Unsere Identität haben wir ganz nach Außen verlagert, Ihr Sinn wird in nur körperlichen Merkmalen begriffen. Dabei ist unsere wahre Identität im Geistigen gelagert - Wer dies nicht begreift, bleibt von Widersprüchen ergriffen; Wer es aber ahnt, kann innere und äußere Konflikte umschiffen. Die Zeiten werden komplexer werden, eher sie sich vereinfachen; Freunde, unwissend, werden sich gegenseitig kaputt machen; Fremde werden sich für Freunde halten, und ihre Freunde auslachen; Und wer und wo die wahren Feinde sind, Das weiß keiner, denn wir sind alle blind. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
ES HÖRT NICHT AUF
Es hört nicht auf Der Lebenslauf Tun ist Ankauf Der Gerechtigkeit Strahlen So langsam sie mahlen Einmal musst Du zahlen Nacht ist kein Ende Gräber sind keine Wände Nur Reue bringt die Wende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MAIFEIER
Riesen steigen nieder - Ein Geräusch feiner Gefieder melodischer als Lieder… Ende Mai ist es wieder. Zauber, von weit weit her, Wunderkraft, Lebenselixier, bringt Erneuerung zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VORHANG
Der Tag ist ein geschlossener Vorhang, der eine andere Sonne verdeckt. Wer würde ahnen, daß die Sonne heimlich eine Sonne versteckt? Der Mensch verheimlicht den inneren Menschen, Wirklichkeit ist in Wirklichkeit eine Illusion. Reden ist das Schweigen Deiner inneren Stimme und die Nation birgt eine zweite Nation. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUSAMMEN GETRENNT
Die ganze Welt ist verrückt geworden, Menschen trennen sich in Gruppen, in Horden, und hassen, fürchten, töten sinnlos sich - erbarmungslos, leidenschaftlich - gegenseitig, ohne sich mehr als oberflächlich zu kennen oder die makabre Gleichheit zu erkennen, mit der wir nun alle einheitlich brennen und zusammen unglücklich verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEMUT UND BESCHEIDENHEIT
Es gibt Momente, in denen wir uns besser dünken als wir sind, vielleicht weil wir es auch tatsächlich sind, aber dann befinden wir uns unter jenen, deren Zeit es ist zu führen, egal ob sie richtig, falsch oder ver-führen; wir sind gefangen in ihren Plänen, denn wir müssen alles erleben - Führung und Unterdrückung durchleben - und reifen durch unsere Tränen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER LERNWEG
Nichtsdestotrotz möchte ich Dich bitten, Weg, weiter zu gehen, ob wohl, wund geritten, meine Reifen, ich meine mein Begreifen von Dritten, bereits ausgereift ist - dritte Reiche, dritte Sitten. Man lernt nie aus, nie aus anderer Fußtritten und deren Berichten darüber; nein, selbst durchschritten muss man gefrorene Seen haben, auf dünnem Eis ausgeglitten sein, gebrochen, mit Lügen und mit Schatten gestritten haben, uralte Vorurteile, neu institutionalisiert, selbst erlitten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR LACHEN ZU VIEL
Wir lachen zu viel über Sachen, die viel zu wenig bedeuten - Scheuen das denkende Alleinsein, freuen uns über Teilsein der verzweifelten Meuten, die nicht wissen wollen, was wir dabei missen. Denn oberflächlicher Zugang zu den Leuten macht uns innerlich einsam, gleichsam diese Schmerzen uns wechselwirkend rettend häuten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUGFAHRT DURCHS LEBEN
Schnell fliegen die Bäume an mir vorbei - denn ich, soeben stürmisch, nun stillsitzend neben mir, besuche die Innenräume meiner Empfindungen. Ob ich Wichtiges versäume auf meiner Zugfahrt durchs Leben? Eine Rückfahrt ist nicht gegeben - Meine Tage sind die Träume meiner Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAHRE BESCHEIDENHEIT
Bescheidenheit ist nicht immer Bescheidenheit Manchmal ist sie Feigheit Manchmal ist sie Unehrlichkeit Manchmal ist sie Eitelkeit Manchmal ist sie Dummheit. Bescheidenheit ist nur manchmal auch wirklich Bescheidenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
