Irgendwann gibst Du auf und lässt den Herbst herein; Altern gehört zum Lebenslauf, Reifen zum erfüllten Sein. Die Blätter lassen die Farben los, eine nach der anderen; Die Bäume lassen die Blätter los, die faden und die bunteren. Die Menschen lassen die Menschen los, um ihre Wege weiter zu gehen; Die Menschen lassen die Menschen los bis auf Wiedersehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
zum Nachdenken
EIN LAND
Ein Land, zwei Seiten Eine Seite, zwei Länder Deutschland Deine weiten Tiefen sprechen Bänder. Das, was Du hasst, ist ein Teil von Dir, weil Du es hast tief in Dir und tief in mir. Das, was Du hast, ohne es zu beachten, ist‘s, was zu Dir passt - Nur tiefer beobachten. Die Gleichart ist tiefer als gedacht und verdient nicht so viel Verdacht und verdient nicht so viel Verdacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
IRGENDJEMAND
Egal wie Du Deine Worte wählst irgendjemand wird sie falsch finden Egal wie weit weg Du von allen stehst an irgendjemanden wirst Du Dich binden Egal wie fest Du sie alle an Dir hältst irgendjemand Liebes wird aus Deinem Leben verschwinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ZEITGARTEN
Hier bin ICH räumlich und zeitlich Hier Bin ICH so still wie die Zeit Hier verliere ich mich Hier finde ich mich Hier pflanze ich mich Hier pflege ich mich Hier ernte ich mich Wann ist Dein Zeitgarten? Ein heimlicher Moment der Einkehr beim Gehen, beim Warten, beim Reden sogar, als wenn nichts wär… Wo ist Dein Zeitgarten? Hier wirst Du heilen. Eine Sekunde fühlt sich so an wie ein ewiges Verweilen. Eine Kraft tanken, egal wo und wann, so still wie die Zeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
*Den Begriff und das Wort “Zeitgarten” habe ich von Monika Guillery. Monika, Arno Börtzler und ich leiten zusammen den Frankfurter „Bahnhofsviertel-Literaturclub“.
IMMER ALLES WISSEN
Es ist nicht gut, immer alles zu wissen - Das erträgt kein Verstand, kein Herz, kein Gewissen. Notwendig ist es auch nicht, noch hilfreich. Es raubt Dir Zeit und Ruhe, ohne Ausgleich. Und meistens ist es nur die eigene Eitelkeit, die von anderen erwartet absolute Offenheit; Eitelkeit oder Unsicherheit; oder Selbstüberschätzung. Nicht alle Neugier ist gut - manche ist seelische Ätzung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN NEUER BUND
Ein neuer Bund Basiert nicht auf Blut oder Boden Sondern auf geistigem Grund - Nur das allein führt nach Oben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DAS GEWICHT TRAGEN WIR MIT
Das Gewicht der Nation tragen wir mit auf gleichgültigen Schultern ganz egal die Herkunft unserer Eltern packen wir mit an und halten Schritt. Das Gewicht der Nation tragen wir mit auf weitsichtigen Schultern die Werte kennend die Unwertes herausfiltern und stabilisieren langfristig unseren Tritt. Das Gewicht der Nation tragen wir mit auf belastbaren Schultern denn hier leben, hier schaffen, hier altern werden wir, mit verankert im Durchschnitt. Das Gewicht der Nation tragen wir mit auf leichten Schultern leicht gemacht im selbstbewussten muntern Stolz, der alle Lügen erfolgreich bestritt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHICKSALSZÜGE
Zwei Züge stehen neben einander auf unterschiedlichen Gleisen Unterhalten sich eng miteinander bis sie in getrennte Richtungen abreisen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
LANG VERLOREN
Ich war lang verloren und wusste es nicht denn verloren sein gehört zum Weg ins Licht. Ich war lang verloren und merkte es irgendwann denn verloren sein fühlt sich wie verloren sein an. Ich habe mich nun gefunden und liebe jetzt um so mehr den Verlorenen, der ich einst war, denn er führte mich zu mir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WEN SEHE ICH?
Wen sehe ich? Dich? Oder mich? Dich sehe ich seit langem nicht mehr… Ich sehe nur mich - und das auch nur ungefähr… Meine Ängste, meine Erinnerungen - Meine Schmerzen, meine Empfindungen- Meine Freuden, meine Hoffnungen - Meine Schatten, meine Erwartungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
