ALLES NUR NICHT DIE GANZE WAHRHEIT

Rat braucht Rat
Tat braucht ergänzende Tat
Die Mathematik der Wechselwirkung
bewirkt unseren ständigen Wechsel
zwischen Täter und Opfer sein.

Niemals hat weder Rechts noch Links
Niemals hat weder Tag noch Nacht
Niemals hat weder Mann noch Frau
die ganze Wahrheit gesagt –
Stets schloß das eine das andere teils aus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung BF8A717A-E203-4757-911B-50EDF1BA4B12

SEHNSUCHT NACH ANKUNFT

Wie noch nicht bis zu Ende durchdachten Gedanken
stürmten wir bis ans Ende der Welt
fanden dort und an jedem dazwischen liegenden Ort
keinen Sammelpunkt unserer Würde,
wurden zu Würdeträgern ohne Tragenden oder Tragbaren
oder Getragenen.
Jetzt ertragen uns fremde Heimatschützer und wir sie,
wir vertragen uns gegenseitig gerade noch
mit Mühe und lästiger Würde.

Schnell erkannten wir den Betrug unserer Gedanken
die uns hinaus trugen aber nicht hinein –
das ist die Art von unfertigen Gedanken
sie sammeln ihre Punkte unterwegs und lassen sich verändern
getragen von dem Wunsch nach Erfüllung.
Da sind wir also, Wunsch- und Wundenträger
ohne Linderung durch unsere verstreuten Kinder
die unseren zerstreuten Gedanken nicht folgen können
sie aber irgendwie vollenden müssen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIMPLICITY

It is a complicated road
that brings a mind to simplicity
But it is simple roads
that defy us with their complexity.

Che Chidi Chukwumerije.
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DIE REINE LILIE

Eine Blume hielt sich zurück
Verbarg ihren Schmerz, verbarg ihr Glück
Bildete mit Liebe und Gerechtigkeit eine Einheit
Zog uns an und hielt uns fern mit ihrer Reinheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 1FCB8E90-2E54-4E57-AD21-11C3A6449947

NACHKLINGEN UND AUSKLINGEN

In jeder Lebensphase
trafen sich unsere Flüsse einmal
jedes Mal fragte ich Dich: jetzt..?
jedes Mal, Du: … noch nicht.
Die Flüsse gingen aneinander vorbei.

Ein Narr sei es,
wurde mir einst gesagt, der
jedes Mal dieselbe Frage stellt
jedes Mal eine andere Antwort erwartet –
Ich weiß es gut, ich bin ein Narr.

Doch das Leben hört mit 40 auf –
40 Leben? Lebensphasen? Jahren?
40 Gedanken? 40 Lieben?
Irgendwann fließt die Frage nicht mehr
und die Antwort wird überflüssig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCHSEIN VERLERNT

Alle sind irgendwie müde geworden
gleichzeitig voller Tatendrang
desillusioniert, weiser geworden –
Die Welt steht vor einem neuen Anfang

Kapitalismus wird neu definiert
Sozialismus wird zwangsrehabilitiert
Nationalsozialismus zieht sich geschickt um,
hält als Nationalkapitalismus uns für dumm

Der Nationalismus ja ringt mit sich selbst
sucht verzweifelt nach einem friedlichen Weg
sich durchzusetzen, getreu seinem Selbst
Ein Schiff, ein Hafen, kein Landungssteg

Globalisierung sehnt sich nach Lokalisierung
Eine Ehe ohne Liebe und ohne Vollziehung.
Vergessen hat der Mensch, oder nie gelernt
einfach ZU SEIN – von allen Ismen entfernt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PHÖNIX

Wir brennen mit Liebe
brennen den Wald nieder
wir sind Mensch, ein Phönix
der seine Auferstehung immer wieder
in Liebe sehnend sucht

Jedes Mal, wenn ich dich streichle
ist es erneut Streichholz
ich sehe die Erinnerung in deinen Augen
denn ich zündete deinen Stolz an
du branntest und er schmolz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PARADIESSUCHT

Ich war, als ich Zuhause war,
ein Fremder –
Ich bin, jetzt wo ich ein Fremder
in der Fremde bin,
Zuhause.

Ich bin, jetzt wo ich Zuhause bin,
ein Fremder wieder.
Ich sehne mich wieder nach Hause,
in der Fremde…
denn ich bin fremd geworden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DU BIST MEINE SONNE

Die Erde ist echt schräg
liegt mal Kopf mal Fuß zur Sonne
und hört nicht immer zu

Es liegt in meiner Natur
nie ganz bei Dir zu sein
Ein Teil von mir bleibt Dir immer fern

Aber damit Du weißt
daß ich Dir immer noch gehöre
liegt das andere Ich Dir um so näher.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WENN’S UMS ÜBERLEBEN GEHT

Einige Stimmen erhoben sich
am Anfang der Coronakrise:
Tiere, die nicht überleben können
werden ausgestoßen aus dem Paradiese.
Laßt die Alten doch sterben,
die Schwachen aussterben.

Es waren unter diesen Stimmen
auch Stimmen jüngerer Menschen,
unserer Hoffnungen von morgen.
Wirklich viele Gründe zum Nachdenken
gibt uns die Coronakrise –
darunter auch diese.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung