Wenn die Brise steif wird Wenn der Riese reif wird Wenn das Ende kalt wird Wenn die Wende alt wird Wenn das Herz zart wird Wenn der Schmerz hart wird Wende ich mich ab von Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
von lichten und dunklen Empfindungen
ABSCHIED VON UNSCHULD
Man sagt, das Jahr nimmt Abschied, man hört es in jedem Weihnachtslied, atmet es im wehmütigen Duft ein und sieht es im Kerzenlichtlein. Man ahnt, es ist nicht nur das Jahr, das geht; es geht auch die Unschuld, die nur Gutes versteht; es geht und vergeht kindliches Vertrauen an Liebe, und durchblickende Härte ist alles, was verbliebe. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DAS TIEFERE
Die Stufen die nach unten führen führen auch nach Oben Emotionen sind genau so wild wenn sie still sind wie wenn sie toben Nicht sehr unterschiedlich sind die die Dich kritisieren von denen die Dich loben Ich will keine Heiterkeit Ich will keine Höflichkeit Ich will einfach nur Ehrlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SPRECHEN IST TUN
Ich liebe Sprache - Sie kann so viel mit so wenig tun. Ich fürchte Sprache - Sie kann so viel mit so wenig vertun. Ich geize mit Sprache - Sie kann um so viel mit so wenig sich vertun. Ich hüte Sprache - Sie kann so Vielen mit so wenig alles antun. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
LIEBE MACHT DICHTER
Alkohol macht dicht Liebe macht Dichter Dichtung bringt Licht heller als irdische Lichter. Ist Dein Innenleben ein Gericht, teils komplex, teils schlicht? Dichten ist Schlichter. Lies einfach ein Gedicht, der geheime Licht-Trichter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHMERZ UND VERZEIHUNG
Verzeihung - Ich bitte nicht um sie Ich biete sie Dir an Verzeihung. Rache nie. Auch wenn es weh tut Vor allem wenn es weh tut Denn wenn es nicht weh tut Braucht es keine Verzeihung Ist es keine Verzeihung Fühlt es sich leer an. Verzeihung Weil es weh tut Verzeihung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WENN DU DEN WEG NICHT SIEHST
Wenn Du den Weg nicht siehst, nicht kennst, nicht spürst, bleib stehen und lebe, erlebe, den Ort. Dein Geist ist tiefer als Dein Verstand, schöpfe, schöpfe, schöpfe, zieh kräftig aus Deinem innersten Hort. Gib nie auf. Die Nacht ist endlich. Der See hat einen Boden. Das Licht hat das erste und das letzte Wort. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KLEINER
Und die Welt wurde kleiner und immer kleiner Bald gab es nur noch da Deiner und hier meiner Dein Bereich, mein Bereich, und ihrer und seiner Der Einzelne wurde alleiner und immer alleiner Je enger verbunden wir wurden desto gemeiner Je äußerlich feiner desto innerlich unreiner Und wer sucht die Schuld dafür bei sich? Keiner. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MANN UND SCHMERZ
Wie viel Schmerz kannst Du ertragen bevor Du ihn nicht mehr ertragen kannst? Wie viel Schmerz kannst Du ertragen bevor er Dich nicht mehr ertragen kann und Dich weiter ziehen lässt? Du bist stärker als sie es der Welt sagen - Schmerz erprobt und winterfest! Du kannst weit mehr Schmerz ertragen, als Du es mit Worten erklären kannst. Denn Du bist ein Mann. Che Chidi Chukwumerije Poems from the inner river
EIN NEUER BUND
Ein neuer Bund Basiert nicht auf Blut oder Boden Sondern auf geistigem Grund - Nur das allein führt nach Oben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
