Ich kann meine innere Stimme nicht hören Das Radio läuft im Uber, Killing Me Softly tötet mich laut. Ich will mich nicht empören Die Musik verführt mich wie sanfte Schorle Fahren ist schön, fahren lassen aber auch Nehmen berauscht, nehmen lassen auch Gesellschaft ist schön, aber Alleinsein auch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
von Orten und Zeiten und Gefühlslagen
ORTE REDEN
Orte reden mit mir wie Menschen so mit Fremden reden: Unsere Eigenart haben wir hier, geflochten aus unsichtbaren Fäden unserer Bräuche, Wünsche und Geheimnisse. Ich spüre und verstehe ohne Worte jeden Ort, den ich besuche, wirklich jeden. Jeder für sich besonders sind alle Orte, dennoch spüre ich die uns verbindenden Fäden ohne Kenntnis der dahinterliegenden Ereignisse. Menschen wie Blicke treffen sich Menschen wie Blicke meiden sich Menschen wie Blicke verstehen sich Und Häuser, Straßen und, schweigend, Bäume bewohnen bleibend unserer Seelenräume. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GRAFFITI

Wie viel Drang, wie viel eingesperrtes, angestautes geistige Leben zwang die Seele dazu, derart intensiv Lautes gegen die Weltenwände zu schreien wie ein Hilfe- und Sucheruf aller Unfreien? Sie tobt und tobt und tobt sich aus ohne Befriedigung - Sie wird erwachsen, verlässt das Elternhaus, zwingt sich zur Ermässigung. Wartet nun Jahre später hier auf die Sbahn und starrt schweigend ihre alten Graffitis an. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BERGSUCHT
Gute Nacht Berge Himmlische Zwerge In meinem Empfinden bitte nie verschwinden Egal wie tief der Fall Egal wie dunkel das Tal erweckt in mir manchmal Eueres Rufes Widerhall… Eueres Rufes Widerhall. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNVOLLENDETE IST IMMER GEGENWÄRTIG
Die Gegenwart ist Dir immer modern, so war es auch in Zeiten alt und fern. Nie war es wichtiger als in diesem Moment zu weilen treu in Deinem Element, auszuleben intensiv Dein tiefstes Talent. Als ich diese Worte schrieb, heute früh, waren sie neu. Jetzt am Abend, deja vu, wiederholen sie sich, den morgigen gleichwertig. Das Unvollendete ist immer gegenwärtig - Unsere uralte Geschichte ist noch nicht fertig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERKUNFT IST KEIN HEMD
Wie nah ist zu nah? Wie fremd ist zu fremd? Wir sind hier, aber sind wir da? Herkunft ist kein Hemd das an- und ausgezogen wird, wenn um- und eingezogen wird, und zusammen weitergezogen wird als heutige Gesellschaft deutscher Nation. Jedem Anfang wohnt ein Schmerz inne, Neugeburt und Zauber sind seine Gewinne. Dich des Wesentlichen - Einheit - bitte besinne. Viele Herkünfte, eine Zukunft. Gedankenaustausch ergibt Vernunft. Auch Streitgespräche sind Gespräche Streit als Bindungsmittel ist nicht immer Schwäche Denn Stärke ist das Herz unserer Nation. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER TAG, GEISTIG GESEHEN
Nimm ernst einen jeden neuen Tag Er ist tiefer, merkwürdiger, wichtiger als jeder Mensch zu ahnen vermag und er ist vielleicht für Dich ein letzter Morgen ohne Abend oder ein letzter Abend ohne Morgen. Du entscheidest, welcher. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLE WEGE FÜHREN DORTHIN
Du kannst mich nicht aufhalten, wenn Du nicht weißt, wo ich hin will - Vielleicht will ich mich genau dort aufhalten, wo Deine Lüge mich hinhalten will - Dasselbe Wort, das mich belasten soll, tilgt stattdessen mein Haben, erhöht mein Soll. Das, was mich verwirren, desorientieren will, lehrt mich alles, was ich über Euch wissen soll. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHMITTAG IN MALABO
Eidechse und ich in der Sonne Lang schweigen wir aber meine Gedanken sie sind laut, üppig, und sie schwanken wie die Palmen in der Hitze Wonne meiner Sehnsucht nach Urwald so dunkel so grün und ewig jung gleichzeitig Erinnerung und Hoffnung - Ich gehe erneut aber ich komme bald wieder, denn die große Welt ist klein Die Welt da draussen ist in uns drinnen Die Sehnsucht nach Zuhause wird gewinnen… Eidechse, jetzt nickst Du zweimal fein und eilst in das Laubwerk hinein, ein Nicken war zur Bejahung ein Nicken war zur Verabschiedung jetzt bin ich mit meinen Gedanken wieder allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN HERZ VOLLER EMPFINDUNGEN
Ein Tag fängt mit einem Herz voller Empfindungen an Denn der Geist ist eine Sonne, die Regenbögen in der Seele aufwirft - Das ist seine Art, guten Morgen zu sagen, die Welt mit neuen Träumen zu grüßen und mit neuem Drang anzufeuern. Die Kunst Der Kampf Die Herausforderung ist nicht das Bewältigen des Äußeren sondern das Beibehalten des Inneren während Du täglich reist durch den tausendfach verzweigten Tag und an Deinem Inneren speist, denn nicht die Sonne erhellt den düsteren Tag sondern der Geist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
