Wieder von Vorne anfangen Verlorene Zeit abhaken Es lebt noch Dein Verlangen Nach gleichartigen Geistern Nach Kunst ohne Kompromiss Du Dich selbst wieder begeistern Die Fähigkeit, Altes los zu lassen Ist unsere größte Superkraft Ist Macht, uns Neuem anzupassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
DEIN MEISTERSTÜCK
Während Du neben mir liefst Merkte ich, daß Du schliefst Denn Deine Augen waren nur nach Vorne gerichtet Die Samen am Straßenrand hast Du nicht gesichtet Wir liefen und redeten über das gelobte Land Ich hielt derweil eine Gießkanne in meiner Hand Und als Du abends neben mir Pause machtest Merkte ich, wie Du plötzlich aufwachtest Denn Du sahst auf meiner Straßenseite Blühende Blumen bis in ferne Weite. Jetzt verstehst Du warum ich ständig Am schaffen bin, stündlich, täglich - Dein Meisterstück ist eine Blume am Straßenrand An der Du vorbeiläufst unterwegs ins gelobte Land. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EMPFINDUNGEN SAGEN MEHR
Worte versagen Wo Empfindungen alles sagen - Diese formlosen Gefühle im Magen Wie kann eine Brust, So klein wie sie ist, bergen so viel Lust, Ertragen so viel Verlust? Woher kommt Wissen? Woher weißt so viel das Gewissen? Dieses Wissen will ich nicht vermissen. Es lehrt mich den Unterschied Kunstlied und Liebeslied, Zwischen Aufwiedersehen und Abschied. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE MASKE FÄLLT
Mir wurde als Kind gesagt in einem britisch-sozialisierenden Internat: Sie werden die Maske wieder fallen lassen Aufgegangen ist noch nicht die Saat Ihre Herrschsucht ist noch nicht gestillt Sie sind noch nicht fertig mit Hassen Wir warten geduldig auf sie, denn Sie werden die Maske wieder fallen lassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLAU ALS WÄRE
Gibt es einen Ort - und da würde ich hin, sofort - blau als wäre der Himmel ein Kleid gefertigt aus Freude, gewaschen aus Leid, an- und ausziehbar wie aus Seelentiefen ein Lächeln, das suchende Augen riefen, fern und fließend im Wind wie ein Traum, ruhig und festsitzend wie ein uralter Baum, eng anliegend wie ein verbindendes Eid, ein unendlicher blauer blauer Raum… fast eine Erinnerung, in der wir schliefen… Gibt es irgendwo diesen Ort? Da würde ich hin, und sofort. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEINE HEIMAT
Deine Augen saßen wie tote Steine auf Deinem Kopf Die waren offen, sahen alles, begriffen nichts Dieses Unbegreifen angesichts der Tatsache, daß klopf-klopf-klopf-klopf, unsere normalen menschlichen Taten an die Türen Deines Herzes ungehört appellieren, bewirkt die Weltenwende: wir rebellieren, geraubt von allen unseren Heimaten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIESO DER HASS?
Haben wir Schritte nach Vorne getan
um wieder rückwärts zu stolpern?
Oder sind wir im Kreis euphorisch geirrt?
Die Vergangenheit wartet ein paar
Generationen weiter in der Zukunft auf uns –
Schreiten wir als Gesellschaft vergeblich voran?
Nie sah ich rücklings zeigende Schuhe
bis moderne Füße sich darein steigerten
Eine Gesellschaft verliert sich im alten Nemesis
und verwechselt Gestern mit Morgen
und verwechselt Hassen mit Sorgen –
Ein Hass lang verborgen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE FARBEN DER NARBEN
Unsere Nation hat viele Farben Sieben und mehr und einen Regenbogen Und dann auch noch viel viel mehr Unsere Nation hat viele Narben Wer heilt die Wunden? Wet glättet die Wogen? Schwankend, tanzend, gerissen hin und her. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEUTSCHSEIN IST MEHR ALS BLUT UND BODEN
Deutschsein ist mehr als Blut und Boden Deutschsein ist Herz, weitsichtig, und Geist Wir atmen alle den selben Odem Der das deutsche Wesen heißt. Das sich Entfernen von der Menschlichkeit Brachte uns immer zum harten Fall Das sich Beziehen auf unsere Gemeinsamkeit Bildet uns dem Verfall einen Schutzwall. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE KLEINEN TIEFEN DINGE
Es sind die normalen die kleinen die gewöhnlichen Dinge die das Außergewöhnliche bewirken Ein Lächeln schiebt eine Leiter ins Loch mit der ein Verlorene heraus klettern kann.. Ein Moment des Zuhörens, der Anteilnahme Ist auch eine stärkende Aussage: Bleibe dran! Bleibe dran bei Deinem ehrlichen Versuch Sinn zu machen aus Deinem verwirrten Lebensplan. Wo Kleines sich traut, wird Großes mitwirken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
