KINDESWOHL

Wer passt auf Dich auf,
wenn Du ein Kind bist?
Wer sieht die Gefahren im Voraus,
eher Du auf sie triffst?
Wer beschützt Dich?

Wenn Dein Ball in eine Autostrasse fliegt
und Du ihm hinterher schießt..
Wenn Du auf einer Wiese spielst
und neben Dir ein offener Brunnen ist
ohne eigene elterliche Aufsicht.
Wer sonst beschützt Dich?

Und Erwachsene laufen vorbei –
Einige hocken am Fenster nebenbei –
Keiner macht einen Aufschrei.
Manche sehen die Gefahr nicht,
manchen ist es, unglaublich, egal.
Manche bangen aber trauen sich nicht,
fremde Kinder anzusprechen. Denn, ob legal?
Ob ideal? Jede Entscheidung ist vielleicht fatal.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSTERBLICHKEIT

Die Welt passt problemlos
in jedes Herz rein
Ist aber selbst viel zu klein
für das Herz. Groß

Ist die Sehnsucht nach Ewigkeit.
Diese sterbliche Welt allein
birgt unmöglich so viel Lebendigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WO LEBST DU?

Wo befindet sich das Leben?
Im Positionsspiel des Berufslebens?
Dort suchte ich einst das Leben
und siehe: Ich suchte vergebens.

Wo findet das Leben statt?
Im Geltungsdrang gesellschaftlichen Drucks?
Ihm widmete ich einst meine jede Tat,
bis ich darunter litt und dabei wuchs.

Wo spielt sich das Leben aus?
Bei Familie, Freunden, Religion, Leidenschaften?
Ein Teil von mir fand dort ein Zuhaus,
wo ich einsam saß inmitten der Machenschaften.

Wo bin ich am Lebendigsten?
Ganz einfach, hier ruhig in meinem Geiste.
Befolge ich meinem Innigsten,
spende ich Freude und bin der Freieste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VON BÄUMEN LERNEN

Der Baum stand da
Als wäre er nicht da
Und war für alle da

Der Mensch stand da
Als wäre er wirklich da
Und war für niemand da

Nur für sich selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MÄNNLICH IST NICHT WEIBLICH

Mann oder Frau?
Männlich oder weiblich.
Es gibt eine Sensibilität der Empfindung
Es gibt eine Tiefe der Erinnerung
Es gibt eine Genauigkeit der Wahrheitserkennung
Es gibt eine Intensität der Gewissensfühlung
Es gibt einen Grad der Gottesverbindung
Es gibt eine Feinheit der Schönheitsgestaltung
Es gibt ein Zuhause, eine Ruhe, ein Heil,
Zu deren Erreichung, das was zählt,
Mir als Mann der weibliche Anteil
Innen fehlt.
Männlich ist nicht weiblich
Und Mann ist nicht Frau.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE GEDANKEN SIND NICHT FREI

Die Gedanken sind nicht frei
Sie sind gut, böse, rein, unrein
Aber sie sind nicht zollfrei

Sie erhalten ihr eigenes Sein
Bewirken feinstofflich vieles dabei
Prägen weiter Dein Bewusstsein

Hängen an Dir wie ein Faden
Kehren im Kreis auf diesem Pfaden
Zu Dir zurück mit Gleichart beladen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEIN WORT IST WICHTIGER ALS SEIN BLUT

Alle denken an das Blut.
Aber wer denkt an das Wort?
Die wahre Erlösung beruht
nicht aufs Blut, sondern den Mut
zu leben nach dem Christuswort.

Wiederauferstehen durchs Wort,
gelebt, ist der Erlösung Attribut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERS

Ich sehe die Welt anders.
Ich sehe, daß wir mehrmals leben,
dabei Wechselwirkungen erleben,
als möchte uns das Leben vergeben,
gäben wir uns nun anders.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FALSCHHEIT

Wie viele Lächeln sind Lügen,
die ich lächele, wie viele Grüßen
sind falsch und nur zum Betrügen
gegrüßt? Alle tue ich scharf büßen
immer wenn wahre Augen, unbeeindruckt,
mich mild streifend strafen als müssen
sie schreien: wir haben Dich durchguckt!

Das Wortlose. Das Wortkarge.
Das ist immer das Trefflichste.
Es ortet präzise, spürbar, die arge
Eitelkeit, der Schrecklichste
Leichenteil im Mensch genannten Sarge.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH ALLES

Wenn jedes Gedicht ein Schritt ist,
welchem Gedanken nähere ich mich?
Wenn jeder Gruß ein Abschnitt ist
der menschlichen Reise ins Friedensreich,
wenn ich da ankomme, sehe ich Dich?

Wenn jede Trennung ein Tritt ist
in den Hintern, weil Du weiter gehen musst,
weiter suchen musst, hast Du noch Lust?
Wenn jeder Tag ein Zeitlimit ist,
erfüllst Du täglich alles in Deiner Brust?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung