Es kommt der Moment Du sagst Dir Und Du sagst es Dir vehement Ein Mensch lebt hier! In mir. Diese Zukunft, von der alle reden Ein Stück davon wohnt in mir Ohne mich keinen Eden Der fehlende Teil steckt hier In mir. Ich wehre mich gegen Unrecht Gegen Ausschluss aus dem „wir“ Und es gibt mir Recht Der Mensch hier In mir! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
TÄGLICH SCHWARZ
Ich weiß nicht Wie der Tag das macht Mich verändert Bis vor Mitternacht Ich weiß nicht Wie die Gesellschaft es schafft Täglich mir zu nehmen Und zu geben Kraft Ich weiß nicht Wie das Leben das kann Jeden Tag zu zaubern Aus mir einen neuen Mann Nur eines weiß ich Diese dunkle Haut Ruft die vermittelnden Erlebnisse Täglich und laut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GRENZÜBERFAHRT
Sie führte Selbstgespräche in der Sbahn, dachte ich mir zuerst Merkte dann, nein, sie redet mit der Sbahn selbst und meint es ernst Mit den Fenstern, mit dem Sitzpolster, mit unsichtbaren Gästen die im Gang stehen Dann spürte sie meine Augen, wurde still und schaute weg beim Vorbeigehen. Ich wollte mich nicht umdrehen falls sie sich umdreht, um sie nicht zu kränken Aber ich schaffte es nicht mehr, mein Sinnen auf andere Gedanken zu lenken. Wann verschiebt, wo befindet, sich die Grenze einer Realität? Ist es Schmerz, Erinnerung oder Veranlagung Neugier, Trauma oder Genialität? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWARZ SEHEN
Lass uns nebeneinander Auf der Straße gehen Und in den Blicken lesen Was sie sehen Lass uns nacheinander Den selben Fehler begehen Und aus den Reaktionen lernen Was sie sehen Lass uns unabhängig voneinander Etwas sagen, was sie missverstehen Und in ihren Interpretationen erahnen Was sie sehen Nun lass uns miteinander Zu unserer Überzeugung stehen Und in ihren Köpfen korrigieren Was sie sehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE SELBEN SCHMERZEN
Sonderbare Welt Wo jeder Mensch den anderen Für einen Fremden hält Wortlos an einander vorbei gehen Ohne zu entdecken Daß sie alle die selben Schmerzen In sich verstecken Selbst wortlos würden sie sich verstehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VORURTEILE ALS FILTER
Es könnte so einfach sein Ohne Vorurteile als Filter Dinge zu durchblicken fein Aber da haben wir sie Die Vorurteile als Filter Blind machend wie noch nie. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE STELLST DU DIR SCHWARZ VOR?
Kannst Du es Dir vorstellen Daß ich es mir vorstellen kann Das was Du Dir vorstellen kannst? Kannst Du es Dir vorstellen Daß ich es mir vorstellen kann Das was Du Dir nicht vorstellen kannst? Kannst Du es Dir vorstellen Daß ich es mir nicht vorstellen kann Daß Du es Dir vorstellen kannst Daß ich es mir nicht vorstellen kann? Wenn Du Dir das vorstellen kannst Kannst Du Dir vorstellen Daß ich mir nicht vorstellen kann Daß Du es Dir vorstellen kannst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VIELSCHICHTIG
Jeder ist wichtig Und gleich unwichtig Richtig Weil vielschichtig Vor allem gleichzeitig Durchsichtig Und undurchsichtig. Die Angst und die Zuversicht Klares Prosa und kryptisches Gedicht Habgier und Verzicht Freiwilligkeit und Pflicht Leichtigkeit und schweres Gewicht Das Dunkel und das Licht Wohnen in uns allen gleichzeitig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NUR WISSEN VEREINT
Nichts ist wilder als Verzweiflung Nichts zynischer als Hass Nichts lauter als die Stimme der Zweiteilung Einer Gesellschaft in Pass und Ohne-Pass Lange dauert der Tiefe Heilung Schwer ist der Weg mit Liebe als Kompass Wichtigster Gegenstand für die Verteilung: Wissen. Der Schlüssel zum Einlass. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BUND DER VIELFALT
Ich kann nicht mehr
Und genau hier
Setzt Du an, ab hier
Fängst Du an, woher
Du diese Kraft hast
Ist mir unbekannt.
Vermutlich ist das der Grund
Warum Menschen unterschiedlich sind:
Damit wir durch Menschenbund
Uns gegenseitig lindern, wo wir wund sind
Und zusammen das erreichen
Was dem Einzelnen droht zu entweichen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
