Die Augen des Fremden. Sind sie Fenster oder Spiegel, wenn die Blicke ihre Siegel bersten? Spiegel sind schön und wichtig. Wie sollen wir sonst uns selbst entdecken? Vielschichtig wie wir sind und spielen immer, innere Kinder, Verstecken. Doch manch ein Spiegel war kein Spiegel, war immer ein Fenster, Aus- und Einblick entriegelt, ungeregelt verwirrend in eine andere Welt, verirrend aus und einsteigen, gefesselt. Nur… was, wenn das Fenster die ganze Zeit doch nur ein Spiegel war? Dann bist Du mein Zuhause, schön geheuer. Nur… was, wenn der Spiegel die ganze Zeit doch nur ein Fenster war? Dann bist Du mein rufendes Abenteuer. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
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MORGENHERZ
Vorfreude und ich weiß nicht worauf –
Kopf blank, Herz gut drauf –
Lächeln und Schmunzeln abwechselnd
spannen sich im Wettlauf miteinander auf.
Irgendwo in seinem sturen Herzen
hört der Winter den Frühling scherzen –
Hoffnung und Heilung abwechselnd
bewegen sich in meinen Schmerzen aufeinander zu.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DA WO DU BIST
Frag keinen nach dem Weg.
Er wird Dir nur seinen Weg zeigen,
nicht Deinen. Deiner ist eigen.
Er beginnt da, wo Du bist.
Frag keinen nach dem Landungssteg.
Er wird Dir nur seine Beine zeigen,
nicht Deine. Selbst mußt Du umsteigen.
Es findet da statt, wo Du bist.
Menschen können aussehen, wie Du –
Sie haben trotzdem eine andere Aussicht.
Menschen können anders aussehen als Du –
Sie verstehen trotzdem Veränderung nicht.
Zumindest die nicht, die die Deine ist –
Sie verändert Dich, und dort, wo Du bist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MICH BEHAUPTEN
Als ich nach Deutschland kam,
starb ich –
Wie eine umgepflanzte Blume,
verdarb ich –
Um Verbindung als Gleichart vergeblich
warb ich –
Als Gespenst mitten in der Menge
stand ich –
Unsichtbar als Ich, und als Mensch
verschwand ich –
Trost bei weder Weiß noch Schwarz
fand ich –
Bis keine Farben mehr, keine Labels
sah ich –
Erst dann wie ein Ereignis mir selbst
geschah ich –
Nach dem langen Weg, wo ich verlor
beinah Ich
War ich es doch, der mich erfüllen musste –
Ja, ich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN RUHIGER INNIGER TAG
Gestern war ein fauler Tag,
mehr Gefühl als Getue
Ich lag reglos träumend im Bett
wie eine Freiheitsstatue
Und viele Gedanken, wie Früchte,
fielen von mir ab
Viele Gewichte und viele Ängste
wie Schweiß rollten herab
Ich weiß nicht, warum ich Gedichte schreibe
in einer Fremdsprache jede Nacht –
Das Ureigenste tief in mir
ist aus fremdem Kern gemacht.
Gestern war ein reger Tag,
mehr Empfindung als Entspannung
Ich eilte durch mein ganzes Leben
und fand Selbsterkennung.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNSUCHT VERWALTEN
Sehnsucht verwalten unsichtbar
Lachen behalten im Herz unvernichtbar
Vom endgültigen Verzagen unantastbar
Und niemals altern
Verlust ertragen und wieder aufleben
Liebe ver-geben und erneut vergeben
Nach Unerklärlichem lebenslange streben
Und niemals altern
Jede Lebensphase genießen tief
Krabbelnd, träumend, aufrecht und schief –
Binden locker und binden intensiv
Und egal wie das Leben windend verlief…
Niemals altern.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHLAF GUT
Ich denke, wenn ich schlafe
Deshalb schlafe ich so gern
Ich schlafe mit wirren Gedanken ein, und
wache auf mit Klarheit in meinem Gehirn.
Denn Ihr wohnt alle in mir,
die ich einmal gehört hab
Ich brauche nur Stille, Schweigen, Ruhe
um Euch zu hören hinter Eurem Grab.
Da lebt Ihr, wo der Tod tot ist
Wo das Leben schon lange lebt
Und manchmal, wenn ich angeblich wach bin,
habe ich den Eindruck, mein wahres Ich schläft.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SPIEGELVERKEHRT
Hast Du jemals Dich gefunden?
Hast Du Dich wieder erkannt?
Oder warst Du von Dir überrascht?
Und hast Dich mit anderem Namen genannt?
Oder doch mit Deinem. Denn mit Fremdem
bist Du innerlich tief verwandt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖCHSTSPANNUNGSLEITER
Heute bist Du meine Muse
Die Ungereimtheiten in Dir
Die Uneinigkeit zwischen Deinem Kopf
und Deinem Herzen ist die schönste Spannung
die ich je gespürt habe –
sie ist eine Hochspannungsleiter,
durchströmt mich mit einem bebenden Warten
auf Entladung –
Danke für die Einladung.
Ladestation: Mensch. Sehnender Mensch.
Zu wissen, ich labe mich an Deiner Wunde
und das Laben reinigt die Wunde –
Herz und Kopf versöhnen sich…
Die Spannung läßt nach…
Die Wunde schließt sich.
Eine Weile muss nun ich entbehren, leiden –
Mein Durst wird wieder reif, dürstet…
Und wenn ich Dich dürstenden Auges anschaue
werden Dir Kopf und Herz wieder uneinig,
die spendende Spannung ist wieder da.
Hallo, Muse.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERAUSFORDERUNG: BINDUNG
Bindung durch Challenge.
Challenge durch Bindung.
Rätsel durch Erlebnis.
Erlebnis durch Rätsel.
Zutiefst schön und erfüllend
und Teil des Lebenselixiers
des suchenden Geistes.
Gebe Dich mir
Ich gebe Dich Dir zurück
Denn ich gebe Dir Mich.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
