Jeder ist wichtig Und gleich unwichtig Richtig Weil vielschichtig Vor allem gleichzeitig Durchsichtig Und undurchsichtig. Die Angst und die Zuversicht Klares Prosa und kryptisches Gedicht Habgier und Verzicht Freiwilligkeit und Pflicht Leichtigkeit und schweres Gewicht Das Dunkel und das Licht Wohnen in uns allen gleichzeitig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
NUR WISSEN VEREINT
Nichts ist wilder als Verzweiflung Nichts zynischer als Hass Nichts lauter als die Stimme der Zweiteilung Einer Gesellschaft in Pass und Ohne-Pass Lange dauert der Tiefe Heilung Schwer ist der Weg mit Liebe als Kompass Wichtigster Gegenstand für die Verteilung: Wissen. Der Schlüssel zum Einlass. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BUND DER VIELFALT
Ich kann nicht mehr
Und genau hier
Setzt Du an, ab hier
Fängst Du an, woher
Du diese Kraft hast
Ist mir unbekannt.
Vermutlich ist das der Grund
Warum Menschen unterschiedlich sind:
Damit wir durch Menschenbund
Uns gegenseitig lindern, wo wir wund sind
Und zusammen das erreichen
Was dem Einzelnen droht zu entweichen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINHEITLICHE FORMEN
Nichts begünstigt das Formen
von falschen Rückschlüssen
so gut wie äußere Formen.
Denkt zum Beispiel ans Küssen
Nein, das ist zu kompliziert –
Denkt an sich gegenseitig Begrüßen.
Tausend Absichten kodifiziert.
Einheitlich unterschiedlich, weil wir müssen:
Tausend Botschaften kommuniziert.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHLAFLEID
Ob heute Nacht
unter einer Brücke
ein Obdachloser Sehnsucht
nach einem altgeliebten Lied verspürt
und es nur in seinem Gedächtnis
wieder hören kann, denn er hat weder
Handy noch Musikspieler noch Internet,
und er wird nostalgisch, dann traurig,
dann unruhig, nimmt seine sieben Sachen
und sucht sich einen Bahnhof
unter der Erde und dort
auf einer Bank unter dem grellen Licht
hüllt sich in einem dunklen Schlafsack – und schläft – ein…
Ob er, bevor er einschläft,
in seinem Kokon wie eine Raupe,
sein altgeliebtes Lied zu sich singt
und an einen Schmetterling denkt?
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GLEICHE SPRACHE
Deine Fremdsprache
Klingt wie Musik in meinen Ohren
Ich verstehe sie nicht
Aber sie bringt mein Herzen zum Tanzen
Ich wusste nicht
Daß so viel Fremdes so vertraut wirke
Wenn Dein Lächeln und mein Lächeln
Deine Augen und meine Augen
Dein Geist und mein Geist
Die gleiche Sprache sprechen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FANG EINFACH AN
Aller Anfang ist schwer,
doch jedem Anfang wohnt
ein Zauber inne – daran eher
habe ich mich gewöhnt.
Denn im Anfang war nicht nur,
im Anfang IST das Wort,
das unerschöpfliche Nabelschnur,
dem alles Lenken gehört,
aus dem alles Werden wird.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WANN IST WICHTIGER ALS WO
Ich komme aus der Zukunft Lerne die Sprache von Hier und Jetzt Bevor ich zurück kehre Will ich gesagt haben Den Weg, der beginnt Hier und Jetzt. Wo kommst Du her? - Falsche Frage - Willst Du wissen, wo ich hingehöre. Wo ich her komme sagt Dir nichts Bis Du weißt, ob ich Zur Vergangenheit oder zur Zukunft gehöre. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREU
Bleib Dir treu Trotze Trends Alt wie neu Ignoriere vollends Wenn es Deiner Wahrheit nicht entspricht Zeig Dein Gesicht, Dein wahres Gedicht Das ist die Erfüllung der geistigen Pflicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS IHM WICHTIG IST
Wo kommst Du her? Diese Frage führt meistens nicht zu der Antwort der Frage, die sie stellt. Was bist Du? Diese Frage führt meistens zu der Antwort einer Frage, die sie nicht gestellt hat. Wo willst Du hin? Diese Frage ist eine Zauberformel - Egal wie der Mensch antwortet, er wird Dir zeigen, wer er ist… wo er her kommt, was er ist und wie er ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
