Der frühe Morgen ist die schönste Nacht, tief und wissend und sacht - Die Sehnsucht nach Höherem erwacht, tief und suchend und sachte lacht, denn die Freude am Suchen wird belohnt mit einer Steigerung an Empfindung ungewohnt vom Urlicht, das über dem Dunkel thront. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
von Orten und Zeiten und Gefühlslagen
ART DER DEMUT
Die Demut ist das allerschwerste Gewicht und doch so einfach, leicht, fein und schlicht - Wie kann das sein? Die Größe, die eigene Kleinheit zu akzeptieren; Der Mut, sich für das Richtige sogar zu blamieren; Sein über Schein. Sie geht ihren Weg, zusammen oder allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DASSELBE LÄCHELN
Wenn Du genug Länder besucht hast Wenn Du genug Lächeln gesucht hast und überall wie ein ewiges Darlehen immer wieder dasselbe Lächeln gesehen und zurückgespiegelt hast, na dann… Vielleicht ist da wirklich etwas daran, wenn gesagt wird, daß wir alle irgendwann wieder eins werden werden im Gottesplan. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER HOFFNUNG DIE HOFFNUNG GEBEN
Heute hängt sehr viel Hass in der Luft Ich fühle es und fasse es nicht Das Herz fühlt sich an wie eine Gruft, liegt in der Brust wie ein Gewicht und tastet und langt und schreit und ruft und betet und ringt nach dem Licht. Heute schnappt die Hoffnung nach Luft, WIR müssen der Hoffnung die Hoffnung geben und überbrücken selbst mit Zuversicht die Kluft zwischen dem Tod und dem Leben - Manchmal ist die Hilfe nur ein zarter Duft von Adventskerzen und Tee und Reben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LAUNENHAFTIGKEIT
So, wie er die untergehende Sonne beobachtet,… die sich zurückziehenden Gezeiten betrachtet,… so, wie er die Vögel nach Süden fliegen sieht,… alles wahrnimmt, was um ihn herum geschieht, so schaut er manchmal machtlos zu, wie seine Laune sich verschlechtert im Nu, und vertreibt die Freude und verdirbt die Ruh. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLOCKADE
Ich frage mich manchmal, ob nachts die Welt vergisst, wie der Tag sich anfühlt und aussieht. So wie ein Körper in seiner Qual nicht mehr weiß, wie es ist, wenn ihn kein Schmerz durchzieht. Oder wie ein Mensch, allein im Tal der Verzweiflung, denkt, daß Christ- us’ Frieden sich auf Märchen bezieht. Und wie der Geist den Heiligen Gral in seiner Erinnerung vermisst, weil ihm genau das Gleiche geschieht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SONNE GEHT WIEDER AUF
Die Sonne geht wieder auf Deine Erdscholle freute sich darauf Die Dinge nehmen ihren gewöhnten Lauf Beispiele dafür gibt es Zuhauf Menschen lachen und sind gut drauf Sie lieben, streiten, erledigen den Einkauf Stoßen an, rufen, „Du säufst! Ich sauf!“ Geschäfte erleben den üblichen Zulauf Es riecht irgendwo nach Kartoffelauflauf Hunde und Kinder fliegen runter und rauf… Einen Tag nach dem einschneidend, glatt, Deine Welt sich verändert hat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SAGT ETWAS
Es gibt Blicke, sie sind grob, fest, physisch, Sie fassen sich gegenseitig überall an. Sie kleben förmlich aneinander siamesisch, ziehen einander jeweils in des andern Bann. Kein Wort moderiert die krude Intensität. Schweigend, dieser Moment der Intimität. Ein Mensch, der an der Bushaltestelle vorbei geht; Ein anderer, der auf dem Bus wartend steht. Jeder schaut den anderen verlangend an und wird nie erfahren des andern Identität. Hier kommt der Bus, der eine steigt ein - Der andere geht weiter. Beide bleiben allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE VIELEN MENSCHEN IN DER STADT
Die vielen Menschen in der Stadt, die täglich sich seelisch wappnen gegen die vielen Menschen in der Stadt, treffen in allen Ecken, auf allen ihren Wegen, die vielen Menschen in der Stadt. Dann ignorieren, irritieren, verletzen, erregen die vielen Menschen in der Stadt sich gegenseitig, ohne den Verdacht zu hegen, die vielen Menschen in der Stadt: dieses Sich-aneinander-Reiben ist ein Segen für die vielen Menschen in der Stadt, denn nur so können wir das Miteinander pflegen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER ERSTE EINDRUCK VERFEHLT
Die üblichen Blicke, wenn er vielerorts erscheint, eine schwere, harte, dicke Spannung, die alle dort vereint auf einer Seite, er allein auf anderer, mehr als nur ein fremder Einwanderer. Ein Unterklässler, vielleicht ein Feind. Der erste Eindruck verfehlt. Unser Land ist nun voller Schrott. Der erste Eindruck quält. Eine hämische Portion Spott, ein klammer Unterton der Feindseligkeit. Wäre jetzt tückisch jede Art Geselligkeit? Das weiß nur der Liebe Gott. Er spricht, macht, weder langsam noch flott. Er scheint die Spannung nicht zu merken, und doch scheint sie ihn dadrin zu stärken, weiter zu sprechen mit Worten und Werken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
