RÜCKEROBERUNG DER FREUDE

Himmel blau
Straßen ohne Stau
Affe, Ziege, Delphin, Sau
stellen sich wieder zur Schau
mitten im Menschenbau
inmitten der ehemaligen Natur
Tier-Erinnerung an Blumenflur
dreht zurück die innere Uhr.
Möge auch ich, die menschliche Kreatur
entdecke wieder neu die Urfreude pur.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FERNBLICK

Ich sehe sie
aneinander gereiht wie die Bäume
die eine lange Straße links und rechts säumen
endlos
einer hinter dem anderen oder neben –
Diese ausgangsgesperrten Tage unseres Lebens
kein Ende in Sicht
Wo gehen wir hin? Wann kommen wir an?
Vor allem, in welchem Zustand?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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HEUTE VOLL AUSSCHÖPFEN

Ich frage mich immer heute:
Was werde ich morgen wünschen,
ich hätte es gestern erkannt?

Auch diese Frage gehört den Wünschen,
von denen ich denke, heute:
Mensch, hätte ich sie nur gestern erkannt.

Denn heute hilft sie mir,
morgen immer weniger zu überlassen
was ich gestern hätte haben können.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE SEELE ALS GEDICHT

Und auch das Leben hat
aus uns Dichtung gemacht
aus jedem von uns ein Gedicht
in sich verdichtet
nach Innen gerichtet
dazu verpflichtet
in der Unsichtbarkeit
in der Unerreichbarkeit
der Menschheit zu dienen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFENE FENSTER

Denk an die Einsamen
die sind auch Menschen
und gerade deshalb einsam…

Ruf sie an, oder
schicke eine Nachricht
oder winke von Fenster zu Fenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUSGANGSSPERRE

Als ob wir alle Tasten des Klaviers
entfernt hätten und weggesperrt
jede für sich alleine, einsam, schweigend
ungehört.

Wir leben in einer Zeit
die vor allem uns eines lehrt:
zu schätzen, wie wichtig das „Wir“ ist.
denn ohne gibt es kein Konzert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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SOZIALE DISTANZIERUNG

Wir sind die Träger
wenn wir uns zur Verfügung stellen.
Wir sind die Erträger
wenn andere sich zur Verfügung stellen.
Das Virus sucht dringend Soldaten
und Botschafter menschlicher Art.
Die Menschheit sucht simple Heldentaten
zum größten Teil seßhafter Art:
Das Vertragen des eigenen Selbst im Privaten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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ANNÄHERUNG

Manche werden wir nie wieder sehen
nach diesen Tagen gesellschaftlicher Entfernung
Manche Menschen, manche Sitten, manche Arbeitsstellen
nach Social Distancing, Krankheits- und Todesfällen,
nach Dummheit, Angst, Gier und Vorurteilen.
Drum: Teilet tiefe Blicke und saget „Auf Wiedersehen“,
mit Hoffnung auf eine tiefere Annäherung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KRIEG OHNE ENDE

Wie Raben
durchgeladen
auf den Ästen
sitzen sie und testen
periodisch Deine Abwehr
mit ihrem Gewehr

Auf der Lauer
wie Geier
auf den höchsten Ästen
sitzen die aller besten:
die falschen Freunde
die netten Feinde

Nett sein ist nur eine Blende
ohne Substanz am Ende.
Lieber echt sein
oder lass mich einfach allein
mit meiner Lebensfreude,
Ihr fake Leute.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERMISST

Wo bist Du?
Als Du durch die Tür hinaus gingest,
hätte ich nicht gedacht, daß
ich 25 Jahre später immer noch
auf Deine Rückkehr warten würde…
Wo bist Du?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung