LANGSAM ZUM PUNKT

Der Schnellsprecher kommt
nicht eher zum Punkt. Er sucht
erfolglos den Pfad durch seine Gedanken
während die ihm gebliebene Erdzeit
immer knapper wird, und er verzweifelter,
und immer schneller und schneller spricht,
anstatt zu schweigen.

Ich will Dich langsam erkundigen
langsam untersuchen, Dich langsam
überreden, und langsam verstehen.
Ich will Dich verlangsamen. Langsam.
Die Reise geht viel zu schnell
Das Ende rast auf uns zu…
Laß uns den Moment genießen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

.

DAS FREUNDSCHAFTSFEUER

Tief im Wald
es war einsam, es war kalt
sie saßen eng bei einander im Kreis
lachten und weinten laut und leise
zündeten ein Feuer in ihrer Mitte
erfüllten einander jede wahre Bitte
und wahren alles, was sie hatten
wie das Licht dem Schatten

Dann machte ich die Augen auf
und wir saßen alle im Wohnzimmer
über und um uns Freundschaftschimmer
lachten laut und tief wie immer.
Das Beisammensein nahm seinen Lauf
und jede geteilte Empfindung mit im Kauf
und der kalte Wald wurde hell und warm
durch Freundschaft geteilt Arm in Arm.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BIS WIR UNS WIEDER BERÜHREN KÖNNEN

Daß ich nun verzichten muß
auf den längst aufblühenden Kuß,
Schatz, trifft mich besonders hart.

Daß ich nicht mehr halten kann
Deine zarte Hand, wie einst fast getan,
Herz, hat eben mein Herz erschwert.

Drum, um so mehr, bitte schenk mir
das innigste wesentlichste Teil von Dir
in jedem Augen-Blick und in jedem Wort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAGE DER ANGST

Wir kamen wie Sterne
fremd und zittrig
aus der Ferne
eifrig und zerbrechlich
kamen wir gerne

Kamen auf die Erde
bedrohlich und mütterlich
Wir wurden zur Herde
selbstbewusst und gefährlich
und selbst zur Beschwerde

Wer wird uns jetzt retten
im Namen der Liebe? Jetzt
wo es Gefahr wurde, die selbe
Luft zu atmen, und uns
gegenseitig die Hände zu geben?

Zusammen sind wir allein
Allein sind wir zusammen
Wer hätte das gedacht?
Wir nennen einander gegenseitig fremd
Doch sind wir die Fremden auf Erden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUGS EMPFINDEN

Ich sah aus dem Fenster heraus
Still war der Flügel
Still umrundeten wir die Kugel
Still stand am Rande der Bühne
der unerreichbare Empfindungskreis
am Ende des Tunnels –

und so langsam wie wir flogen, genau
so langsam versank er zurückgezogen
zurück in die Zukunft.
Gedanken, die uns fast einfallen
aber nie ankommen. Empfindungen,
die Empfindungen bleiben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PARIS

Nicht die Liebe
sondern die Freiheit
atme ich hier ein

und aus.

Und in der Freiheit
wagt sich die Liebe
hier raus und

rein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ENT-TÄUSCHT

Ich sah hinein
in der Welten Herz
und hasste mich ob meiner
Wissbegierde

denn egal wo jetzt
ich gehe oder schaue
egal wie schön, sehe ich nur
Schein und Zierde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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STATE OF BEING YOU

It’s hard to get excited when you see through everyone and everything.
And also when you’ve seen through your own self to the core, it’s hard to whip up enthusiasm for things you know well are not you or yours. It’s like a kind of boredom.
Only your small simple little things satisfy your life now and you tend to just want to stick to them, whether the world says they’re right or wrong. They’re yours.

– Che Chidi Chukwumerije
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WIE VIELE MEILEN ZUR OASE?

Wie viele Meilen bis zur Oase?
Ich renne und brenne und trenne
mich immer noch nicht von der Wüste.
Wie viele Wellen bis zur Ekstase?
Ich reite und gleite und verbreite
Wonne ungenügend für meine Gelüste.
Wie viele Zeilen bis zur letzten Phrase?
Ich schreibe und treibe und bleibe
auf der Seite, wo ich die Liebe küsste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AN ZWEITER STELLE

Ist das zweite besser als das erste?
Die zweite Frau? Die zweite Nacht?
Der zweite Versuch? Der zweite beste Freund?
Das zweite Mal? Da haben wie freier gelacht.
Aber haben wir auch freier gedacht?
Überhaupt nachgedacht?

Manch eine Frau an der zweiten Stelle
wusste mehr vom König als die Königin.
Manch ein Mensch braucht eine zweite Chance
um seine wahre erste Natur zu zeigen.
Manch ein Gedanke braucht einen zweiten Kopf
um ganz zu ent-decken den Zauber im Topf.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung