SELBSTSCHUTZ

Wir lachen, obwohl wir ernst sind -
Wir lachen, weil wir ernsthaft sind -
Zu ernstlich, zu schwer, zu intensiv,
deshalb lachen wir, mildernd, defensiv.

Wir schweigen, obwohl wir viel zu sagen hätten,
denn Worte schmiegen oft die schwersten Ketten -
Und sollten wir fallen, wer könnte uns noch retten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EWIG LEBEN

Lohnt es sich
an Gott zu glauben?
Lohnt es sich
an Gott nicht zu glauben?

Wo bleibt der Frieden Deines Herzens?
80plus Jahre können doch nicht alles sein.
Der Brennstoff in mir braucht eine Ewigkeit
Und würde immer noch nicht alle sein.

Spürst Du es nicht in Dir?
Dieses Ewig-bestehen-Können
Ewig-sein-Seien, Ewig-leben-Dürfen?

Spürst Du es nicht auch in Dir?
Der Ewige hat Dich heraus gegeben
Und Dich erlaubt, fort an zu leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LACHEN

Weil es nichts Besseres gibt als Lachen
Weil es nichts Schlimmeres gibt als Lachen
Weil es nichts Ehrlicheres gibt als Lachen
Weil es nichts Falscheres gibt als Lachen
Weil es nichts Wärmeres gibt als Lachen
Weil es nichts Kälteres gibt als Lachen
Weil es nichts Einladenderes gibt als Lachen
Weil es nichts Abstoßenderes gibt als Lachen
Weil es gibt Verbindenderes gibt als Lachen
Weil es gibt nichts Trennenderes gibt als Lachen
Weil es nichts Beruhigenderes gibt als Lachen
Weil es nichts Irritierenderes gibt als Lachen
Weil es nichts Integrierenderes gibt als Lachen
Weil es nichts Ausgrenzenderes gibt als Lachen
Weil es nichts Kindlicheres gibt als Lachen
Weil es nichts Älteres gibt als Lachen
Weil es nichts Männlicheres gibt als Lachen
Weil es nichts Weiblicheres gibt als Lachen
Weil es nichts Menschlicheres gibt als Lachen
Weil es nichts Unmenschlicheres gibt als lachen
lache ich manchmal mit
und manchmal schweige ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INNEN DRIN

Wenn wir nur wüssten
wie alt wir alle wirklich sind!
Äusserlich sichtbare Verhältnisse
machen uns blind.

Blut und Boden sind Bühnen
die wir besuchen und verlassen…
Innen drin die wahren Menschen
gehören eigenen Welten und Rassen.

Ich bin Dir mehr als Du weißt
oder weniger -
Viele sind böser als Du denkst,
andere seliger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUFSTIEG DES KÜNSTLICHEN

Daß so viel Schönheit
so viel Tiefe fehlen könnte,
beweist uns die Jetztzeit,
wo sich das Künstliche krönte.

Mit der KI sieht‘s vollkommen aus,
dennoch fehlt irgendwas.
Auch sie jagt nur den Applaus,
ihr gegeben als Richtmaß.

Seltsam, das Vollkommene fühlt sich
irgendwie unvollkommen an.
Selbstverständlich. Denn die Ki fügt sich
ein, passt sich uns vollkommen an.

Zurückgedrängt, die Empfindung.
Bemächtigt, die Geltungssucht.
Erleichtert, Betrug und Verwirrung.
Analog-bleiben wird zur Realitätsflucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MOMENTE NEUER ERKENNTNISSE

Der Moment, in dem ein Gedanke,
der über Dir jahre- und jahrzehntelang
gewartet hat, wie vor einer Schranke,
endlich in Dich wie ein Samen eindrang,
weil Du nun reif genug geworden bist
und Dich ihm geöffnet hast, bereit.
Dieser Moment, ein kurzer Augen-Blick, ist
der Grund für Deine Erdenzeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZÜGIG LAUFEN

Laufen
als wäre das Leben eine kurze Reise
und Du hattest keine Zeit mehr
Zügig laufen. Bald bist Du ein Greise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERT EINES MENSCHEN

Was macht einen Mensch wertvoll?
Geld? Macht? Waffen? Schönheit?
Aber alles Haben verlangt sein Soll.
Wahrhaftigkeit. Liebe. Bescheidenheit.

Manche finden den Zugang zum Geldfluss
Und sind dann „reich“. Andere nicht.
Manchen haben Macht und deren Genuss
Und werden hart und weich. Viele nicht.
Manche sind körperlich schön - zum Verdruss.
Denen ist alles gleich. Den meisten nicht.

Doch gut sein und wahr sein und bescheiden sein
Ist kostenlos. Das können alle sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TATEN SIND WORTE

Taten sind Worte
Sie waren unsere ersten Worte
der unmittelbarsten Sorte
Und, so der Anschein,
Werden sie auch unsere letzten sein.
So schätze ich uns mittlerweile ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ORT FÜR TATEN

Es gibt eine Ecke
in der gesellschaftlichen Seele
Die siehst sie nie
selbst nicht mit der schärfsten Brille
Deines Verstandes.
Nicht mal das Herz ahnt
daß sie vorhanden ist,
diese Ecke. Nur Güte bahnt
sich den Weg zu ihr.
Taten der Güte, der Menschlichkeit,
der Selbstlosigkeit, der Freundlichkeit,
nur Handlungen öffnet der Seele
ihr Herz, ihre verschlossene Kehle
und lässt Worte - die echten, die warmen -
Form nehmen und Dich umarmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung