SCHMERZ UND VERZEIHUNG

Verzeihung -
Ich bitte nicht um sie
Ich biete sie Dir an
Verzeihung. Rache nie.
Auch wenn es weh tut
Vor allem wenn es weh tut
Denn wenn es nicht weh tut
Braucht es keine Verzeihung
Ist es keine Verzeihung
Fühlt es sich leer an.
Verzeihung
Weil es weh tut
Verzeihung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WENN DU DEN WEG NICHT SIEHST

Wenn Du den Weg nicht siehst,
nicht kennst, nicht spürst,
bleib stehen und lebe, erlebe, den Ort.

Dein Geist ist tiefer als Dein Verstand,
schöpfe, schöpfe, schöpfe,
zieh kräftig aus Deinem innersten Hort.

Gib nie auf. Die Nacht ist endlich.
Der See hat einen Boden.
Das Licht hat das erste und das letzte Wort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KLEINER

Und die Welt wurde kleiner und immer kleiner
Bald gab es nur noch da Deiner und hier meiner
Dein Bereich, mein Bereich, und ihrer und seiner
Der Einzelne wurde alleiner und immer alleiner
Je enger verbunden wir wurden desto gemeiner
Je äußerlich feiner desto innerlich unreiner
Und wer sucht die Schuld dafür bei sich? Keiner.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MANN UND SCHMERZ

Wie viel Schmerz kannst Du ertragen
bevor Du ihn nicht mehr ertragen kannst?

Wie viel Schmerz kannst Du ertragen
bevor er Dich nicht mehr ertragen kann
und Dich weiter ziehen lässt?

Du bist stärker als sie es der Welt sagen -
Schmerz erprobt und winterfest!
Du kannst weit mehr Schmerz ertragen,
als Du es mit Worten erklären kannst.

Denn Du bist ein Mann.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

EIN NEUER BUND

Ein neuer Bund
Basiert nicht auf Blut oder Boden
Sondern auf geistigem Grund -
Nur das allein führt nach Oben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NICHT DAS ERSTE MAL

Die Welt wurde so schnell anders
Wir sind alle noch verwirrt -
Und dennoch. Es ist nichts besonderes.
Die Welt hat sich früher schonmal verirrt…

Und nachdem wir den Schock überstanden
hatten, haben wir uns als Menschen neu erfunden,
und retteten tapfer der Menschheit Schicksal.

Bullys glauben immer an die Macht ihrer Waffen
und unterschätzen den Menschengeist jedes Mal.
Aber auch dieses Mal werden wir es wieder schaffen!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERDDORF

Die Welt ist zu einem Dorf echt geworden -
Wir erleben uns alle gegenseitig in Echtzeit.
Sympathien und Ressentiments, einst verborgen,
merken, wie nah sie sich sind. Sie waren nie so weit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFE UND SPASS

Wenn der Tag vorüber ist,
fängt die Nacht an, nicht davor -
Wenn die Nacht vorbei ist,
fängt der Tag an, nicht zuvor -

Genieß Deine Freude in vollem Maß -
Verinnerliche Deine Traurigkeit ganz -
Die eine, Tiefe; der andere, Spaß -
Das Leben ist ein Tanz mit Substanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GIESSET DIE BLUMEN

Alle diese Gedanken,
die wir denken, in die Welt setzen,
was geschieht mit ihnen?
Die die ätzen, vernichten, verletzen.

Wir kommen und gehen
aber unsere Gedanken bleiben
wie unsichtbare Wolken
die verdichtend nicht weiter treiben.

Gedanken der Habsucht,
der Ichsucht und der Selbstsucht,
Gedanken der Eigensucht
und weniger der Lichtsehnsucht.

Ab und zu in der Wüste
hier und da ersprießt unerklärlich
eine einsame tapfere Blume.
Halte durch, Du bist unentbehrlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ÜBER DICH

Wie kann ich Dir helfen?
Sag es mir ruhig.
Wenn Du mir weh tun willst,
ja, auch das tu ich.

Wärst Du dann glücklich?
Erkläre es mir bitte
Was gibt Dir meine Stärke
gegenüber Deine Tritte?

Denn schwach bin ich nicht.
Du darfst mich verletzen
wenn Du das brauchst
um mich einzuschätzen.

Was Du aber mit mir machst
wenn Du über mir bist,
sagt mir wiederum alles,
was über Dich zu wissen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung