TRANSIENCE

You cannot reproduce the past
What is gone is gone
The present was never built to last
A moment later, it is done.
Over and done with.
All that’s left to reminisce on
Will be legend and myth.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

HELL ABER SCHNELL

Wenn Du wüsstest
wie viele Leben Du in diesem einem Leben lebst…
Wenn Du wüsstest
an wie vielen Webstühlen Du gleichzeitig webst…
Wenn Du wüsstest
an wie vielen unvollendeten Geschichten Du klebst…

Wäre Dir jeder Tag, jede Minute, jeder Moment
wie eine helle Kerze, die schnell niederbrennt.
Glücklich ist, wer die Ernst der Lage erkennt
und erfüllt in seinem jeden Element
oder Talent
bevor der Tod ihn von der Erde trennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REVERSER

Recognitions await the explorer
The tail wags the dog
Sometimes when they play
The ears wade through the fog
When eyes can’t see the way
Nearer is not always clearer
The fire comes from the log
There’s also sadness in May
Our life is our only authentic blog
What we do says more than what we say
Even a mirror needs a mirror
A princess prefers a frog
The night is the dreamers’ day
Quiet people are also intensely agog
With excitement they don‘t display
To think otherwise would be an error.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

ENDLOSE SCHLEIFE

Ich warte in der Leitung
Und die Leitung redet mit mir
Als wären wir Gesprächspartner
Und trennt mich von Dir.

Das, was uns verbinden soll -
Sprache, Werte, und so viel mehr -
Ist zwischen uns zur Wand geworden,
zum unüberquerbaren Meer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INNER WARMTH

There is fire in your Heart
Even though you keep quiet
Or laugh loud to play your part
When awkwardness is at its height

It is a warm quiet resolute fire
Burning subterraneously
A nocturnal town-crier
Subtle intensity

Everybody in your vicinity
Is warmed by you
Without understanding completely
Why they like being with you.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

DER INNERE DURST

Durst. Wenn Du Durst hast,
ist jeder Mensch ein Brunnen
und jeder Kuss ein Fluss

Wasser Wasser überall
doch statt den Durst zu löschen
gibt’s flüchtigen Genuss

Erstaunlich die Erkenntnis:
oft erfrischender als ein Kuss
ist ein freundliches Servus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNMISSING A PERSON

You know, when you do not
Want to stop missing a person, but…

One morning you rise
and go through the day and only
In the evening do you realise
That today you forgot to be lonely

And in that moment when you remember
That person, you wait for the familiar pain…
But as sure as August breaks into September
The ache is gone, you’ll never feel it again.

You know, when you do Not
Want to stop missing a person…
Because missing that person
Is the only thing you’ve still got -
But…

One day even that leaves you too.
Yes, even you.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

MACH EINFACH!

Lauf! Schneller!
Strahl! Heller!
Leb! Wohler!
Mach! Fehler!
Steh auf und geh weiter.

Dein Glück, Du bist der Hersteller.
Deine Rolle, Du bist der Darsteller.
Deine Geschichte, Du bist der Erzähler.
Überzeuge Dich, Deinen wichtigsten Wähler -
So bleibst Du froh und heiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NEITHER HERE NOR THERE

Those that live in foreign lands
But never really left their home
Whose hearts never cup the sands
Upon which their reluctant feet roam
And the prints made where each boot stands
Will be washed away by the evening foam
Of a suspicious tide that never understands
The ripened fruits of an alien-like biome - -
Ye shall go back home with empty hands
To a strange land that is no longer home.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

ABRUTSCHEN

Hatte jeder obdachlose Mensch
früher mal ein Dach über dem Kopf?
Ging in den Kindergarten, zur Schule,
kannte Familie, Wärme, Mamas Topf?
Spielte mit anderen Kindern sorgenfrei,
träumte vom tollen Erwachsenenleben?
Stellte sich dann stolz und zuversichtlich
deren Herausforderungen und Streben?

Was, wann, wo, warum lief es schief?
Mein bester Freund, Deine Schwester gar.
Ein Vater, Nachbarn, die alte Klassenlehrerin.
Eine tiefe Bindung macht aus uns allen eine Schar.
Dieses Verbindende ist unsere Vulnerabilität -
Sie verpflichtet uns zur wachen Mitmenschlichkeit,
Denn keiner ist ganz sicher vor dem Abrutschen
über den Rand und in die Obdachlosigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung