagtäglich.

Che Chidi Chukwumerije.

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung